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WOLHUSEN: Wo man dem Tod ins Auge schaut

In der Totenkapelle von Wolhusen ist das Lebensende allgegenwärtig. Beim weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Totentanz wurden gar menschliche Schädel eingemauert.
Susanne Balli
In der Totenkapelle, errichtet um 1661, ist ein qualitativ hochstehender Totentanz zu sehen. Der Künstler ist unbekannt. Bild: Nadia Schärli (Wolhusen, 15. September 2016)

In der Totenkapelle, errichtet um 1661, ist ein qualitativ hochstehender Totentanz zu sehen. Der Künstler ist unbekannt. Bild: Nadia Schärli (Wolhusen, 15. September 2016)

Ultima latet – das Letzte bleibt verborgen: Dieser lateinische Spruch ziert die Sonnenuhr an der Wand der Totenkapelle Wolhusen. Gemeint ist die letzte Stunde vor dem Tod. Hier wird Besuchern die eigene Sterblichkeit eindrücklich vor Augen geführt. Bereits beim Eingang wird man von echten, in die Türbögen eingemauerten Totenschädeln empfangen. Die kleine, um 1661 am Hang oberhalb der Pfarrkirche und des Friedhofs erbaute Kapelle beheimatet die eindrückliche Darstellung eines Totentanzes. Er gilt unter Fach­leuten neben dem Totentanz von Jakob von Wyl im Luzerner Regierungsgebäude als der quali­täts­vollste Totentanz der Innerschweiz, steht unter eidgenössischem Denkmalschutz und ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Vor dem Tod sind alle gleich

Der Begriff des Totentanzes ist im Mittelalter entstanden. Dargestellt wird dabei das Ringen (Tanzen) der Menschen aller Stände mit dem Tod, wobei die Gleichheit der Menschen vor dem Tod hervorgehoben wird.

An den Längswänden der Totenkapelle in Wolhusen stehen sich je vier Vertreter der geistlichen und weltlichen Obrigkeit gegenüber. An der Giebelseite sind vier Vertreter der niederen Stände dargestellt. Ob Papst oder Bischof, Kaiser oder Edelmann, Wirt oder Bäcker – jede einzelne Figur wird auf eindrückliche Weise von ein bis zwei Toten flankiert und gepackt.

Die Figuren des Todes wirken auf den Besucher schaurig und beklemmend; sie sind als ausgemergelte Kadaver mit flatternden Leichentüchern dargestellt. Anstelle von gemalten Totenschädeln hat der unbekannte Künstler den Figuren echte Totenschädel auf die Schultern gesetzt. Die eingemauerten Schädel sind durch unterschiedliche Drehungen so ausgerichtet, dass sie genau zur Körperhaltung der dargestellten Toten passen. Dadurch entsteht eine einzigartige und eindrückliche Dynamik. Unter allen vom Tod gepackten Personen steht jeweils ein passender vierzeiliger Vers. Diese enthalten die Klagen der Sterbenden oder Monologe des Todes. So zieht ein Toter die Figur des Mönches an der Kordel seines Gewandes, und der Mönch klagt:

So mächtig mich der Tod betrengt das mich mein Strick am Gürtel engt dies wyte kleid ich trug ohn schmertz jez bengts mich sehr um das hertz.

Auf beiden Längsseiten wird die Reihe der Menschen und der dargestellten Toten durch jeweils ein Rundfenster unterbrochen. An eines der Rundfenster lehnt sich ein Toter, der mit Oberschenkelknochen auf eine Kesselpauke trommelt. Beim Fenster gegenüber bläst ein weiterer Toter in eine Art Horn. «Die beiden repräsentieren die Beinhausmusik, die zum Totentanz gehört», erklärt der Wolhuser Willi Wey. Der pensionierte Schriftsetzer und Typograf ist im Verein Wolhuser Forum für Geschichte fürs Archiv und Fotos zuständig und kennt die Totenkapelle gut.

Kirchweg führte durch Totenkapelle

«Früher war die Totenkapelle ein Beinhaus, an dessen Wänden Gebeine gestapelt wurden», sagt Wey. Die kleine Kapelle verfügt über zwei Türen, weil der offizielle Weg zur Kirche hier durchführte. «Durch den Anblick der Gebeine wurden sie an die eigene Sterblichkeit erinnert», so Wey.

Heute steht die Totenkapelle oberhalb des Friedhofs für sich alleine. Früher stand unmittelbar neben der Kapelle die Kirche, die 1652 bis 1654 gebaut wurde. «1880 drohte die Kirche in sich zusammenzufallen und war auch viel zu klein geworden. Darum wurde weiter unten die heutige, deutlich grössere Pfarrkirche errichtet», erklärt Wey.

Die Totenkapelle wurde bis ins 19. Jahrhundert trotz ihrer Nutzung als Beinhaus kaum baulich gepflegt. «Der Kunsthistoriker Johann Rudolf Rahn fand die Kapelle in einem erbärmlichen Zustand vor», sagt Willi Wey. Erst nach seiner eingehenden schriftlichen Würdigung von 1881 erhielt die Kapelle wieder mehr Aufmerksamkeit. Schliesslich wurde sie 1901 vom Abbruch bewahrt und mit Bundeshilfe das erste Mal renoviert. Weitere Sanierungen erfolgten 1957/58 sowie 2005/06.

Wer die Totenkapelle besuchen möchte, kann diese zu Fuss oder mit dem Auto erreichen. Beim neuen Kreisel im Dorf biegt man rechts ab und geht oder fährt die Kirchgasse hoch. Bei der Kirche stehen Parkplätze zur Verfügung. «Der Besuch der Totenkapelle lässt sich auch sehr gut mit dem Besuch der Burgruine oberhalb von Wolhusen verbinden. Dort bietet sich eine schöne Aussicht über Wolhusen und Umgebung», sagt Wey.

Hinweis

Quellen: Totentanz – Beinhaus/Totenkapelle Wolhusen. Historische Gesellschaft Luzern, Jahrbuch 26, 2008; Theo Stadelmann: Wolhusen – ein Heimatbuch, 1958.

Bereits erschienene Beiträge der Kirchenserie finden Sie unter: luzernerzeitung.ch/serien

Susanne Balli

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