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WOLHUSEN: Sie bringen den Dschungel in Form

Im Tropenhaus hat der Heuet begonnen: Während der Betriebsferien werden 150 Pflanzen geschnitten und Umbauten vorgenommen. Um hierzulande den Tropenwald abzubilden, sind Kompromisse nötig.
Evelyne Fischer
Hauswart Sandro Meier reinigt die Wasserdüsen unter dem Dach des Tropenhauses. (Bilder: Pius Amrein (Wolhusen, 19. Juli 2017))

Hauswart Sandro Meier reinigt die Wasserdüsen unter dem Dach des Tropenhauses. (Bilder: Pius Amrein (Wolhusen, 19. Juli 2017))

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Es scheint, als wäre ein Sturm durchs Tropenhaus gefegt: Blätter liegen querbeet auf dem Gelände, hie und da türmen sie sich mit Geäst zu Haufen auf. Wo sich sonst gepflegte Wege durchs 1900 Quadratmeter grosse Areal schlängeln, findet man kreuz und quer vertrampelte Erdpfade vor. Ein Bild, das sich Besuchern nie bietet. Wie auch. Der Ausnahmezustand herrscht in Wolhusen nur drei Wochen lang, im Sommer, wenn die Türen geschlossen sind. Die derzeitigen Betriebsferien bedeuten insbesondere für acht Angestellte der 55-köpfigen Belegschaft Hochbetrieb. «Um in der kurzen Zeit alle Pflanzenschnitte, Umbau- und Pflegearbeiten vorzunehmen, geht es nicht ohne Überstunden», sagt Gärtnermeister Bernhard Aumann.

In der Glashalle ist Wasser­geplätscher zu vernehmen. Vögel zwitschern, exotische Düfte steigen in die Nase. Über 150 Nutzpflanzen sind hier angesiedelt. Aumann mimt den Coiffeur auf der Stör, nimmt sich mit Gartenschere und Motorsäge ein Gewächs ums andere vor. Um bei der Papaya den Ertrag zu steigern, wird der Ast gestutzt. Beim Zimtbaum entfernt er die Seitentriebe, damit die Rinde wächst, aus der das Gewürz gewon­- nen wird. «Jede Tropenpflanze braucht einen speziellen Schnitt. Ein Landschaftsgärtner würde sich hier kaum zurechtfinden», sagt Aumann, der sich seit Jahren mit der Flora und Fauna des Regenwaldes beschäftigt.

Klettergurt ersetzt die Dschungel-Liane

Der Wolhuser Dschungel wird zweimal jährlich geschnitten, im Sommer erfolgt der Haupteingriff. Nötig ist dies, um den tropischen «Mikrokosmos» zu erhalten. «Wir wollen einen natürlichen Tropenwald im Kleinformat und machen darum einen Erziehungsschnitt», sagt Aumann. In den Tropen wachsen Bäume teils über 70 Meter hoch in den Himmel – in Wolhusen ist bei rund 16 Metern Schluss.

Über den Baumkronen hangelt sich Sandro Meier inzwischen von Wasserdüse zu Wasserdüse. Ohne Liane, dafür mit Klettergurt. Die Düsen sorgen für die Kühlung der Luft und verstopfen gern. Hauswart Meier bringt sie wieder in Schuss. Schweiss perlt auf seiner Stirn. Unter dem Glasdach ist es bereits am Vormittag brütend heiss, obwohl während der Betriebsferien die Fenster ausnahmsweise noch weiter offenstehen.

Im Normalfall herrscht im Tropenhaus eine Temperatur von rund 25 Grad. Geheizt wird die Anlage durch die Abwärme einer Gaspipeline. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei knapp 60 Prozent. 20 Prozent unter den reellen Tropenwerten, sagt Armin Neumann, der einige Schritte weiter mit der Stichschaufel einen Besucherpfad verbreitert. «Wir müssen im Tropenhaus Kompromisse eingehen», erklärt Neumann. «Für viele wäre es hier sonst zu drückend.» Das Beispiel zeigt: Zwischen dem Anspruch, einen Dschungel en miniature zu bieten und zugleich fürs breite Publikum attraktiv zu bleiben, verläuft ein schmaler Grat. Es gebe Besucher, die sich daran stören, dass Pflanzen in die Pfade hineinragen, sagt Neumann und zeigt auf die Acerolakirsche daneben. Die Blätter dieser Vitamin-C-Bombe können auf der Haut brennen – allerdings weit weniger als etwa eine Brennnessel. «Der breitere Weg erlaubt es den Besuchern künftig, der Pflanze einfacher auszuweichen.» Neumanns Schaufelarbeit soll vor allem aber Rollstuhlfahrern ermöglichen, den Weg mit Hilfe einer Begleitperson zu passieren.

Bis das Tropenhaus am 9. August seine Tore wieder öffnet sowie Restaurant und Shop den Betrieb aufnehmen, steht noch eine Menge Arbeit an. Hier wird die Plattform fürs Tête-à-Tête-Diner erneuert, dort ein Bambusdach erstellt. Wie viel Geld jährlich in den Unterhalt gesteckt wird, kann Aumann nicht sagen. Klar ist: Die Büez soll letztlich auch dazu beitragen, den rückläufigen Besucherstrom wieder anzukurbeln und das Interesse an «Jambo Afrika» zu wecken, der aktuellen Sonderausstellung. Die letzte verzeichnete 36000 Eintritte.

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