Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

WOHNRAUM: Tourismus auf Kosten der Luzerner?

In Grossstädten wehren sich Einheimische gegen die Vermietung von Wohnungen an Touristen. Auch in Luzern stehen Angebote wie Airbnb in der Kritik.
Oliver Schneider
Symbolbild: Zimmervermietung über Airbnb. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Symbolbild: Zimmervermietung über Airbnb. (Bild: Nadia Schärli / LZ)

Oliver Schneider

stadt@luzernerzeitung.ch

Als kleinen Nebenverdienst Wohnungen zu vermieten, wird durch die Internetplattform Airbnb einfach gemacht. Private müssen nur ein Inserat auf die Plattform stellen, und schon läuft die Maschinerie. Zurzeit werden im Raum Luzern 300 Wohnungen auf Airbnb angeboten.

Solche Angebote haben den Vorteil, dass sie verhindern, dass Wohnungen ungenutzt sind. Gemäss Lustat Statistik Luzern stehen in der Stadt Luzern zurzeit 473 Wohnungen leer – eine Leerwohnungsziffer von 1,03 Prozent.

Luzerner Politiker werden aktiv

Problematischer wird es, wenn Wohnungsbesitzer ganz bewusst auf Airbnb setzen statt auf herkömmliche Mieter. «Dadurch wird Wohnraum für Einheimische vernichtet», sagt der Luzerner SP-Kantonsrat David Roth. In europäischen Grossstädten sorgte diese Entwicklung in jüngster Zeit für Proteste von Einheimischen. Auch Mark Schmid, Präsident des Mieterverbands Luzern, hält die Entwicklung für problematisch: «Wohnungen werden teilweise dauerhaft an Touristen untervermietet, wodurch preisgünstiger Wohnraum verlorengeht.» 2016 hat David Roth eine Motion eingereicht, die auch seine Kantonsratskollegen Ferdinand Zehnder (Luzern Tourismus) und Patrick Hauser («Schweizerhof») unterschrieben haben. Die Motion forderte Massnahmen für die Erhaltung von Wohnraum. Die Regierung wollte aber zuerst auf den Bund warten. Inzwischen ist der Bericht «Digitale Schweiz» veröffentlicht. Dieser widmet sich der Wohnraumproblematik im Zusammenhang mit Airbnb – und spielt den Ball den Kantonen zu. Am 11. September beginnt die nächste Session des Kantonsrats. Roth: «Bis dahin will ich in Absprache mit Zehnder und Hauser einen neuen Vorstoss ausarbeiten.»

Für Ärger sorgen auch sogenannte Business-Apartments. Diese werden möbliert und auf Wunsch inklusive Reinigungs- oder Wäscheservice angeboten. Preise zwischen monatlich 2000 Franken für eine 1.5-Zimmer-Wohnung und über 5000 Franken für eine 3.5-Zimmer-Wohnung seien keine Seltenheit, schrieb SP-Grossstadtrat Mario Stübi 2016 in einer Interpellation. Damit steige das quartierübliche Preisniveau, was bezahlbaren Wohnraum vernichte. Glandon Apartments, die in Luzern insgesamt 100 möblierte Wohnungen vermietet, und HITrental, die in Luzern knapp 80 Wohnungen im Angebot hat, weisen solche Vorwürfe zurück. «Man muss zwischen Airbnb und Anbietern von Business-Apartments wie uns unterscheiden», sagt Severin Glanzmann, CEO von Glandon Apartments. Ihre Kunden müssten eine Wohnung mindestens für einen Monat mieten, dies spreche keine Touristen an. Die Gebäude seien früher Büros oder Personalzimmer von Hotels gewesen, die nicht mehr gebraucht wurden. «Daraus haben wir möblierte Studios mit Kochnischen gemacht», sagt Glanzmann. Damit sei kein Wohnraum für Luzerner verlorengegangen.

Ähnlich tönt es bei HITrental: «Die rund 50 Wohnungen, die wir bei der Allmend anbieten, sind dafür konzipiert und so von der Stadt bewilligt», sagt Dominic Hess, Mitglied der Geschäftsleitung. Das Familienunternehmen bietet 29 weitere Appartements an der Waldstätterstrasse, der Tribschenstrasse und im ehemaligen Hotel Schiff an. Auch HITrental vermiete die Appartements an Geschäftsleute und über einen längeren Zeitraum, wodurch kein ständiger Mieterwechsel erfolge. Eine Anwohnerin von solchen Appartements sieht dies anders: Sie sehe nicht nur Geschäftsleute ein und aus gehen, sondern auch Familien und offensichtliche Touristen.

Aus touristischer Sicht sind zudem die Kurtaxen und Abgaben ein Problem. «Viele private Anbieter bezahlen bewusst oder unbewusst keine Kurtaxen», erklärt Ferdinand Zehnder, Präsident der Luzern Tourismus AG. Dadurch seien sie gegenüber Hotels in ungerechtfertigter Weise bevorzugt.

Das Steueramt Luzern überprüft periodisch, ob private Anbieter ordnungsgemäss abrechnen. «Total sind für das Jahr 2016 in Luzern allein über Airbnb 5500 Logiernächte mit Abgaben von gesamthaft 13 000 Franken abgerechnet worden», sagt David Schär, Leiter des Steueramts Stadt Luzern. Eine Dunkelziffer könne nicht ausgeschlossen werden. Zum Vergleich: Die gesamten Kurtaxeneinnahmen beliefen sich auf rund 2,9 Millionen Franken.

Kanton Zug hat schon eine Lösung gefunden

Die Kurtaxe wird pro Logiernacht erhoben und beträgt 1.80 Franken. Dazu reichte die städtische GLP-Fraktion kürzlich ein Postulat ein. Sie verlangt, die Kurtaxen bei Airbnb-Anbietern systematischer zu erheben. Auch Ferdinand Zehnder strebt eine klarere Regelung an, jedoch auf kantonaler Ebene: «Eine rein städtische Lösung wäre ein Fehler.» Der Kanton Zug sei mit gutem Beispiel vorangegangen. Seit kurzem werden die Kurtaxen dort direkt über Airbnb abgerechnet (Ausgabe vom 21. Juni).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.