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Luzern: Wohnungen werden «modulabel»

Mehrere Baugenossenschaften in der Region Luzern planen sogenannte Jokerräume, die man als Bewohner bei Bedarf zumieten kann. Das Konzept hat viele Vorteile, doch nicht alle sind davon restlos begeistert.
Stefan Dähler
So könnte eine Jokerwohnung in der Teiggi-Überbauung dereinst aussehen. (Visualisierung: Raumfalter Architekten Zürich/Lukas Murer)

So könnte eine Jokerwohnung in der Teiggi-Überbauung dereinst aussehen. (Visualisierung: Raumfalter Architekten Zürich/Lukas Murer)

Eine Wohnung, die je nach Bedarf grösser oder kleiner wird – quasi ein «Appartement modulable»; das soll durch sogenannte Jokerräume ansatzweise ermöglicht werden. Die Baugenossenschaft SBL Luzern plant, im Rahmen der Sanierung der Überbauung Weinbergli-Elfenau bis 2022 pro Gebäude einen Jokerraum zu erstellen (Ausgabe vom 23. Mai). Bewohner können diesen bei Bedarf zumieten – etwa wenn Besucher über Nacht bleiben wollen.

Das Konzept scheint im Trend zu liegen. Auch in den Arealen Teiggi in Kriens oder Industriestrasse in Luzern sind solche Räume geplant. Bei der Teiggi-Überbauung der Baugenossenschaft Wohnwerk, die im August fertiggestellt wird, gibt es zwei Jokerräume und eine möblierte 1,5-Zimmer-Jokerwohnung. «Die beiden Jokerzimmer befinden sich auf derselben Etage, daneben wird ein Gemeinschafts-Bad und -WC erstellt», sagt Wohnwerk-Geschäftsleiterin Barbara Bitterli. Die Genossenschaft ist auch mit der Kooperation Industriestrasse an der Überbauung Industriestrasse beteiligt, die bis 2025 realisiert werden soll. Auch dort dürfte sie wieder Jokerräume und eine Jokerwohnung realisieren.

Teenager mit Freiheitsdrang als mögliche Nutzer

Neben dem Wohnwerk ist auch die Baugenossenschaft Wogeno Luzern, die ebenfalls eines der Gebäude an der Industriestrasse realisieren wird, vom Konzept der Jokerräume angetan. Sie will dort zwei bis sechs davon anbieten, wie Präsident Lukas Berger sagt. Die genaue Zahl werde während der Planungen noch erarbeitet.

Was bezwecken die Bauträger damit? «Unsere Belegungsvorschriften sehen eine Mindestanzahl von Personen in einer Wohnung vor», sagt Berger. «Mit Jokerräumen können wir etwa verhindern, dass Eltern nach dem Auszug ihrer Kinder die Wohnung verlassen müssen.» So könne ein Teenager während einiger Jahre einen Jokerraum belegen. Zieht dieser in eine eigene Wohnung, kann man den Raum neu vermieten. Auch Bitterli weist auf die Flexibilität hin: «Die Grundidee ist, dass wir damit auf verschiedene Bedürfnisse reagieren können.» Beispielsweise, wenn jemand vorübergehend mehr Freiheiten braucht. Beim Teiggi-Projekt kommt hinzu, dass mehrere Wohnungen als Lofts ohne Raumtrennungen konzipiert sind und mit dem Jokerraum das Bedürfnis nach einem «eigenen Zimmer» gestillt werden könne.

Neu ist die Idee nicht. Die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) kennt Jokerräume schon länger. «Wir bieten in verschiedenen Siedlungen total um die fünf Jokerräume an», sagt Geschäftsleiter Martin Buob. «Bei einem Gesamtbestand von rund 2000 Wohnungen sind das aber extreme Ausnahmen.» Derzeit werde geprüft, ob in der neuen Überbauung Himmelrich weitere hinzukommen.

Die Erfahrungen mit dem Konzept sind unterschiedlich: «Die Nachfrage variiert stark», sagt Buob. Es kann praktisch sein für Familien, wenn Kinder grösser werden und mehr Platz brauchen.» Jedoch komme es auch vor, dass einzelne Räume lange leer stehen. «Sie haben den Nachteil, dass ihr Standort fix ist.» Bei den bestehenden Jokerräumen der ABL ist kein WC vorhanden. «Wenn etwa ein Teenager in solch einen Raum ziehen will und sich dieser nicht gleich neben der Familienwohnung befindet, wird es umständlich.»

Das Konzept könne aber durchaus aufgehen. «Dafür müssen viele Familien in einer Überbauung wohnen», sagt Buob. Auf dem Areal Industriestrasse, wo 50 Prozent der Wohnungen für Familien vorgesehen sind, könnten Jokerräume daher Sinn machen. Die ABL ist ebenfalls an der Überbauung beteiligt. Ob auch sie dort Jokerräume realisiert, ist offen, die Planungen sind noch nicht so weit fortgeschritten.

Teiggi: Jokerräume sind bereits vermietet

Wie beurteilen Wohnwerk und Wogeno das Risiko leer stehender Jokerräume? «Die Gefahr besteht, aber wir bieten in unseren bestehenden Liegenschaften bereits ein paar wenige Jokerräume an», sagt Wogeno-Präsident Lukas Berger. «In der Regel finden wir einen Mieter, da man den Raum etwa auch als Hobbyraum nutzen kann, wenn der Bedarf an Zimmern für Kinder gedeckt ist.» Auch Wohnwerk-Geschäftsleiterin Barbara Bitterli ist zuversichtlich. Ein Risiko gebe es zwar immer. «Ich denke aber eher, dass zu viele Anfragen kommen.» Die beiden Jokerräume auf dem Teiggi-Areal für je 360 Franken pro Monat seien bereits vermietet.

Für die Jokerwohnung schätzt Bitterli das Risiko langer Leerbestände etwas höher ein. «Trifft dieser Fall ein, könnte man allenfalls auch eine Vermietung unter der Woche an einen Studenten prüfen oder saisonweise an Musiker und Schauspieler der Luzerner Kulturinstitutionen.» Für den Unterhalt werde die Geschäftsstelle mit eigenem Hauswart oder die Siedlungskommission sorgen.

Mehr Informationen unter: www.teiggi-kriens.ch

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