Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

WOHNUNGSMARKT: Vermieter gehen kaum auf Senioren ein

Liegenschaftsbesitzer wissen, dass ältere Menschen günstigen Wohnraum suchen. Und doch werden häufig jüngere Mieter bevorzugt. Jetzt zeigt eine neue Studie, weshalb.
Ismail Osman
Symbolbild (Bild: Martin Rütschi / Keystone)

Symbolbild (Bild: Martin Rütschi / Keystone)

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Die Kinder sind längst ausgeflogen, die Pension steht an oder ist bereits Tatsache – und plötzlich steht die Frage im Raum: «Täte es nicht auch eine kleinere Wohnung?» Aber wo und wie findet man als über 65-jährige Person etwas Günstigeres als die geräumige Familienwohnung oder gar das Eigenheim?

Eine neue Studie der Hochschule Luzern (HSLU) geht diesen und weiteren Fragen zu bezahlbarem Wohnen im Alter nach. Studienleiterin ist die Soziologin Joëlle Zimmerli. Vor rund einem Jahr veröffentlichte sie bereits eine ähnliche Studie. Damals zeigte Zimmerli auf, dass der heutige Wohnungsmarkt nicht auf den kommenden, demografisch bedingten Ansturm von Pensionären gewappnet ist (wir berichteten). Dies auch, weil Senioren Selbstständigkeit betreuten Wohnformen vorziehen. In Letztere wird derzeit aber massiv investiert.

Die neue HSLU-Studie geht nun einen Schritt weiter. Sie fragt unter anderem, was die Branche zu tun bereit ist, um die Chancen von Senioren bei der Wohnungssuche zu verbessern. Die Antworten fallen ziemlich ernüchternd aus.

Ältere werden wichtigstes Segment

Für die Studie wurden schweizweit über 400 institutionelle, gemeinnützige und öffentliche Immobilieneigentümer, Investoren, Liegenschaftsverwalterinnen sowie Vermarkter befragt. Bei den Befragten ist man sich des wachsenden Segments der über 65-jährigen Wohnungssuchenden durchaus bewusst: Nach der wichtigsten Zielgruppe befragt, geben heute zwar lediglich 37 Prozent der Wohnungsanbieter die Zielgruppe «Ältere Alleinwohnende» an. Der Schwerpunkt liegt für sie heute klar bei den Familien (54 Prozent). In Zukunft sehen die Eigentümer diesen Schwerpunkt aber klar in Richtung der Senioren verlagert: Auf die Frage, wer künftig die wichtigste Zielgruppe ist, antworten 63 Prozent der Befragten mit eben jenen älteren Alleinwohnenden.

Es stellt sich deshalb die Frage, was die Ü-65-Generation vom Wohnungsmarkt will. Im Rahmen der Studie wurde eine Auswertung der Immobilienplattform www.newhome.ch unternommen. Das Resultat: Die Mehrheit der über 60-Jährigen sucht sowohl bei den Miet- als auch Eigentumswohnungen eine 3-Zimmer-Wohnung (59 respektive 62 Prozent). Solche Wohnungen befinden sich oft im mittleren oder tiefen Preissegment. Genau in dieser Sparte bekunden Senioren aber regelmässig Mühe, eine Wohnung zu finden. Sie sind wegen der jüngeren Konkurrenz, die ins gleiche Segment drängt, oft sehr schnell weg. «Internetrecherche, vollständige Unterlagen, ein Empfehlungsschreiben und Schnelligkeit für eine Bewerbung zusammenzubringen, überfordert Senioren insbesondere in einer Stresssituation», heisst es in der Studie.

Wie kann man dem entgegenwirken? «Wir wollten sie nicht bloss zum Ist-Zustand befragen, sondern auch Modelle mit Lösungsansätzen testen», erklärt Studienleiterin Zimmerli. Ein solcher Ansatz: Einen Mindestanteil an Neubauwohnungen beim Erstbezug an die Zielgruppe von Personen über 65 vermieten. «Der Vorschlag wurde nicht besonders gut angenommen», fasst Zimmerli die Antworten zusammen.

Insbesondere gilt dies für die privaten Eigentümer. 40 Prozent von ihnen schliessen es prinzipiell aus, einen Mindestanteil an Wohnungen explizit an Pensionierte zu vermitteln. Weniger Vorbehalte gegenüber der Idee bekunden Genossenschaften (19 Prozent) und die öffentliche Hand (29 Prozent).

«Die Eigentümer und Liegenschaftsverwalter sehen solche Vermietungsziele vor allem als Regulierung von aussen», analysiert Zimmerli. «Sie fühlen sich dadurch in ihrem Handlungsspielraum beschnitten.» Zudem bestehe die konstante Befürchtung vor dem Leerbestand. «Die Eigentümer geben den Verwaltern den Auftrag, die Wohnungen so schnell wie möglich zu vergeben. Senioren wägen in der Regel aber länger ab, ob sie eine Wohnung wirklich wollen – mit dem Resultat, dass die gewünschte Wohnung dann oftmals bereits vergeben ist.»

Veränderungen müssen von Besitzern kommen

So weit, so ernüchternd. Für Zimmerli ist aber klar, dass der Impuls für Veränderungen von den Liegenschaftsbesitzern kommen muss: «Die Vermietungsmassnahmen müssen angepasst werden, wenn ein gutes Gleichgewicht in Bezug auf die Altersgruppen zu Gunsten einer sozialen Durchmischung und langjährigeren Mietverhältnissen erreicht werden soll. Dazu gehört auch ein breiteres Spektrum an Vermarktungsmassnahmen.» Es liege an den Eigentümern, die po­tenzielle Kundschaft gezielter und besser abzuholen.

Eine Chance sieht die Studie bei den Erstvermietungen: «Grundsätzlich eignen sich Erstvermietungen sehr gut, um Pensionierte frühzeitig als künftige Bewohnerinnen und Bewohner zu gewinnen.» Solche Überbauungsprojekte sind lange im Voraus bekannt, und häufig wird eine Projektwebsite mit vielen Informationen erstellt. Beginnt die Vermarktung dieser Wohnungen früh genug, gebe dies auch den pensionierten Personen genug Zeit und Planungssicherheit. «Beispielsweise, um das bishe­rige Eigenheim zu veräussern», ergänzt Zimmerli. Ob die Wohnungseigentümer von der Chance Gebrauch machen werden, das rasant wachsende Kundensegment abzuholen, kann die Studie jedoch nicht beantworten.

Die Studie «Demografie und Wohnungswirtschaft. Pensionierte auf dem Wohnungsmarkt» der HSLU kann für 90 Franken unter ifz@hslu.ch bestellt werden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.