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WOLHUSEN/WERTHENSTEIN: Felssicherung an der Badflue: Bald ist die Gefahr gebannt

Vor zwei Jahren hat ein Felssturz zu einer Überschwemmung mit grossem Sachschaden geführt. Um eine weitere Katastrophe zu verhindern, wird nun das letzte Stück der Badflue stabilisiert.
Raphael Zemp
Ein Bohrlastwagen treibt sieben Meter lange Löcher in den Fels. (Bild: Pius Amrein (Wolhusen, 1. März 2018))

Ein Bohrlastwagen treibt sieben Meter lange Löcher in den Fels. (Bild: Pius Amrein (Wolhusen, 1. März 2018))

Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

Es ist grau. Feine Schneeflocken fallen vom Himmel, die Kleine Emme plätschert friedlich vor sich hin. Schon fast idyllisch, wären da nicht das beständige Dröhnen und Röhren und eine Handvoll von Arbeitern, eingehüllt in neon-orange Jacken. Einige von ihnen wuseln am Fusse der Badflue in Wolhusen herum, andere hangen am Seil gesichert in der Felswand, schneiden mit Motorsägen Büsche und Sträucher. Ein weiterer Arbeiter baumelt unmittelbar neben dem Bohrarm des Lastwagens, trotzt dem Lärm, lässt sich unentwegt von grauem Felsstaub bepudern (siehe Video).

Grosse Wahrscheinlichkeit eines erneuten Felssturzes

Den Grund für das emsige Treiben hat Urs Zehnder, Abteilungsleiter Naturgefahren des Kantons Luzern, zuvor im Pausenraum des Kies- und Betonunternehmens Imbach AG den «überraschend zahlreich erschienenen» Medienvertretern am Donnerstag erklärt: «Es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent, dass dieses stark unterspülte Felsstück in den nächsten zehn Jahren abbricht.» Welch verheerende Auswirkungen ein Felssturz haben kann, hat sich hier vor zwei Jahren gezeigt: Am 11. Januar 2016 löste sich eine tausend Quadratmeter grosse und vier bis fünf Meter dicke Platte aus der Badflue und stürzte in die Kleine Emme. (wir berichteten ») Diese trat in der Folge über die Ufer und richtete einen Sachschaden in Millionenhöhe an. Personen verletzten sich glücklicherweise keine.

Um das Ausmass des Sturzes zu verdeutlichen, streckt Zehnder am Donnerstag auf der Baustelle laminierte Katastrophenbilder in die Runde. Anschliessend zeigt er auf eine Karte an der Wand, und zählt auf, welche Massnahmen seither schon ergriffen wurden: Zuerst hat man den Felssturz aus der Emme gebaggert, hat beschädigte Ufermauern wiedererrichtet und Unterspülungen provisorisch mit Kies aufgeschüttet. In einem weiteren Schritt hat man einen Teil der Felswand kontrolliert abgesprengt und abgeführt.

Nun steht der dritte und letzte Akt in der Sicherung der Badflue an: Das nördliche Teilstück wird zuerst mit Stahlgitternetzen gesichert, um anschliessend die Unterspülungen mit Spritzbeton aufzufüllen - «wie bei einem Loch im Zahn», zieht Zehnder einen plastischen Vergleich.

Deshalb dreht sich nun der diamantbeschlagene Bohrkopf unablässig in den Fels, Zentimeter um Zentimeter. 220 Löcher werden es am Ende sein, jedes reicht rund sieben Meter tief in den Fels. Genau so lang sind auch die Felsanker, welche einbetoniert die Schutznetze dereinst an den Fels heften und dafür sorgen, dass keine Gesteinsbrocken auf die Arbeiter herunterfallen, während diese die bis zu 2,5 Meter tiefe Unterspülung mit Beton auffüllen. Den Abschluss werden dann vier bis fünf Tonnen schwere Kalksteinblöcke machen, die dem Ufer einen natürlichen Anstrich verleihen. «Das kommt auch den Fischen zu Gute», erklärt Bauleiter David Zihlmann. Aber nicht nur: «Das raue Ufer verlangsamt die Fliessgeschwindigkeit der kleinen Emme und somit auch ihre Erosionskraft.»

Felssicherung kostet eine Million Franken

Die Sicherungsarbeiten sind bereits seit Januar im Gang. Der erste und besonders aufwendige Teil, das Anbringen der Schutznetze, dürfte schon bald abgeschlossen sein. Um Ostern dann laufen die eigentlichen Stützarbeiten an, falls alles nach Plan geht. Denn entscheidend für den weiteren Fortschritt der Bauarbeiten wird der Stand der Kleinen Emme sein: Führt sie zu viel Wasser, könnte das die Arbeiten im unmittelbaren Uferbereich verzögern. Bisher aber sind die Arbeiten gut vonstatten gegangen. Dass die Baustelle Ende April planmässig abgeschlossen wird, scheint realistisch.

Dieser finale Akt der Badflue-Sicherung kostet eine Million Franken, wovon der Bund rund 400’000 Franken übernimmt und der Kanton etwas über 200’000 Franken. Den Restbetrag decken die Anrainergemeinden Wolhusen und Werthenstein je zur Hälfte. Die Gesamtkosten sämtlicher Räumungs- und Sicherheitsarbeiten seit dem Vorfall im Januar 2016 belaufen sich somit auf fast 7 Millionen Franken. Das entspricht über einer Million Franken, welche die Gemeinden Wolhusen und Wertehstein je beisteuern müssten, rechnet Fredy Röösli vor, Gemeindeammann von Werthenstein. Immerhin: Nach Abschluss der jüngsten Arbeiten sollte es an der Badflue in den nächsten 300 Jahren zu keinem Felssturz mehr kommen.

Staubige Angelegenheit: Ein Arbeiter überwacht die Bohrung am Felsen. (Bild: Pius Amrein (Wolhusen, 1. März 2018))

Staubige Angelegenheit: Ein Arbeiter überwacht die Bohrung am Felsen. (Bild: Pius Amrein (Wolhusen, 1. März 2018))

Blick auf die Arbeiten in der Badflue. (Bild: Pius Amrein (Wolhusen, 1. März 2018))

Blick auf die Arbeiten in der Badflue. (Bild: Pius Amrein (Wolhusen, 1. März 2018))

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