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WOHNUNGEN: Luzerner sollen weniger Platz brauchen

Die Wohnfläche pro Kopf steigt seit Jahren an. Jetzt will die Stadt Luzern Gegensteuer geben – und peilt das Niveau von 1980 an. Wie das funktionieren soll, weiss man aber noch nicht.
Stefan Dähler
Die Stadt muss den Anteil gemeinnütziger Wohnungen bis 2037 auf 16 Prozent erhöhen. Deswegen sollen städtische Liegenschaften an gemeinnützige Wohnbauträger abgegeben werden. Auf dem Bild: Genossenschaftswohnungen im Himmelrich. (Bild: Manuela Jans (Luzern, 20. Februar 2013))

Die Stadt muss den Anteil gemeinnütziger Wohnungen bis 2037 auf 16 Prozent erhöhen. Deswegen sollen städtische Liegenschaften an gemeinnützige Wohnbauträger abgegeben werden. Auf dem Bild: Genossenschaftswohnungen im Himmelrich. (Bild: Manuela Jans (Luzern, 20. Februar 2013))

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Die Bewohner der Stadt Luzern nehmen immer mehr Platz für sich in Anspruch. Im Jahr 1980 betrug die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf 36 Quadratmeter, 2015 waren es 45 Quadratmeter. Dies ist dem städtischen Raumentwicklungskonzept zu entnehmen.

Die Zunahme ist nicht im Sinne der Stadt. Denn einerseits verbrauchen grosse Wohnflächen mehr Energie, andererseits führen sie zu höheren Mietpreisen. Im Raumentwicklungskonzept hat die Stadt darum folgenden Richtwert festgelegt: Bis 2035 soll die durchschnittliche Wohnfläche pro Person in Neubauten nur noch 35 Quadratmeter pro Kopf betragen.

Doch wie kam es überhaupt zum starken Anstieg des Flächenverbrauchs? «Er hängt einerseits mit dem Anstieg der Einpersonenhaushalte zusammen, welcher wiederum auf den demografischen Wandel und gesellschaftliche Veränderungen zurückzuführen ist», sagt Lena Wolfart, städtische Projektleiterin Raumstrategie und Wohnraumpolitik. Zudem würden Wohnungen heute mit grösseren Grundrissen gebaut als früher. Wolfart betont weiter, dass diese Entwicklung schweizweit zu beobachten sei.

In der Innenstadt wird es enger

Immerhin: Zuletzt hat die Wohnfläche pro Kopf wieder leicht abgenommen. Dies, weil Innenstädte als Wohngebiete attraktiver geworden seien. «Das Bevölkerungswachstum, insbesondere in bereits dicht bebauten Gebieten, führt zu einer höheren sozialen Dichte», so Sarah Grossenbacher, stv. Leiterin Stadtplanung.

Doch vom Richtwert für 2035 ist man nach wie vor weit entfernt. Wie will die Stadt diesen erreichen? Bereits heute versuche man, Investoren, Genossenschaften und Bauherren für das Thema zu sensibilisieren. Weitere Massnahmen stehen noch nicht fest. Das Raumentwicklungskonzept gebe erst die Richtung vor, so Wolfart. «Ob und welche Massnahmen zur Reduktion des Wohnflächenverbrauchs ergriffen werden, wird erst im Zuge des Controllingberichts zur städtischen Wohnraumpolitik geprüft, der 2019 dem Parlament vorgelegt werden soll.»

Es zeichnet sich aber bereits ab, dass die Möglichkeiten der Stadt «sehr eingeschränkt» sind, so Wolfart weiter. Bei Bebauungs- oder Gestaltungsplänen bestehe «nur indirekt die Möglichkeit, durch Sondernutzungsvorschriften Einfluss auf die Wohnungsflächen zu nehmen». So könne man die Realisierung eines 2000-Watt-Areals vorschreiben, eine geringere Wohnfläche würde dann dazu beitragen, die Vorschrift zu erfüllen.

Direkten Einfluss kann die Stadt nur bei der Abgabe von Land im Baurecht ausüben. Da die Stadt ihr Land aufgrund der 2012 angenommenen Wohnrauminitiative in der Regel an Baugenossenschaften abgibt, sind also vor allem diese gefragt.

Genossenschaften setzen die geplante Vorgabe aber bereits heute annähernd um. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf betrug in deren Wohnungen mit Baujahr von 2006 bis 2015 rund 38 Quadratmeter. Das ist deutlich weniger als bei nichtgenossenschaftlichen Mietwohnungen. Dort liegt der Durchschnitt im selben Zeitraum bei 53 Quadratmetern pro Kopf. «Das liegt daran, dass viele Genossenschaften über Belegungsvorschriften verfügen», sagt Wolfart. So setzen etwa die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) und die Wohngenossenschaft Geissenstein (EBG) auf ein Punktesystem, welches bei grösseren Wohnungen Familien beziehungs­weise Wohngemeinschaften bevorzugt. Beide Genossenschaften sind zudem darum bemüht, dass Eltern nach dem Auszug der Kinder wenn möglich in kleinere Wohnungen wechseln.

Auch hier will die Stadt ansetzen mit der neu geschaffenen Anlaufstelle für Altersfragen – wobei man natürlich niemanden zwingen kann, seine grosse Wohnung zu verlassen. Daher sei es auch nicht das Ziel, dass möglichst viele Familien- oder WG-Wohnungen erstellt werden, auch wenn in diesen die Wohnfläche pro Kopf tendenziell kleiner ist.

«Das wichtigste Ziel ist, die sozialräumliche Durchmischung in der Stadt Luzern zu gewährleisten», sagt Wolfart. Es soll für alle Personen und Lebensphasen ein passendes Wohnraumangebot geben. «Familienhaushalte in grossen Wohnungen, in denen die Kinder bereits ausgezogen sind, werden nur in eine kleinere Wohnung umziehen, wenn es auch ein entsprechend attraktives und preiswertes Angebot gibt.»

Wohnungen in Luzern sind immer noch rar

Besteht nicht das Risiko, dass kleinere Wohnungen auf dem Markt weniger begehrt sind und diese dann leer stehen, zumal das Wohnungsangebot derzeit gross ist? «In Städten wie Luzern ist die Nachfrage nach Wohnraum nach wie vor gross», sagt Wolfart. Ein Indikator dafür sei die Leerwohnungsziffer von rund 1 Prozent im Jahr 2017. Ob Wohnungen begehrt sind, hänge zudem auch von deren Lage, Qualität und dem Preis ab. «Die ­Fläche allein ist nicht der aus­schlaggebende Faktor.»

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