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Wolf reisst mehrere Schafe in Flühli – Schafhalter sind verunsichert

Sechs Schafe sind ihm zum Opfer gefallen: Der Wolf ist wieder aktiv im Kanton Luzern. Nicht zum ersten Mal hat er im betroffenen Gebiet Schafe gerissen. Mögliche Schutzmassnahmen dagegen bergen Risiken.
Lucien Rahm, Christian Glaus und Chiara Zgraggen
Der Wolf hat in Flühli mehrere Schafe gerissen. (Symbolbild: Getty)

Der Wolf hat in Flühli mehrere Schafe gerissen. (Symbolbild: Getty)

Drei Schafe tot, eines davon halb aufgefressen, drei weitere schwer verletzt: Das ist die Bilanz der jüngsten Wolfsattacke im Kanton Luzern. Es ist die erste gemeldete seit Juli. Zu den Rissen kam es in der Nacht auf Sonntag auf dem Gebiet der Gemeinde Flühli, an der Südseite der Schrattenfluh.

Zum Verhängnis wurde den Tieren offenbar, dass sie sich von ihrer Stammalp auf der Marbacher Seite wegbewegten, um ins Gebiet von Flühli zu gehen. Möglich ist dies, weil der Grenzzaun nicht vollständig lückenlos sei, wie der kantonale Wildhüter Daniel Schmid auf Anfrage sagt.

Die drei noch lebenden Tiere wiesen Bissverletzungen am Brustkorb auf. «Die Schafe lagen kraftlos und mit schwerer Atmung am Boden», sagt Schmid. Um sie von ihrem Leiden zu erlösen, tötete der Wildhüter die Tiere mit einer Schusswaffe.

Florin Kunz, Wildtierbiologe bei der Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, ist nicht überrascht, dass der Wolf in Flühli aufgetaucht ist. «Es gibt viele Nachweise für den Aufenthalt des Wolfs im Raum Hohgant/Eriz/Schangnau in der Nähe der Kantonsgrenze zu Luzern.» Ausserdem wurde im Juli dieses Jahres im Jagdbanngebiet Tannhorn in der Region Brienzer Rothorn gemeldet, dass ein Wolf eine Ziege gerissen habe.

War es der Bündner Wolf M 76?

Um welches Tier es sich handelt, ist unklar. Dies sollen DNA-Proben nun zeigen. Naheliegend wäre, dass es sich um das Männchen M 76 handelt. Dieses ist im Mai 2016 im Bündnerland geboren und hat das Calanda-Rudel im Frühling 2017 verlassen. Seit rund einem Jahr hält es sich im Raum Hohgant/Eriz/Schangnau auf. Das Männchen scheint allein in diesem Gebiet zu leben. «Bisher gibt es keine Nachweise, dass ein Weibchen in dieser Region lebt. Eine Rudelbildung ist daher nicht absehbar», sagt Kunz.

Im betroffenen Gebiet kam es schon frühere Male zu Schäden durch einen Wolf: Der Besitzer der benachbarten Alp musste bereits Risse in seiner Herde hinnehmen. Vor sechs Jahren suchte ein Wolf die Schafe auf der Alp Schlund heim, die von Ignaz Zihlmann gehalten werden. «Wenn man die Schafe dann dort liegen sieht – das tut weh», erinnert er sich. Sieben Tiere seien dem Wolf damals zum Opfer gefallen.

Herdenschutzmassnahmen hatte Zihlmann schon zu jener Zeit ergriffen. Im Rahmen eines Pilotprojekts platzierte er zwei Lamas in seiner rund 200 Schafe zählenden Herde. Die Idee dabei: Die Lamas gehen als neugierige Tiere auf den Wolf zu, statt vor ihm wegzurennen, wie es die Schafe tun. Dadurch soll das Raubtier abgeschreckt werden. «Beim dritten oder vierten Mal ist der Effekt dann aber vielleicht nicht mehr der gleiche», so Zihlmann. Eingezäunt hatte er seine Herde damals noch nicht. Mittlerweile sind die Lamas weg, hingegen umgibt die Schafe ein neun Kilometer langer Elektrozaun. Auf Schutzhunde dagegen hat Ignaz Zihlmann bisher verzichtet. Nebst dem grossen Aufwand, den diese verursachen würden, wären solche im beliebten Wandergebiet Flühli nicht unproblematisch: Denn Herdenschutzhunde reagieren auch auf Wanderer oder mitgeführte Hunde eher aggressiv. «Das würde nicht gut funktionieren.» Dennoch überlege er sich nun, ob er angesichts der aktuellen Wolfsrisse nicht doch Herdenschutzhunde anschaffen soll, sagt Ignaz Zihlmann. Idealer fände er allerdings, wenn man den derzeit aktiven Wolf erlegen würde. «Wenn ein Tier solche Schäden verursacht, sollte das möglich sein.»

Wildtierbiologe Kunz hält diese Massnahme für wenig nachhaltig: «Ein Abschuss bedeutet für die Schafhalter keine endgültige Lösung. Man muss immer damit rechnen, dass wieder ein neuer Wolf kommt.» Dies treffe insbesondere auf das Gebiet Hohgant/Eriz zu, das ein idealer Lebensraum für Wölfe sei: «Grosse Teile sind schwach besiedelt. Zudem gibt es dort sehr viele Hirsche, die bevorzugte Beute des Wolfs.» Wildtiere würden den Hauptanteil seiner Nahrung ausmachen.

Wolf auch in Schwyz gesichtet

Am Sonntag wurde überdies auch im Kanton Schwyz mutmasslich ein Wolf gesichtet, wie dieser mitteilt. Bestätigt werden konnte dies bis am Montag jedoch noch nicht. Die Sichtung wurde im Gebiet Egg/Frühboden/Einsiedeln gemacht. Die Abklärungen, ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, dauern derzeit noch an.

Warum der Wolf mehr Schafe reisst, als er frisst

Der Wolf in Flühli hat drei Schafe getötet und drei schwer verletzt. Gefressen hat er davon aber gerade einmal ein Halbes. Sein übermotiviert wirkendes Vorgehen lässt sich einerseits durch seinen Jagdtrieb erklären. Die Schafe fördern diesen durch ihr Verhalten zusätzlich, wie der kantonale Wildhüter Daniel Schmid erklärt.

«Anders als Wildtiere kennen Schafe grundsätzlich keine natürlichen Feinde.» Daher würden sie nicht konsequent flüchten. Sie begeben sich zum Schutz in ihre Herde. Die dort entstehende Hektik regt den Jagdtrieb des Wolfes zusätzlich an.

Andererseits sorge der Wolf mit seinen Rissen aber auch für später vor. «Der Wolf kann unter Umständen an den Rissort zurückkehren, um an den Kadavern weiterzufressen.» Dem Raubtier schmeckt nämlich nicht nur Frischfleisch, sondern auch Aas. Seine ausgeprägten Sinne helfen ihm dabei, den Ort wiederzufinden. (lur)

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