Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

WOHNRAUM: Private sollen gemeinnützig bauen

Der Stadt gehen die Grundstücke für gemeinnützigen Wohnungsbau aus. Nun will der Stadtrat Private in die Pflicht nehmen. Doch diese wehren sich.
Robert Knobel
Am Reusszopf sollen gemeinnützige Wohnungen entstehen. (Symbolbild Neue LZ)

Am Reusszopf sollen gemeinnützige Wohnungen entstehen. (Symbolbild Neue LZ)

Robert Knobel

16 Prozent: Dies ist der Anteil an gemeinnützigem Wohnraum, der bis zum Jahr 2037 erreicht werden muss. Das haben die Stadtluzerner mit der Annahme der Wohnraum-Initiative 2012 beschlossen. In den nächsten Jahren müssen daher Tausende neue Genossenschaftswohnungen gebaut werden. Die Stadt geht dabei mit gutem Beispiel voran: Wo immer sie Land besitzt, will sie es den Wohnbaugenossenschaften zur Verfügung stellen. So werden etwa die städtischen Grundstücke an der Industriestrasse, im Eichwald und an der Bernstrasse an Genossenschaften abge­geben. Weitere Areale sollen folgen.

Doch die städtischen Grundstücke reichen nicht aus. Deshalb sollen auch private Grundstückeigentümer in die Pflicht genommen werden. Doch diese zeigten bisher wenig Interesse, ihr Land den Genossenschaften zur Verfügung zu stellen – zumal es lukrativere Nutzungen gibt. Deshalb will die Stadt nun Druck machen. Eine erste Gelegenheit dazu bietet sich im Reusszopf zwischen der alten Hauptstrasse und der neuen Reussbühlstrasse (siehe Grafik).

Zurzeit erarbeitet die Stadt die Bebauungspläne für das Gebiet. Geplant ist, dieses wesentlich dichter zu überbauen als heute. Für die Bauherren ist das lukrativ. Darum pocht die Stadt auf eine Gegenleistung: 20 Prozent der Wohnungen, die zusätzlich erstellt werden dürfen, müssen gemeinnützig sein. Das bedeutet, dass die Eigentümer nicht gewinnorientiert handeln dürfen. Es werden zum Beispiel keine Tantiemen ausgerichtet, die Gewinne müssen reinvestiert werden.

Die betroffenen Areale gehören verschiedenen Privaten – darunter Jost Schumacher, Eigentümer des Grundstücks der Pizzeria Reusszopf. Doch wie können sie die Forderungen überhaupt erfüllen? Private Eigentümer sind nämlich gar nicht berechtigt, gemeinnützig zu bauen – so zumindest die Sichtweise der Stadt. Das musste Jost Schumacher erfahren, als er die Vergabe der Grundstücke an der Bernstrasse anfechten wollte. Schumacher argumentierte, es sei nicht haltbar, dass sich nur Genossenschaften für die Überbauung bewerben konnten. Er als Privater könne ebenso gemeinnützig bauen. Die Stadt stellte sich auf den Standpunkt, dass nur Genossenschaften die Kriterien der Gemeinnützigkeit erfüllen (wir berichteten).

Macht das Beispiel Schule?

Nun also sollen Private in Reussbühl gleichwohl zu gemeinnützigem Wohnungsbau verpflichtet werden. Die Betroffenen sind alles andere als erfreut darüber. Luzius Hitz führt die Interessengemeinschaft Reussbühl Ost mit sechs Grundeigentümern, darunter auch Jost Schumacher. «Die Stadt muss die Forderungen der Wohnraum-Initiative selber erfüllen und kann sie nicht einfach auf die Grundeigentümer abwälzen», sagt Hitz. Er befürchtet, dass mit dem Bebauungsplan Reusszopf ein Präjudiz für weitere Areale geschaffen wird.

Genossenschaft als Glücksfall

Doch bei der Stadt pocht man auf eine Abschöpfung des Mehrwerts, den die Bauherren dank des Bebauungsplans erhalten. Insofern sei die Auflage vertretbar, sagt Deborah Arnold, Leiterin Stadtentwicklung. Wie sich das genau umsetzen lässt, müsse nun mit den Grundeigentümern diskutiert werden. Diese haben bereits eine Idee, wie sie die städtischen Vorschriften erfüllen können. Zufälligerweise befindet sich im Bebauungsperimeter ein Areal, das der Baugenossenschaft Reussbühl gehört. Diese ist ebenfalls Teil der IG Reussbühl Ost. Die Idee ist folgende: Die Genossenschaft baut auf dem Areal gemeinnützige Wohnungen. Im Gegenzug werden die übrigen Grundstückeigentümer von der Pflicht befreit – ohne weitere Kostenfolgen. Wie die Stadt auf dieses Angebot reagiert, ist noch offen. Für Luzius Hitz ist dies aber ein gangbarer Kompromiss. Ansonsten drohe sich die Überbauung des Reusszopfs weiter zu verzögern. «Gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan hinken wir schon mehrere Jahre hinterher», so Hitz.

Ursprünglich war vorgesehen, dass der Bau beginnen kann, sobald die neue Umfahrungsstrasse fertig ist. Doch von Baureife ist man zurzeit noch weit entfernt. Luzius Hitz macht die Stadt dafür verantwortlich. «Ständig kommen neue Auflagen auf uns zu.» Denn das Kriterium Gemeinnützigkeit sei nicht der einzige Punkt, bei dem die Stadt versucht, den Bauherren Gegenleistungen abzuringen. So sollen beispielsweise die Kosten für öffentliche Fusswegverbindungen in dem Areal auf die Eigentümer abgewälzt werden. Zudem soll die Bauweise 2000-Watt-kompatibel sein.

Breites Trottoir, weniger Baufläche

Und offenbar überlegt man sich bei der Stadt, das Trottoir um drei Meter zu verbreitern – auf Kosten der privaten Baufläche. Kommt hinzu, dass mehrere Grundeigentümer ihre Häuser abreissen mussten, um Platz zu schaffen für die Grossbaustelle der Umfahrungsstrasse. Sie erzielen dort also keine Einnahmen mehr, und bis die ersten Wohnungsmieten gezahlt werden, dauert es wohl noch Jahre. «Wir erwarten von der Stadt ein anderes Gebaren», sagt dazu Luzius Hitz. Er würde sich wünschen, dass die Stadt den Bauherren anderswo entgegenkommt – etwa indem sie höher bauen dürfen. Zurzeit dürfen im Reusszopf maximal fünf Vollgeschosse gebaut werden. Doch auf entsprechende Anfragen der Eigentümer antworte die Stadt jeweils «nur zögernd und bruchstückhaft».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.