WOLFENSCHIESSEN: Die vermissten Kinder bleiben verschollen

Die Tauchgänge im Vierwaldstät­tersee bleiben weiterhin ohne Ergebnis. Starke Strömungen und eine schlechte Sicht behindern die Suche.

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Ein Taucher im Seebecken bei Buochs. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Ein Taucher im Seebecken bei Buochs. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Die Suche in der Engelber­ger Aa und in der Einmündung zum Vierwaldstättersee konzentriere sich auf die Tauchgänge und die Wasseroberflä­che. Daneben wird fortlaufend das Ufer durch Fusspatrouillen der Polizei abgesucht.

So standen die Feuerwehr und die Seepolizei ab Mittwochmorgen wieder im Einsatz. Zudem seien Patrouillen unterwegs, die das Ufer absuchten. Hunde stünden aber nicht mehr im Einsatz. Alle bisherigen Fundstücke, darunter auch ein Nuggi mit dem Namen des vermissten Halbjährigen, deuteten klar auf den Tod beider hin.

Schlechte Sicht behindert Tauchgänge
Ergebnislos waren auch die von der Tauchsportgruppe Poseidon durchgeführten Tauchgänge geblieben. Insgesamt zehn Mitglieder - neun Taucher und ein Bootsführer - suchten gestern Dienstagabend rund eine Stunde in der Einmündung der Engelberger Aa in den Vierwaldstättersee nach den Vermissten, wie deren Einsatzleiter Franz Dommen auf Anfrage sagte.

Die Sicht an der Oberfläche des Sees habe praktisch null Meter betragen. «Zeitweise konnten die Taucher nicht einmal ihre Instrumente sehen», erklärte Dommen. Zudem herrscht in dem Suchgebiet eine starke Strömung. Die Suche gestaltet sich daher für die Taucher sehr anstrengend und unangenehm.

Behält Tiefenströmung die Leichen zurück?
Wie auch im Brienzer- und Thunersee wo nach wie vor unter anderem Opfer des Canyoning-Unfall im Saxetbach und des Militärunfalls auf der Kander vermisst werden, gebe auch der Vierwaldstättersee seine Opfer manchmal nicht mehr her. So herrscht beispielsweise im Urnersee oder im Gersauerbecken eine starke Tiefenströmung.

Die Suche der Taucher wird am Mittwochabend gegen 19 Uhr fortgesetzt. Dommen geht davon aus, dass wiederum etwa zehn Mitglieder der Tauchsportgruppe im Einsatz stehen. Die Amateurtaucher sind mindestens CMAS-Zweisterntaucher oder besitzen ein Padi Advanced. Da die Mitglieder der Tauchsportgruppe tagsüber arbeiten, finden die Suchtauchgänge nur abends statt.

Mutter noch nicht einvernommen
Noch immer nicht verhört werden konnte die Mutter der Elfjährigen. «Wir hoffen, dass wir sie noch in dieser Woche einvernehmen können», sagte der Nidwaldner Verhörrichter Alexandre Vonwil. Die Frau sei in Betreuung. Auch die Eltern des vermissten sechs Monate alten Kleinkind seien befragt worden.

Kein Thema sei zur Zeit die Befragung der vierjährigen Tochter der beiden. Ob auch gegen die Eltern der Vierjährigen und des Kleinkindes wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht ermittelt wird, ist noch offen. Zentral seien die Aussagen der Mutter der Elfjährigen.

Vormundschaftsbehörde: Nun werden die Akten geprüft
Gegen die 46-Jährige wird unter anderem wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Sie hatte am vergangenen Freitagabend ihre Tochter zusammen mit dem sechsmonatigen Knaben und dessen vierjähriger Schwester einer anderen Familie am Bahnhof Luzern alleine nach Hause geschickt. Die Vierjährige klopfte schliesslich völlig durchnässt bei einem Bauernhaus in Grafenort an und erklärte, die anderen seien «baden gegangen».

Der 46-jährigen Mutter waren laut dem Gemeindepräsident von Wolfenschiessen, Hans Kopp, nach einem Entscheid der Vormundschafts­behörde ihre insgesamt zwei Kinder weggenommen worden waren. Laut Vonwil wurden auch die Akten der Behörden angefordert. Es würden die Verantwortlichkeiten sämtlicher Seiten geprüft.

ap/get