WOLHUSEN: Nach dem Felssturz: Steiniger Weg zurück

Einen Monat nach dem Felssturz kehrt der Alltag in den Firmen nur langsam zurück. Einige können den kompletten Betrieb erst im April wieder aufnehmen.

Niels Jost
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Augenschein bei der Gawo Gasser AG in Wolhusen. Oben: Die Spuren der Überschwemmung sind noch immer sichtbar. Unten: Nach dem Felssturz bahnt sich das Wasser am 11. Januar einen neuen Weg. (Bilder Pius Amrein)

Augenschein bei der Gawo Gasser AG in Wolhusen. Oben: Die Spuren der Überschwemmung sind noch immer sichtbar. Unten: Nach dem Felssturz bahnt sich das Wasser am 11. Januar einen neuen Weg. (Bilder Pius Amrein)

Bild 1: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
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Bild 1: So ist die Lage heute. Der Bagger ist immer noch am Werk. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 2:: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 2:: So ist die Lage heute. Noch immer ist hier Treibholz deponiert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 3: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 3: So ist die Lage heute. Der provisorische Damm schützt das Areal vor hohem Wasserstand. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 4: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 4:  So ist die Lage heute. Die kleine Emme hat wieder genügend Raum. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 5: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 5:  So ist die Lage heute. Der Schutt des Felssturzes ist weggeräumt, auf der anderen Flussseite ist der Schutzdamm aufgehäuft. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 6:: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 6: So ist die Lage heute. Die Garagen und der Strassenbelag haben keinen grossen Schaden genommen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 7: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild 7: So ist die Lage heute. Der Schutt ist weg, das Dach des Wohnhauses repariert. Die Löcher am Gewerbegebäude sind immer noch da. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Bild 1: So sah es am Unglückstag aus. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Niels Jost

Überschwemmte Strassen, zerlöcherte Fassaden und überall Steinbrocken, Schutt und Schlamm. Die Zerstörungswut des Felssturzes, der vor rund vier Wochen beim Wolhuser Industriegebiet niederging und die Kleine Emme über die Ufer treten liess, hat schweizweit für Aufsehen gesorgt.

Mittlerweile ist das Thema aus den Schlagzeilen verschwunden. Für die Betroffenen ist der Schicksalsschlag aber keineswegs vergessen. Nach wie vor leiden die Firmen unter den Schäden, die die unglaubliche Kraft der Felsen und des Wassers angerichtet haben. Bei der Firma Gawo Gasser AG, dem Hersteller von Fenster, Türen und Jalousien, fehlen in der Schreinerei noch immer zwei Maschinen. «Erst in zwei bis drei Monaten können die neu bestellten Maschinen geliefert werden», sagt Geschäftsführer Basil Gasser auf Anfrage. Das Wasser floss am 11. Januar durch die ganze Produktionsanlage und zerstörte die Maschinen. Eine Reparatur wäre zu aufwendig gewesen, so Gasser. Er bleibt optimistisch: «Die Arbeiten können wir mit anderen Maschinen erledigen. Das dauert jetzt halt ein bisschen länger.» Der Betrieb konnte rund zwei Wochen nach der Überschwemmung wieder aufgenommen werden. Erst letzte Woche wurden die Revisionsarbeiten an den noch brauchbaren Maschinen abgeschlossen.

Andere Schreiner-Firmen helfen aus

Um den Produktionsrückstand aufzuholen, arbeiteten die 80 Mitarbeiter auf Hochtouren. Einige verzichteten freiwillig auf ihre Fasnachtsferien. «Die Flexibilität der Mitarbeiter ist gross – das ist nicht selbstverständlich. Sie halfen allesamt bei den Putz- und Aufräumarbeiten mit», so Gasser. Sogar befreundete Schreinereien unterstützten die Firma, indem sie ihre Maschinen zur Verfügung stellten, um die Ausfälle möglichst klein zu halten. «Die Solidarität war und ist riesig.»

Noch komplett saniert werden müsse der Keller, wo sich der nun unbrauchbare Pausenraum und die Garderobe befinden. «Das schmerzt. Aber zum Glück können wir jetzt wieder normal arbeiten», so Gasser. Insgesamt dürfte sich der Schaden der Gawo Gasser AG auf knapp eine Million Franken belaufen.

Mitarbeiter putzen mit

Ganz so hoch ist der Schaden bei der Firma Dock Luzern nicht, die Arbeitslose wieder in den Berufsalltag integriert. Dennoch: Zwei Autos, eine Nähmaschine sowie die Gebäudefassade und Fensterscheiben wurden zerstört. Das Gebäude gehört der Sandmättli AG. «Der gewohnte Alltag ist noch nicht ganz eingekehrt», sagt Betriebsleiter Guido Loser. 160 Voll- und Teilzeitarbeiter zählt die Firma. Dank deren guten Unterstützung bei den Aufräumarbeiten konnten die Montage- und Verpackungsabteilung, die Recyclinganlage für Elektroschrott sowie die Näherei eine Woche nach dem Felssturz wieder vollständig betrieben werden. Dazu habe die Nachbarfirma Imbach Kies und Beton AG einen grossen Beitrag geleistet, so Loser. «Mit ihren Baggern und sonstigen Maschinen befreiten sie auch unser Areal vom Schutt.» Die Höhe der Schäden kann Betriebsleiter Guido Loser noch nicht beziffern.

Ebenso «noch nicht ganz» derselbe Alltag wie vor dem Felssturz herrscht bei der Reparatur- und Sanierungstechnik AG (RSAG). Obwohl der Betrieb wieder läuft, ist die völlig unter Wasser gestandene Kantine noch immer nicht zugänglich. Sie wird wohl erst Mitte März saniert sein, sagt Klaus Krummenacher, Leiter des Geschäftssitzes in Wolhusen. «Vier Wochen lang haben wir geputzt. Wir mussten etwa das komplette Lager aus- und dann wieder einräumen.» Geschätzter Schaden: 130 000 Franken. Wäre die Überschwemmung im Sommer und somit in der Hochsaison für die Strassensanierungen geschehen, wäre der Betriebsausfall wohl noch grösser gewesen. Das hätte auch die 14 Mitarbeiter härter getroffen, so Krummenacher.

«Blumenstrauss lag vor der Tür»

Noch über zwei Monate warten muss die Firma Imbach AG, Kies und Beton. Erst dann werden das defekte Schlammsilo und die Schlammpresse, die für die Aufbereitung von Kies notwendig sind, geliefert – und erst dann kann der Betrieb wieder komplett aufgenommen werden. «Von Normalität ist noch nicht die Rede», sagt Geschäftsleiterin Brigitte Imbach. Sie rechnet mit Schäden an Gebäuden und Maschinen in der Höhe von 1,2 bis 1,5 Millionen Franken. «Immerhin können wir wieder Beton herstellen.» Dies dauerte nach dem Felssturz rund eineinhalb Wochen. Auch der Heizöltank sei wieder funktionstüchtig, sodass die Wohn- und Geschäftsgebäude wieder beheizt werden. Die Firma beschäftigt 17 Mitarbeiter.

Was Brigitte Imbach nach dem Felssturz speziell rührte, war die grosse Solidarität. Insbesondere die Helfer des Zivilschutzes Region Entlebuch haben der Firma tatkräftig zur Seite gestanden. «Sonst wären wir heute noch am Aufräumen.» Die Anteilnahme am erfahrenen Leid sei überwältigend gewesen. «Ich habe zahlreiche SMS, E-Mails oder Anrufe bekommen – sogar ein Blumenstrauss lag vor der Haustür. Das hat unglaublich gut getan und aufgestellt.»
 

Schutzmauer: Arbeiten starten

Felssturz jon. Der Felshang Badfluh, von dem die Gesteinsmassen am 11. Januar abbrachen, ist mittlerweile so weit gesichert, dass die vollständige Räumung des Gerinnes der Kleinen Emme in den letzten Tagen erfolgen konnte. Dies bestätigt der Werthen­stei­ner Gemeindeammann Fredy Röös­li auf Anfrage. Bis Ende Woche werden noch rund 1500 Kubikmeter Gestein abtransportiert, die aus dem Flussbett geholt wurden und nun auf dem Industrieareal zwischengelagert sind.

Am nächsten Montag starten zudem die Sanierungsarbeiten an der teilweise zerstörten Ufermauer, «damit der Hochwasserschutz wieder gewährleistet ist», so Röösli. Diese Arbeiten werden rund einen Monat dauern. Das weitere Vorgehen rund um das Industriegebiet werde Anfang Woche von den Gemeinden Werthenstein und Wolhusen sowie dem Kanton besprochen. Dazu sollen später auch die Betroffenen und Geologen miteinbezogen werden.