WOLHUSEN: «Schnell Kaffee trinken, das geht gar nicht»

Heute lanciert das Tropenhaus die neue Ausstellung zum Thema Kaffee. Im Zentrum stehen Genuss und erstaunliche Fakten.

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Äthiopische Kaffeezeremonie im Tropenhaus Wolhusen mit Sarah Roduner (links) und Frehiwot Teshome. (Bild Dominik Wunderli)

Äthiopische Kaffeezeremonie im Tropenhaus Wolhusen mit Sarah Roduner (links) und Frehiwot Teshome. (Bild Dominik Wunderli)

«Wie Kaffee die Welt verzaubert.» So heisst die neue Ausstellung des Tropenhauses Wolhusen, die heute eröffnet wird und bis Ende Februar 2016 besucht werden kann. «Wir möchten die Leute mit allen Sinnen begeistern und die verschiedenen Facetten des Kaffees weitergeben. Mein Begriff von Kaffee ist jedenfalls bereits arg durcheinandergeraten», sagte Tropenhaus-Geschäftsführer Pius Marti an der gestrigen Medienorientierung. Der Besucher erfährt mehr über die Geschichte des Kaffees, die Hintergründe der Zubereitung, spezielle Rezepte, er erhält die Möglichkeit zur Degustation und kann unter Anleitung sogar selber Bohnen rösten.

Kaffee für Lukas Meyer, Projektleiter Kaffee-Ausstellung (mitte) und Pius Marti, Geschäftsführer des Tropenhauses in Wolhusen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
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«Wie Kaffee die Welt verzaubert.» (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
So heisst die neue Ausstellung des Tropenhauses Wolhusen, die am 25. März eröffnet wird und bis Ende Februar 2016 besucht werden kann. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
«Wir möchten die Leute mit allen Sinnen begeistern und die verschiedenen Facetten des Kaffees weitergeben. Mein Begriff von Kaffee ist jedenfalls bereits arg durcheinandergeraten», sagte Tropenhaus-Geschäftsführer Pius Marti an der Medienorientierung. Auf dem Bild degustiert Marti Bohnen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Der Besucher erfährt mehr über die Geschichte des Kaffees, die Hintergründe der Zubereitung, spezielle Rezepte... (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
er erhält die Möglichkeit zur Degustation und kann unter Anleitung sogar selber Bohnen rösten. Auf dem Bild: Äthiopische Kaffeezeremonie mit Sarah Roduner (links) und Frehiwot Teshome. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Im Tropenhaus finden sich mehrere Stationen mit Informationen, Audio-Installationen... (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
... und Filmen zum Thema Kaffee. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Wer nach dem Besuch der Ausstellung so richtig auf den Geschmack dieser Steinfrucht gekommen ist, kann sein Wissen in Workshops vertiefen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Wer sich mehr Zeit für Kaffee nehmen will, kann dies im Highlight der Ausstellung tun. Eine 3 Meter breite und 1,70 Meter hohe Kaffeetasse lädt zum Verweilen und Degustieren ein. «Kaffeekränzchen in der Plaudertasse» nennt sich die Einrichtung, die acht Personen Platz bietet und gebucht werden kann. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
«It's coffee time». Im Tropenhaus wird ein Film über die Herstellung des Kaffees gezeigt. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Kaffee für Lukas Meyer, Projektleiter Kaffee-Ausstellung (mitte) und Pius Marti, Geschäftsführer des Tropenhauses in Wolhusen. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Entdecker des Kaffees sind Ziegen

Entdeckt worden sei der Kaffee im Königreich Kaffa im heutigen Äthiopien, heisst es. Lukas Meyer, der Projektleiter der Kaffeeausstellung, schildert die Legende so: «Im 9. Jahrhundert warfen Menschen Bohnen ins Feuer, weil sie ungeniessbar waren. Es fand ein Röstprozess statt. Nachdem Ziegen die Bohnen gegessen hatten, fiel Mönchen auf, dass sie ausserordentlich vital waren. So gossen sie heisses Wasser über die Bohnen und entdeckten deren aromatische und anregende Eigenschaften.»

Um zu illustrieren, wie alles begann, kochten gestern zwei in der Schweiz lebende Äthiopierinnen Kaffee in einem Tongefäss auf Holzkohle. «Zum Kaffee servieren wir Brot und Kolo, das ist geröstetes Getreide», erzählt Sarah Roduner. «Ausgeschenkt wird immer mit der rechten Hand, der Glückshand», ergänzt ihre Kollegin Frehiwot Teshome. Der wichtigste Aspekt der Kaffeezeremonie ist aber der Zeitfaktor. «Schnell, schnell, das geht gar nicht. Wir sitzen, reden und geniessen. Schweizer trinken ebenfalls viel Kaffee, doch sie haben wenig Zeit dafür», stellt Roduner fest. In Äthiopien bleibe es nie bei nur einem Kaffee. Pro Zeremonie trinke man stets drei Tassen. Eine entleere man zudem auf den Boden, um auch der Natur einen Kaffee zu gönnen.

Kaffeekränzchen in Plaudertasse

Wer sich mehr Zeit für Kaffee nehmen will, kann dies im Highlight der Ausstellung tun. Eine 3 Meter breite und 1,70 Meter hohe Kaffeetasse lädt zum Verweilen und Degustieren ein. «Kaffeekränzchen in der Plaudertasse» nennt sich die Einrichtung, die acht Personen Platz bietet und gebucht werden kann.

Im Weiteren finden sich im Tropengarten mehrere Stationen mit Informationen, Audio-Installationen und Filmen rund um das Thema Kaffee. Man erfährt, dass das Tropenhaus eine kleine Kaffeeplantage bewirtschaftet; dass Brasilien mit 31 Millionen 60-Kilo-Säcken das grösste Kaffee-Anbauland der Welt ist oder dass eine Kaffeebohne mehr als 850 verschiedene chemische Aromen in sich trägt. Selbst Rückschlüsse auf den Charakter lässt der Kaffeekonsum mit einem Augenzwinkern zu. So steht der Milchkaffee für den Morgenmuffel, Espresso für den Geschäftsmann, Café creme für die Tratschtante und Cappuccino für den Bistrogeniesser …

Wer nach dem Besuch der Ausstellung so richtig auf den Geschmack dieser Steinfrucht gekommen ist, kann sein Wissen in Workshops vertiefen. Oder er lässt sich im Kaffee & Dine ein Dreigangmenü servieren (Termine siehe auf www.tropenhaus-wolhusen.ch). Jeder Gang enthält eine Kaffeekomponente, dazu gibt Pablo Stirnimann, der Kaffeespezialist von Ausstellungspartner Chicco d’Oro, sein Wissen weiter.

Stephan Santschi