WOLFENSCHIESSEN: Jetzt wird gegen die Mutter ermittelt

Die Mutter der seit dem Hochwas­ser vermissten Elfjährigen wird sich strafrechtlich verantworten müssen, voraussichtlich wegen fahrlässiger Tötung und Verlet­zung der Fürsorge- und Erzie­hungs­pflicht.

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Der vermutete Unglücksort beim Gerlibach in Grafenort. (Bild: M. Christen/Neue LZ)

Der vermutete Unglücksort beim Gerlibach in Grafenort. (Bild: M. Christen/Neue LZ)

Am Montag wurde die Suche nach den beiden vermissten Kindern bei Tages­beginn wieder aufgenommen, wie Reto Berchtold, Sprecher der Kantonspolizei Nidwalden, sagte.

Der Wasserabfluss der Engelbergeraa wurde durch das Elektrizitätswerk Nidwalden kurzzeitig reduziert. Bei geringen Wassermassen führte die Kantonspolizei Nidwalden zusammen mit dem Schweizer Alpenclub SAC und dem Kanuzentrum Vierwaldstättersee umfassende Suchaktionen durch. Dabei wurden die Uferzonen, die Wehranlagen und schwer zugängliche Orte abgesucht. Doch die Massnahmen blieben ergebnislos.

Suche auf die Seebuchten konzentriert
Gestützt auf diese Kenntnisse wurde die Suche am Montagnachmittag wieder auf die Seebuchten Buochs und Ennetbürgen fokussiert. Die Seepolizei der Kantonspolizei Nidwalden sucht zusammen mit den Feuerwehren von Beckenried, Buochs, Ennetbürgen und Stansstad die Wasseroberfläche ab. Weitere Massnahmen sind in Planung und werden allenfalls in den kommenden Tagen durchgeführt, wie die Kantonspolizei Nidwalden in einer Mitteilung vom Montag bekannt gibt.

Werden die vermissten Kinder je gefunden?
Insgesamt waren es laut Berchtold gegen 20 Personen. Die Mutter der Elfjährigen befand sich laut Berchtold zunächst weiterhin in ärztlicher Behandlung. Eine Befragung sei bisher nicht möglich gewesen.

Gemäss Kantonspolizei Nidwalden ist es möglich, dass die Leichen der zwei vermissten Kinder sehr lange nicht oder gar nie gefunden werden. Beispiels­weise sind beim Canyoning-Unglück im Berner Oberland vor zehn Jahren zwei der insgesamt 21 Leichen nie mehr aufgetaucht. Auch von den 13 Toten nach der Schlammlawine in Gondo (Oktober 2000) sind die Leichen von einem Bruderpaar nie gefunden worden.

Auch Verfahren gegen die andere Mutter?
Weil damit gerechnet werden muss, dass das Mädchen zusammen mit einem halbjährigen Knaben vom Hochwasser führenden Gerlibach in den Tod gerissen wurde, dürfte gegen die Mutter der Elfjährigen wegen fahrlässiger Tötung sowie wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht ermittelt werden, wie Verhörrichter Alexandre Vonwil am Montag auf Anfrage sagte. Zudem werde geprüft, ob auch gegen die Mutter des vermissten Knaben ein Verfahren eingeleitet werde.

Das elfjährige Mädchen war am vergangenen Freitagabend zusammen mit dem sechs Monate alten Knaben und dessen vierjähriger Schwester unterwegs nach Wolfenschiessen, nachdem die Mutter der Elfjährigen die drei Kinder am Bahnhof Luzern abgesetzt hatte.

Das vierjährige Mädchen hatte schliesslich völlig durchnässt in Grafenort bei einem Bauernhaus angeklopft. Die Polizei geht davon aus, dass die beiden anderen Kinder vom hochgehenden Gerlibach mitgerissen und in die Engelberger Aa gespült worden sind.

ap/get/ost