WOHNSITZ: Luzern ist für Reiche zunehmend attraktiv

Einst galt der Kanton für Vermögende und Gutverdiener als fiskalische Zumutung. Heute leben immer mehr von ihnen hier – was nicht nur mit Steuersenkungen zu tun hat.

Christian Peter Meier
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Weggis ist eine der Gemeinden, in denen sich gute Steuerzahler niederlassen. (Bild: Pius Amrein (20. Juli 2014))

Weggis ist eine der Gemeinden, in denen sich gute Steuerzahler niederlassen. (Bild: Pius Amrein (20. Juli 2014))

Christian Peter Meier

christian.meier@luzernerzeitung.ch

Vor kurzem bediente die «Bilanz» mit ihrer jährlich erscheinenden Liste der 300 reichsten Schweizer wieder die allgemeine Neugier. Mit Blick auf den Kanton Luzern illustriert sie vorab eines: Konstanz. Denn die Aufstellung der angeblich bestdotierten Luzerner (siehe Box) sieht seit Jahren ungefähr gleich aus. Einzig Hans-Peter Strebel stiess schon letztes Jahr zum exklusiven Kreis, nachdem der Apotheker, Pharmaforscher und aktuelle EVZ-Präsident vom Kanton Aargau ans Luzerner Seebecken gezogen war.

Trotz Strebel lässt sich feststellen: Eine erste Adresse für neuzuziehende Superreiche ist Luzern nicht. Daran haben auch die Steuerrevisionen der Jahre 2005, 2008 und 2011 nichts geändert. Damals wurden bekanntlich nicht nur die Kapitalsteuer und die Gewinnsteuer reduziert, sondern auch die Einkommenssteuer. Gar halbiert wurde die Vermögenssteuer.

Der Exodus konnte gestoppt werden

Fokussiert man allerdings nicht ausschliesslich auf die 300 Vermögenspromis der «Bilanz», sondern auch auf gut betuchte Steuerzahler unterhalb dieser Liga, ergibt sich ein für Luzern deutlich besseres Bild. Um das Fazit vorwegzunehmen: Der Kanton Luzern hat im vergangenen Jahrzehnt für Wohlhabende messbar an Attraktivität gewonnen. Namentlich konnte der früher oft beklagte Exodus guter Steuerzahler gestoppt werden – und dies, obwohl auch andere relevante Kantone wie Zug oder Obwalden die Steuern in vergleichbarem Ausmass reduzierten. Dies belegen die nationalen und kantonalen Steuerstatistiken (siehe Tabelle).

So hat sich die Zahl der Personen mit einem Reinvermögen von mehr als 10 Millionen Franken gemäss den Aufstellungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung im Kanton Luzern gut verdoppelt: Während 2005 dieser Kategorie im Kanton Luzern 314 Personen angehörten, waren es 2013 schon 631. Landesweit betrug der Zuwachs in der gleichen Zeitspanne 73,3 Prozent – in Luzern war die relative Entwicklung in diesem Bereich also überdurchschnittlich (plus 101,0 Prozent). Die 631 Luzerner machen 4,8 Prozent aller in der Schweiz lebenden Personen dieser Kategorie aus, was wiederum genau dem Anteil der kantonalen Bevölkerung an der Bevölkerung der Schweiz entspricht. Oder anders formuliert: Der Kanton Luzern hat dank des Zuwachses nun genau so viele Reiche, wie ihm bei einer gleichmässigen Verteilung auf alle Kantone zustehen würde.

Die besagten 631 Personen versteuerten 2013 ein zusammengezähltes Reinvermögen von 21,7 Milliarden Franken. Acht Jahre zuvor betrug der kumulierte Wert noch 9,7 Milliarden Franken. ­Zumindest in dieser Kategorie wurde die Halbierung der Vermögenssteuer also überkompensiert.

170 Einkommensmillionäre leben in Luzern

Nicht nur die Zahl der reichen, sondern auch die Zahl der sehr gut verdienenden Personen ist im Kanton klar gestiegen: 2005 lebten hier gemäss Lustat Statistik Luzern 115 Personen mit einem Reineinkommen von mehr als einer Million Franken pro Jahr; 2014 zählte die Steuerverwaltung 170 dieser Einkommensmillionäre. Davon waren 44 in der Stadt Luzern gemeldet, 41 in Meggen, 25 in Horw, die restlichen 60 in anderen Gemeinden des Kantons. Diese Entwicklung ist umso bemerkenswerter, als die Luzerner Einkommenssteuern im natio­nalen Vergleich trotz der erwähnten Reduktionen noch ­immer ziemlich hoch sind.

Finanzdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) führt die beschriebene Entwicklung denn auch nicht nur auf die Steuersenkungen zurück – «aber schon zu einem sehr guten Teil», wie er betont. Dank der nun viel tieferen Vermögenssteuer sei ­Luzern heute für wohlhabende Personen attraktiv. Nicht unterschätzen darf man gemäss Schwerzmann die kantonale Steuerpolitik im Bereich der Unternehmenssteuern. «Mit den Firmen ziehen auch Kaderpersonen nach Luzern, die gut verdienen, zum Teil aber auch hohe Vermögenswerte mitbringen.» Andere Gründe für die gewachsene Attraktivität Luzerns sieht Schwerzmann in der verbesserten Erreichbarkeit Luzerns. «Ausserdem sind im Kanton attraktive Wohnlagen erhältlich, wie es sie in ähnlicher Qualität etwa in Zürich kaum gibt», sagt er. Namentlich die Gemeinden entlang des Vierwaldstättersees seien beliebt. «Und sie haben im Rahmen der Ortsplanungen auch sehr gut gearbeitet», lobt Schwerzmann. In Vitznau und Weggis etwa würden diverse historische Sommersitze an privilegierter Lage nun dauerhaft bewohnt. «Das zahlt sich auch mit Blick auf die Steuererträge aus.»

Ähnliches ist aus Meggen zu berichten. Auch hier hat sich die Zahl der guten Steuerzahler klar erhöht, was natürlich sehr direkt mit den traditionell attraktiven Fiskalsätzen im Dorf zu tun hat. Aber nicht nur: So habe sich die Gemeinde mit der Umsetzung der Ortsplanung weiterentwickelt, was einerseits Handänderungen von Grundstücken und andererseits Neuzuzüge zur Folge gehabt habe, sagt Gemeindeammann HansPeter Hürlimann. Diesbezüglich einen positiven Effekt hätten auch Neuschatzungen von Liegenschaften mit sich gebracht. «Das hatte unter anderem im Seeuferbereich deutliche Auswirkungen», sagt Hürlimann. «So gab es in den letzten Jahren bei mehreren attraktiven Grundstücken Handänderungen. Einige davon waren vorher nur Feriendomizile und werden nun von den neuen Eigentümern grösstenteils als Primärwohnsitze genutzt.» Die meisten Liegenschaften im Seeuferbereich seien nun ständig bewohnt, was für die Gemeinde wie für den Kanton auch in steuerlicher Hinsicht im Vergleich zur früher attraktiver sei.

Besonders beliebt bei jungen Senioren

Von dieser Entwicklung profitiert auch die Immobilienbranche. «Wir haben einige goldene Jahre hinter uns», bestätigt der auf Luxusobjekte spezialisierte Luzerner Immobilienvermarkter Oliver Bader. Der Kanton sei derzeit für die Neuansiedlung Wohlhabender gut aufgestellt. «Die nun tieferen Steuern ergeben mit der verbesserten Erschliessung und dem oftmals matchentscheidenden Luzerner Naturspektakel ein attraktives Gesamtpaket.» Besonders beliebt sei die Region bei der Generation der jungen Senioren, stellt Bader fest. «Viele Leute, die ihren Kaderjob in den Metropolen niederlegen, verspüren den Wunsch, ihren Lebensabend in Luzern zu verbringen – besonders wenn einer der Partner in der Innerschweiz aufgewachsen ist.» Gleichzeitig ziehe es vermögende Luzerner nicht mehr aus steuerlichen Gründen in die Nachbarkantone. «Früher ist unser Unternehmen öfter beauftragt worden, Liegenschaften in Nid- oder Obwalden zu suchen. Das hat stark abgenommen.»

Zurück zu der Liste der ganz Reichen: Auch von ihnen dürfte so mancher an schönster Seelage wohnen – und beim Blick auf das erwähnte Naturspektakel womöglich über Steuerersparnisse sinnieren. «Unter den ganz schweren Jungs gibt es kaum einen, der seine Steuern nicht legal optimiert», sagt ein Insider. «Sie spielen auch diesbezüglich in einer eigenen Liga.»

Personen mit einem Reinvermögen von mehr als 10 Millionen Franken. 2005 waren es in Luzern noch 314, 2013 bereits 631 Personen. (Bild: Lustat)

Personen mit einem Reinvermögen von mehr als 10 Millionen Franken. 2005 waren es in Luzern noch 314, 2013 bereits 631 Personen. (Bild: Lustat)