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WOLHUSEN: In 40 Jahren hat sie nur eine Probe verpasst

Nach 40 Jahren tritt Johanna Imbach-Wey (62) als Chorleiterin zurück. Auch ihren Mann hat sie dirigiert – zur grossen Sorge des Chors.
Mirjam Weiss
Die Wolhuser Chorleiterin Johanna Imbach-Wey in ihrem Wohnzimmer bei den Vorbereitungen auf die Probe. (Bild Pius Amrein)

Die Wolhuser Chorleiterin Johanna Imbach-Wey in ihrem Wohnzimmer bei den Vorbereitungen auf die Probe. (Bild Pius Amrein)

Eine grosse Schiffslaterne ziert das Cheminée in Johanna Imbach-Weys Wohnzimmer in Wolhusen. Das sei ein Geschenk «ihrer Männerchörler» zu ihrer Ernennung zur Ehrendirigentin 2012, erklärt die Hausherrin. Und eine Erinnerung an eine einwöchige Kreuzfahrt von Genua bis Malta, die sie vor zwei Jahren gemeinsam mit den Sängern des Männerchors Wolhusen und deren Frauen unternommen hat. Jeden zweiten Abend hätten sie an Bord ein kleines Konzert gegeben, erzählt die Wolhuserin: «Es war sensationell.» Seit fast 20 Jahren – mit einer längeren Unterbrechung – dirigiert Johanna Imbach-Wey (62) den Männerchor Wolhusen. Mitte Dezember steht sie zum letzten Mal als Dirigentin auf der Bühne. Beim gemeinsamen Weihnachtskonzert des Männerchors Wolhusen und der Entlebucher Sänger wird sie 60 Sänger und ein Bläserquartett dirigieren. Anschliessend tritt sie nach 40 Jahren als Leiterin verschiedener Chöre zurück.

Mit 13 schon auf der Orgel gespielt

1973 habe sie in Romoos die Stelle als Organistin angetreten, erzählt Johanna Imbach. Gleichzeitig wurde der damals 22-Jährigen die Leitung des Kirchenchors Romoos übertragen. «Ich war als Chorleiterin ein völliger Neuling und getraute mich kaum, beim Dirigieren die Arme hoch zu nehmen», erinnert sie sich schmunzelnd. Als Organistin dagegen hatte sie trotz ihres jungen Alters bereits einige Erfahrungen gesammelt. «Als ich 13 Jahre alt war, hat mir der Wolhuser Kirchensigrist Bienz eines Tages die Schlüssel für die Orgel in der katholischen Pfarrkirche in die Hand gedrückt.» Sie sollte jeweils am Samstagabend die Marienlieder in der Kirche auf der Orgel begleiten. «Er wusste wohl, dass ich gut Klavier spiele.»

Nachdem sie die Chorleiterausbildung absolviert hatte, übernahm Johanna Imbach die Leitung der Männerchöre Hellbühl und Wolhusen und die des Polizeimännerchors. Mit ihren Chören hat sie erfolgreich an zahlreichen kantonalen und schweizerischen Gesangsfesten teilgenommen – hauptsächlich mit deutschsprachigen Liedern. «Wir haben so schönes Liedgut, das wir pflegen sollten», sagt die Dirigentin. «Aus diesem Grund bin ich gegen englische Lieder in Männerchören.»

In der Luzerner Chorlandschaft habe es in den letzten 40 Jahren grosse Veränderungen gegeben, weiss Johanna Imbach. Sie leitet seit zehn Jahren das Sekretariat des Kantonalverbandes Luzerner Chöre. «So sind viele neue junge Chöre entstanden, aber immer mehr Männerchöre verschwinden.» Ausserdem wollten sich viele Sänger heute nicht mehr an einen einzelnen Chor binden, sondern lieber in verschiedenen Chören in Projekten mitsingen. «Dadurch geht vielfach die Kameradschaft im Chor verloren», bedauert sie. Auf die Kameradschaft habe sie als Chorleiterin grossen Wert gelegt. Im Chor hat sie nicht nur Freunde, sondern auch ihren jetzigen Mann, den verwitweten Vater einer Tochter, kennen gelernt. «Als wir ein Paar wurden, befürchteten die anderen Sänger, unsere Beziehung könnte im Chor zu Problemen führen», erinnert sie sich. Doch diese Sorge sei unbegründet gewesen. «Mein Mann hat mich in all den Jahren fantastisch unterstützt.» Das Paar hat drei erwachsene Kinder aus früheren Beziehungen, zwei Grosskinder und einen Hund.

Ferien für Chöre abgebrochen

Sie sei mit Leib und Seele Chorleiterin gewesen, sagt die 62-Jährige rückblickend. «In den 40 Jahren habe ich nur eine Probe verpasst, weil ich mit Grippe im Bett lag.» Sie habe nie eine Stellvertreterin gehabt, habe Ferien verschoben oder abgebrochen, wenn einer ihrer Chöre einen Auftritt hatte. Doch die wachsenden Ansprüche hätten an ihr gezehrt. Wiederholt musste sie zudem ins kalte Wasser springen. Zum Beispiel beim letztjährigen Konzert des Männerchors Wolhusen, bei dem am Konzertmorgen ein Solist ausfiel, worauf zwei Chorsänger einspringen mussten. «Wir haben den ganzen Nachmittag vor dem Konzert bei mir im Wohnzimmer geprobt», erinnert sich Johanna Imbach mit leichtem Schaudern, und die Wolhuserin ergänzt: «Dirigieren ist meine Leidenschaft, aber wortwörtlich eine Leidenschaft, die auch Leiden schafft.» Als Organistin werde sie auch künftig in Wolhusen, Menznau und Grosswangen zu hören sein.

Hinweis

Weihnachtskonzert des Männerchors Wolhusen und der Entlebucher Sänger: 15. Dezember, 17 Uhr, katholische Pfarrkirche Wolhusen; 22. Dezember, 17 Uhr, katholische Pfarrkirche Entlebuch.

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