WORLD BAND: Festival plant Strassenparade in Luzern

Mit dem Tattoo endete am Wochenende die 16. Ausgabe des Festivals. Trotz Ukraine-Krise trat auch ein russisches Repräsentationsorchester auf.

Simon Bordier
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Humorvoll und spektakulär war das Swiss Army Drum Corps bei seinem Auftritt an diesem Wochenende im KKL. (Bild Dominik Wunderli)

Humorvoll und spektakulär war das Swiss Army Drum Corps bei seinem Auftritt an diesem Wochenende im KKL. (Bild Dominik Wunderli)

Das World Band Festival endet traditionell mit farbigen Tattoos. Auch dieses Wochenende lockten die drei Veranstaltungen wieder rund 5000 Besucher ins KKL – aber diesmal stand der Zapfenstreich unter neuen weltpolitischen Vorzeichen.

Unter anderem war das Orchester der Suworow-Militärakademie Moskau zu hören. Während sich die Krise in der Ukraine bereits auf die Beziehungen Schweiz-Russland auswirkt – so wurde zum Beispiel die russische Kunstflugstaffel im Sommer von der Flugshow in Payerne ausgeschlossen –, hält man beim Tattoo am russischen Stammgast fest. «Der Ausschluss des Orchesters war für uns kein Thema. Bei uns steht die Musik im Mittelpunkt; wir mischen uns nicht in die Politik ein», meinte dazu Festivaldirektor Werner Obrecht.

Von Krisenstimmung war auch beim Publikum nichts zu spüren: Es zeigte sich begeistert von der präzisen Choreografie und dem hohen technischen Niveau des russischen Repräsentationsorchesters und klatschte bei dessen Abgang von der Bühne im Gleichtakt mit. Die Musiker zeigten sich mit folkloristischen Einlagen auch von ihrer lockeren Seite. Als sie aber ihre Instrumente wie Waffen ausstreckten, wirkte die Show nicht mehr völlig harmlos.

Neuseeländer sorgen für Exotik

Bei der Swiss Midland Pipe Band mochte man allenfalls noch an die schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen denken. Aber der stimmige Auftritt der Dudelsackspieler und Trommler aus dem Aargau liess dann doch die Weltpolitik in Vergessenheit geraten.

Für einen Schwindel erregenden Höhepunkt sorgte die Shanghai Jiangzhou Drum Company. Das chinesische Trommelensemble stellte seine traditionellen Schlaginstrumente in allen Facetten vor, wobei vor allem der nahtlose Übergang zwischen den verschiedenen Anschlagsweisen beeindruckte.

Für exotische Momente sorgte die New Zealand Army Band, deren glänzende Choreografie im Zeichen des beilförmigen, federgeschmückten Majorstabs stand. Eher klassisch, aber ebenso hochstehend präsentierten sich die Gäste aus Holland, die Drum- & Showband Adest Musica. Farbige Akzente setzten nicht zuletzt die Stammgäste aus der Schweiz: Die Rojahn Academy of Irish Dance schwang unter der Begleitung des Ensembles Caóran das Tanzbein, das Swiss Army Drum Corps kommentierte seine eigenen Trommelwirbel humorvoll mit Zungenschlägen und die Lucerne Marching Band begab sich auf eine witzige Abenteuerfahrt durch die Filmmusik.

Ähnlich wie beim Tattoo, waren auch in anderen Veranstaltungen des World Band Festival immer wieder experimentelle Momente zu spüren, die über den reinen Unterhaltungswert hinausgingen.

So bewiesen etwa die Bandleader Pepe Lienhard in der «Bigband-Matinee» und Christoph Walter in der «Entertainment-Gala» mit ihren Arrangements von Evergreens einigen Mut zum Risiko. Und die Garde Républicaine zeigte mit der Uraufführung des Posaunenkonzerts des Komponisten Peter Meechan, dass es in der Blasmusik starke zeitgenössische Tendenzen gibt. Aber anders als beim Lucerne Festival, mit dem sich das World Band Festival punkto Qualität gerne vergleicht, bleiben diese Tendenzen nur ansatzweise erkennbar. «Im Unterschied zum Lucerne Festival sind wir stärker von Ticketeinnahmen abhängig, deshalb können wir bei der Programmgestaltung nicht gleich hohe Risiken eingehen», meint dazu Festivaldirektor Obrecht. Er freut sich mit rund 20 000 Besuchern und einer Auslastung von knapp 90 Prozent über einen ähnlich hohen Besucherzustrom wie in den vergangenen Jahren.

Marsch zum KKL

Für nächstes Jahr kündigt Obrecht an, das Tattoo vom Konzertsaal auch in die Strassen hinauszutragen: «Geplant ist eine Strassenparade vom Schweizerhofquai über die Seebrücke bis zum KKL.» Der Anlass am Sonntag, 27. September 2015, sei von der Stadt bewilligt, so Obrecht. «Die Parade steht noch nicht definitiv fest, aber wir sind zuversichtlich, dass es klappt.» Damit zeigt das Blasmusikfestival, dass es zumindest punkto Volksnähe dem Lucerne Festival einen Schritt voraus ist.