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WOLF: «Er wird hier bald auftauchen»

Luzerner Schafhalter fürchten sich vor dem Raubtier – und wappnen sich. In einem Monat dürfte die Situation für die Schafherden besonders brenzlig werden.
Yasmin Kunz
Ein Wolf in Vallorbe im Kanton Waadt: Luzern «erwartet» das Raubtier mit verschiedenen Massnahmen. (Bild: Keystone/Fabrice Coffrini)

Ein Wolf in Vallorbe im Kanton Waadt: Luzern «erwartet» das Raubtier mit verschiedenen Massnahmen. (Bild: Keystone/Fabrice Coffrini)

Yasmin Kunz

Noch ist unklar, ob ein Wolf auf der Weide Frohmattli in Buochs ein Schaf gerissen und zwei weitere verletzt hat. Erst wenn die DNA-Probe ausgewertet ist, kann man mit Sicherheit sagen, ob es ein Wolf war (Ausgabe von gestern). Fakt ist: Noch nie wurden in Nidwalden so viele Sichtungen und Vorfälle mit dem Wolf gemeldet wie in den letzten Wochen.

Wolf legt weite Distanzen zurück

Der Wolf hat sich offenkundig vom Seelisberg-Gebiet Richtung Buochs bewegt. Gemäss Peter Ulmann, Abteilungsleiter Natur, Jagd und Fischerei des Kantons Luzern, «wäre die Distanz ins Obwaldische oder ins Entlebuch für den Wolf problemlos zu überwinden». Der Wolf kann nämlich pro Nacht bis zu 70 Kilometer zurücklegen. Aktuell geht Ulmann jedoch davon aus, dass sich im Kanton kein Wolf rumtreibt. Das letzte Mal hat 2013 ein Wolf in Luzern Schaden angerichtet. Damals wurden nachweislich sechs Schafe von einem Wolf gerissen.

Obwohl das Raubtier jetzt nicht in Luzern ist, traf der Kanton präventive Massnahmen, wie Ulmann sagt. Anfang Mai hat sich die Begleitgruppe Wolf des Kantons Luzern – darin vertreten sind zum Beispiel Personen aus dem Schafzuchtverband, Herdenschutzhundehalter und Naturschutzorganisationen – getroffen. Mit dem Austausch werde sichergestellt, dass alle vorbereiteten Sicherheitsmassnahmen greifen, sollte der Wolf auftauchen, erklärt Ulmann.

SMS-Dienst seit 2015 in Luzern

Zu den Sicherheitsmassnahmen gehören unter anderem der SMS-Dienst, der analog zu den Urkantonen 2015 eingeführt wurde. Dabei werden Schaf- und Ziegenhalter via SMS unmittelbar über eine Wolfspräsenz im Kanton informiert. Dank dieses Warndienstes können die Züchter dann frühzeitig Schutzmassnahmen einleiten. Das kann etwa heissen, dass man die Herde nachts im Stall unterbringt.

Ausserdem hat der Kanton im Herbst 2015 zusätzlich ein «Notfallkit» an Schutzzäunen und Blinklampen beschafft. Heinrich Wachter von der Abteilung Landwirtschaft beim Kanton sagt dazu: «Mit diesem Material können Züchter bei nachgewiesener Wolfspräsenz sofort Schutzzäune aufstellen.» Periodisch und kurzfristig können auch Blinklampen zur Vergrämung zum Einsatz kommen. Damit soll der Wolf verunsichert und vertrieben werden. Die Lampen sollen nur periodisch eingesetzt werden, weil sich sonst der Wolf daran gewöhnt.

Schutzhunde ärgern Wanderer

Das effizienteste Mittel, Schäden durch den Wolf zu vermeiden, seien Herdenschutzhunde, sagt Wachter. Im Kanton Luzern stehen aktuell zwölf solche Hunde im Einsatz. Ernst Vogel, Präsident des Zentralschweizer Schafhaltervereins, besitzt für seine rund 1000 Schafe drei Herdenschutzhunde. Auch er ist überzeugt, dass diese Tiere für den Schutz der Schafe am geeig­netsten sind. «Da die Hunde mit den Schafen aufwachsen, sind die Schafe für sie wie Geschwister. Wenn ein Wolf kommt, hat der Hund den Instinkt, die Herde zu beschützen», erklärt er. Seine Hunde stossen aber auch auf Widerstand. Vogel: «Seit ich sie habe, gibt es nur Ärger.» So würden sich Wanderer über das Gebell beklagen, und Jäger beschweren sich, «weil die Hunde das Wild vertreiben». Für Vogel gibt es nur eine Variante, die Schafherde vor dem Wolf zu schützen: «Reisst das Raubtier Schafe, sollte man es umgehend zum Abschuss freigeben.»

Dem pflichtet auch Kurt Schärli, Präsident des Luzerner Schafzuchtverbands, bei. «Der Wolf ist für uns ein grosses Problem, und ich bin mir sicher, dass er demnächst auch hier im Kanton Luzern auftauchen wird.» Besonders brenzlig würde es für die Schafe in etwa einem Monat werden, wenn der Alpsommer startet. «Da ist der Wolf näher bei den Schafherden, weil er sich sowieso in solchen Gebieten aufhält.» Seine 70 Tiere wird Schärli auf der Alp einzäunen. «Ein Schutzhund für meine Herde macht wenig Sinn, weil der Hund mit nur 70 Tieren unterfordert wäre.»

Wölfe rissen rund 300 Nutztiere

Vor über 200 Jahren galt der Wolf in der Schweiz als ausgerottet, jetzt leben hierzulande wieder rund 35 Tiere. Jene in der Zentralschweiz sind Einzeltiere, vermutlich junge Männchen. Letztes Jahr wurden in der Zentralschweiz 69 Schafe gerissen (siehe Grafik). Schweizweit rissen Wölfe gut 300 Nutztiere, ungefähr gleich viele wie in den letzten acht Jahren. Das sind rund 5 Prozent aller Schafe, die auf der Alp sterben. Gemäss Jagdgesetz kann der Kanton in Abklärung mit dem Bundesamt für Umwelt eine Abschussbewilligung für Einzeltiere erteilen, wenn sie im ersten Jahr ihres Auftauchens «erheblichen» Schaden anrichten. Das ist dann der Fall, wenn ein Wolf in seinem Streifgebiet 25 Nutztiere innert eines Monats oder 35 Schafe oder Ziegen innert vier Monaten gerissen hat. Die Abschussbewilligung ist auf 60 Tage und nur auf ein bestimmtes Gebiet befristet.

jon

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