WORLD BAND FESTIVAL: Europameister erhält einen Dämpfer

Volksfeststimmung und Wettbewerbsgeist: Das Blasmusik-Festival wurde gestern im und rund ums KKL mit grosser Spannung eröffnet.

Simon Bordier
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Das Blasorchester der Rekrutenschule 16-2 begeisterte gestern rund 1600 Zuhörer auf dem Europaplatz. (Bild Philipp Schmidli)

Das Blasorchester der Rekrutenschule 16-2 begeisterte gestern rund 1600 Zuhörer auf dem Europaplatz. (Bild Philipp Schmidli)

Würde der Brass Band Bürgermusik Luzern (BML) das Triple gelingen? Nachdem die Musiker unter der Leitung von Michael Bach im vergangenen November die Schweizer Meisterschaft und im Mai gleich noch die Europameisterschaft gewonnen haben, wartete am Samstag bei der Eröffnung des World Band Festival der dritte Titel: jener des Swiss Open Contest, der in der Schweizer Brassband-Szene so viel gilt wie der Cup im Fussball.

Aber die BML spielte nicht als alleinige Favoritin im KKL auf. Auch die letztjährige Siegerin, die Valaisia Brass Band, und die Brass Band 13 Étoiles, ebenfalls aus dem Wallis, waren dabei. Letztere hat den Wettbewerb, der seit 1990 ausgetragen wird, bereits neun Mal für sich entschieden.

Mit Heimvorteil durfte neben der BML auch die zweite Zentralschweizer Formation rechnen: Die Brass Band Luzern Land, die aus der Fusion der Brass Band Michelsamt und der Brass Band Luzerner Hinterland hervorgegangen ist. Sie präsentierte sich unter der Leitung von Hervé Grélat erstmals am Contest.

Lob auf englische Art

Die wohl grösste Konkurrentin der BML dieses Jahres, die renommierte Black Dyke Band aus England, war am Eröffnungstag ebenfalls zu hören – allerdings mit einem Unterhaltungsprogramm auf dem Europaplatz unter dem KKL-Vordach. Während im Konzertsaal der Wettbewerb lief, begeisterten die Engländer am kostenlosen Open-Air-Konzert zusammen mit der Dutch Swing College Band, dem Blasorchester der Rekrutenschule 16-2 und den BML Talents rund 1600 Besucher sowie zahlreiche Hörer am Radio.

Von der Volksfeststimmung liess sich auch Dr. Nicholas J. Childs, der Dirigent der Black Dykes, anstecken. «Die Begeisterung des Publikums ist einmalig: Man spürt, dass viele unter den Zuhörern selber in einem Musikverein spielen», meinte Childs im Gespräch. Dass seine Band bei den Europameisterschaften von der BML auf den dritten Rang verwiesen wurde, kommentierte er mit englischem Understatement: «Der Sieg der BML ist hoch verdient. Er kam für mich aber nicht völlig überraschend, denn die hohe Qualität der musikalischen Nachwuchsförderung hierzulande ist mir schon länger aufgefallen.» Die Begeisterungsfähigkeit des Publikums hält auch bei der Black Dyke Band noch an: Deren Brass-Gala gestern Abend im KKL war wie schon in den Vorjahren ausverkauft.

Dass im Fall von Brassbands «Amateure wie Champions auftreten», so Dirigent Childs, liess sich beim Swiss Open Contest in einem positiven Sinn beobachten. Die Brass Band Luzern Land begeisterte im Pflichtstück «Age of Innocence – Fantasy for Brass Band» des englischen Komponisten Howard Lorriman mit ihrem intonationssicheren und vor allem in den langsamen Sätzen auffallend nuancierten Klang. Die dreiköpfige Jury honorierte den Vortrag mit 168 von 180 möglichen Punkten – womit die Band sogar die Städter von der BML (161 Punkte) hinter sich liess.

Erwartungen nicht ganz erfüllt

Deren Interpretation des Pflichtstücks wirkte teils zu kraftmeierisch und erreichte in den langsamen Passagen nicht jenen idyllischen Klang, der den kindlichen Zauber des Stücks ausmacht. Dafür begeisterte die BML das Heimpublikum mit der Ouvertüre «Die sizilianische Vesper» von Giuseppe Verdi. Wie bei allen Selbstwahlstücken des Wettbewerbs, so handelte es sich auch bei der Ouvertüre um eine Brassband-Transkription eines klassischen Orchesterwerks – die dank hauchzarten Pianissimo-Stellen zu Beginn, mitreissenden tänzerischen Gesten und glänzenden Solisten für Begeisterung sorgte. Die Jury bewertete den Vortrag mit 175 von 180 Punkten – ein Achtungserfolg, der zusammen mit dem Pflichtstück für den 5. Schlussrang reichte.

«Das Resultat mag zwar nicht ganz den Ansprüchen entsprechen, die man an einen amtierenden Europameister stellt. Jedoch muss man an einem Wettbewerb bis ans Limit gehen. Dabei steht vieles auf Messers Schneide: Wenn man eine Stelle des Stücks bloss um eine Haaresbreite verfehlt, wirkt sich das bereits auf das Ergebnis aus.» Dies sagte der etwas enttäuschte BML-Dirigent Bach nach Bekanntgabe des Ergebnisses gegenüber unserer Zeitung. Es sei «kein Weltuntergang, aber doch ein Dämpfer».

Gelungene Bewährungsprobe

Die zweite Luzerner Band erreichte den 7. Schlussrang. Im Selbstwahlstück, dem letzten Satz aus Hector Berlioz’ «Symphonie fantastique», konnte die Brass Band Luzern Land nicht mehr ganz an ihre Leistung aus dem Pflichtstück anschliessen. «Ich bin vom Resultat enttäuscht, aber ich kann unserem Auftritt auch Positives abgewinnen: Die Stimmung war auf der Bühne wie auch auf Seiten des Publikums sehr gut», meinte der Dirigent Hervé Grélat nach dem Konzert. Es sei gelungen, sich als neu gegründetes Orchester in dem hochstehenden Wettbewerb zu behaupten.

Den 1. Rang trug – nunmehr zum zehnten Mal – die Brass Band 13 Étoiles mit einer hinreissenden Interpretation von Nikolai Rimski-Korsakows Ouvertüre «Russische Ostern» davon.

HINWEIS

Alle Resultate zum Swiss Open Contest und Infos zum World Band Festival, das noch bis am 28. September dauert, sind unter www.worldbandfestival.ch zu finden.

Wir verlosen 3-mal 2 Tickets für die Show «Tattoo on Stage» (diverse Formationen) am Sonntag, 28. September, 17 Uhr, Konzertsaal, KKL, Luzern. Wählen Sie bis Montag, 24 Uhr, die Telefonnummer 0901 83 30 23 (Fr. 1.– pro Anruf, Festnetztarif), oder nehmen Sie teil auf www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe