WOLHUSEN: Stöckli-Verkauf: «Ich trage daran keine Schuld»

Das Skiunternehmen wurde verkauft. Nun nimmt Walter Stöckli Stellung zum Verkauf des Familienunternehmens und sagt, weshalb ihn diese Entwicklung nicht überrascht hat.

Bernhard Marks
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Walter Stöckli spricht mit unserer Zeitung an seinem Wohnort in Nottwil über den Verkauf des Skiunternehmens. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Walter Stöckli spricht mit unserer Zeitung an seinem Wohnort in Nottwil über den Verkauf des Skiunternehmens. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)

Walter Stöckli (69) reagierte gefasst auf die Nachricht vom Verkauf des Familienunternehmens, denn er hatte es bereits kommen sehen: Walter, der Bruder des ehemaligen Stöckli-Inhabers Beni Stöckli, war für zwei Monate auf Reisen in Thailand, als er einen Anruf erhielt. «Mein Bruder rief mich an, um mir vor meiner Rückkehr in die Schweiz seinen Entscheid mitzuteilen, die restlichen Firmenanteile zu verkaufen», sagt Walter Stöckli beim Treffen mit unserer Zeitung.

Die Stöckli Swiss Sports AG war im Mai dieses Jahres von der Familie Kaufmann komplett übernommen worden. Diese hatte bereits vorher die Mehrheit der Firma gehalten. Diego Kaufmann, Sohn des verstorbenen Entlebucher Geschäftsmannes Hans Kaufmann, hält jetzt die meisten Anteile des Unternehmens und ist damit der neue starke Mann bei Stöckli. Die Mitglieder der Familie Stöckli traten hingegen alle aus dem Verwaltungsrat zurück – und auch Beni Stöckli jun. wird das Amt des Geschäftsführers im Laufe dieses Jahres abgeben.

Vor 5 Jahren noch Verwaltungsrat

Zurück in der Schweiz, wurde Walter Stöckli von vielen Kollegen und Mitarbeitern der Firma angesprochen, was er mit dem Besitzerwechsel zu tun habe. Dass er mit einer Veräusserung von Firmenanteilen zum Verkauf der Firma beigetragen habe, verneint er. «Ich halte seit zwanzig Jahren keine Aktien mehr», sagt Stöckli. Diese habe er seinem Bruder komplett übertragen und sich dann auszahlen lassen. «Damals haben wir die Firma schätzen lassen», erzählt Stöckli, und er sei sogar unter diesen Schätzpreis gegangen, sagt Stöckli weiter. Bis vor fünf Jahren war Walter Stöckli, der heute in Nottwil lebt, noch im Verwaltungsrat des Wolhuser Unternehmens tätig. Bis vor kurzem arbeitete der heute 69-Jährige immer noch 50 Prozent im Bereich der Qualitätssicherung in der Skiproduktion.
Stöckli will Darlehen zurück
Walter Stöckli stellt allerdings klar, dass er noch finanzielle Mittel in der Firma habe. Hierbei handle es sich um ein Darlehen. «Dieses Geld will ich jetzt zurück», sagt er. Diego Kaufmann kenne er leider persönlich nicht. Er hoffe aber, dass sich das noch ändern werde. Er wünsche sich sehr, dass der Stöckli-Ski nach wie vor ein Spitzenprodukt bleiben wird und in der Schweiz produziert werden kann. Auch wenn er nicht mehr im Unternehmen dabei sei, werde er weiterhin, wenn gewünscht, seine Erfahrung im Skibau zur Verfügung stellen.

«Stöckli will wachsen, vor allem auch international», sagte Verwaltungsratspräsident Niklaus Knüsel derweil im Mai dieses Jahres. Der Verwaltungsrat hatte dafür die Unternehmensstrategie weiterentwickelt. Ziel sei es, mit dem traditionsreichen Unternehmen auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben. Stöckli will sich noch stärker auf die Produktion und den Vertrieb qualitativ hochstehender Ski- und Bikeprodukte fokussieren. Unverändert bleibt dabei das Bekenntnis zur Schweizer Qualität und zu den beiden Produktionsstandorten im Kanton Luzern – Wolhusen und Malters. Zur Umsetzung der aktualisierten Strategie will der Verwaltungsrat in den nächsten Monaten einen neuen, externen CEO mit internationaler Erfahrung verpflichten.

Stöckli hebt den Mahnfinger

Die Grunderfamilie Stöckli ihrerseits hat laut offizieller Darstellung an der Weiterentwicklung der Strategie mitgearbeitet und soll diese Massnahmen unterstützt haben. Der Abgang des CEO der Firma, Beni Stöckli jun., deutet aber genau auf das Gegenteil hin. Auch Walter Stöckli hält die neue Strategie für gefährlich. «Der Markt für Ski wird nicht grösser», ist er überzeugt. Stöckli müsse sich deshalb darauf konzentrieren, für die Ski, die in der Schweiz produziert werden, einen gewissen Preis verlangen zu können. «Die Stöckli-Ski sind absolute Topqualität und müssen das auch dringend bleiben», sagt Stöckli. Wie es anders gehen könne, sehe man am Beispiel anderer Mitbewerber, die ihre Produktion in Billiglohnländer verlegt hätten.