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WOLHUSEN: Landverkauf sorgt für rote Köpfe

Der Gemeinderat hat eine Parzelle Land mitten im Dorf veräussert. Der Käufer hat eine Firma in der Nachbarschaft – und ist Sohn des Gemeindepräsidenten. Das stösst einigen sauer auf.
Archivbild der Gemeinde Wolhusen. (Bild: Dominik Wunderli / LZ)

Archivbild der Gemeinde Wolhusen. (Bild: Dominik Wunderli / LZ)

Susanne Balli
susanne.balli@luzernerzeitung.ch

«Korruption in Wolhusen? Zuerst kommt doch die eigene Familie!» Mit diesem Titel veröffentlicht der aktuelle «SVP-Kurier» einen Artikel zu einem Landverkauf in Wolhusen. Die Geschichte ist rasch erzählt: Sie handelt von einem Liegenschaftsbesitzer, der ein angrenzendes Grundstück mitten im Dorf seit Jahren kaufen möchte. Schliesslich unterliegt er. Den Zuschlag erhält ein anderer angrenzender Grundeigentümer – Sohn von Gemeindepräsident Peter Bigler. Dazu kommt: Die Gemeinde hat den Landverkauf nicht öffentlich ausgeschrieben – das musste sie aus rechtlicher Sicht auch nicht. Somit erhielt auch nicht der meistbietende Interessent den Zuschlag.

Einer der unterlegenen Kaufinteressenten ist Lukas Ambühl, wohnhaft in Geiss. Seine Firma Pilu Immobilien GmbH wollte die kleine Parzelle an der Bahnhofstrasse 23 erwerben. Ambühls zwei Parzellen an der Bahnhofstrasse 19 grenzen unmittelbar daran. «Ich habe der Gemeinde schon vor Jahren mitgeteilt, dass ich die Parzelle kaufen möchte, wenn sie zum Verkauf steht.» Sein Interesse habe er häufig wiederholt, auch schriftlich.

Unterlegener wollte Strässchen verlegen

Der Gemeinderat schrieb im Februar 2014 in einem Brief an Anstösser und Interessenten, die Gemeinde betreibe auf der besagten Parzelle eine Entsorgungsstelle und sei bereit, diese auf den Zeitpunkt der Inbetriebnahme eines neuen Entsorgungsplatzes im Gebiet Rossei zu veräussern. Der Mindestpreis für die Parzelle betrage 200 000 Franken. Es folgte ein weiteres Schreiben von Ambühl an den Gemeinderat. «Ich habe ihm mitgeteilt, dass ich auf dem Grundstück Parkplätze, Wohnungen und Platz fürs Gewerbe realisieren möchte.»

Ambühl schwebte vor, das Strässchen, welches das Quartier oberhalb der besagten Parzelle erschliesst, zu verlegen, damit auch Lastwagen das Quartier erreichen könnten und die Entwicklung des Quartiers für die Zukunft gesichert gewesen wäre.

Im vergangenen Oktober erhielt Ambühl eine Absage von der Gemeinde: Das besagte Grundstück sei nun verkauft. Ambühl ist sauer: «Ich weiss nicht, was der ausgewählte Käufer für die Parzelle bezahlt hat. Aber ich wäre bereit gewesen, 50 000 Franken mehr dafür zu bezahlen.» Das habe er dem Gemeinderat an einer Sitzung auch so mitgeteilt. Er ist überzeugt, dass die Gemeinde «sich zum Nachteil der Einwohner und Steuerzahler nicht dafür eingesetzt hat, das Grundstück auf dem öffentlichen Markt zum höchstmöglichen Kaufpreis zu verkaufen». Die Gemeinde sei finanziell schliesslich nicht auf Rosen gebettet. Und die Entwicklung des Quartiers sei seines Erachtens nun nicht mehr möglich. Er will aber keine rechtlichen Schritte einleiten, er habe eine andere Lösung gefunden.

Gemeinderat: «Waren uns der Situation bewusst»

Der Gemeinderat indes ist überzeugt, beim Landverkauf sei rechtlich alles korrekt verlaufen. «Wir weisen den Vorwurf der Korruption und Vetternwirtschaft in aller Form zurück», sagt Gemeindeammann Willi Bucher. Der Gemeindepräsident sei bei diesem Geschäft immer im Ausstand gewesen. Laut Bucher wurde die Parzelle Anfang Januar an die neue Besitzerin Alfred Bigler Immobilien GmbH überschrieben, die dafür 200 000 Franken zahlte. «Der Verkauf lag in der Eigenkompetenz des Gemeinderates. Eine öffentliche Ausschreibung hat bewusst nicht stattgefunden, weil wir die kleine Parzelle nicht der Spekulation aussetzen wollten.» Vielmehr habe man die Nachhaltigkeit und das Entwicklungspotenzial höher gewichtet als den Preis. Und dieses sei mit der jetzigen Lösung gegeben. Der Käufer, der mit seiner IT-Software-Firma im Medizinalbereich aus allen Nähten platze, solle die Möglichkeit haben, seine Firma mit heute zwölf Angestellten zu erweitern. «Dabei spielt es überhaupt gar keine Rolle, ob er der Sohn des Gemeindepräsidenten ist oder nicht», betont Bucher.

Man habe eine saubere Interessenabwägung gemacht, alle umliegenden Liegenschaftsbesitzer angeschrieben und auch mit Ambühl mehrmals Gespräche geführt. «Es gab übrigens noch weitere Interessenten.» Den Umstand, dass der Sohn des Gemeindepräsidenten schliesslich das Rennen gemacht hat, erachtet Bucher nicht als problematisch. Aber: «Wir waren uns sehr wohl dieser besonderen Situation bewusst und wussten auch, dass wir damit Angriffsfläche bieten.» Anders machen würde es der Gemeinderat laut Bucher im Nachhinein trotzdem nicht.

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