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WÜRZENBACH: Hochwasser: Jetzt handelt die Stadt

Das schwere Gewitter von Anfang Juni hat grosse Schäden verursacht. Die Stadt will nun mit Sofortmassnahmen die Gefahr eindämmen.
Beatrice Vogel
Der Eingang zum Entlastungsstollen (links) des Würzenbachs. Dieser erfüllt seine Funktion nicht immer zufriedenstellend. (Bild Beatrice Vogel)

Der Eingang zum Entlastungsstollen (links) des Würzenbachs. Dieser erfüllt seine Funktion nicht immer zufriedenstellend. (Bild Beatrice Vogel)

Das Unwetter vom Sonntag, 7. Juni, hat im Würzenbachquartier riesige Schäden angerichtet. Der über die Ufer tretende Würzenbach hat insbesondere das Romero-Haus stark überschwemmt, sodass Schäden um 1 Million Franken entstanden. Auch das Verkehrshaus war von Wassereinbrüchen betroffen (Ausgabe vom 11. Juni).

Dass der Würzenbach immer wieder über die Ufer tritt, ist bekannt. Und dies, obwohl es eigentlich einen Entlastungsstollen gibt, über den bei starkem Regen ein Teil des Bachs abgeleitet wird. Der Einlauf des Entlastungsstollens (Bild) befindet sich oberhalb der Würzenbachstrasse. Bei normalem Wasserstand fliesst das Wasser durch eine kleine Luke in einer Talsperre, die mit einem Schieber geschlossen werden kann. Fliesst zu viel Wasser in das Rückhaltebecken, dann tritt es über die niedrige Mauer im Bachbett und in den Entlastungsstollen. Dieser ist mit einem Gitter versehen, damit er nicht durch Geschiebe – hauptsächlich Schwemmholz – verstopft wird.

Es kommt immer mehr Holz

«Bis zu einer gewissen Wassermenge funktioniert dieses System gut», sagt Miriam Asanger, Bereichsleiterin Siedlungsentwässerung und Naturgefahren der Stadt Luzern. Am vorletzten Sonntag seien aber ausserordentlich viel Holz und Wurzelstöcke angeschwemmt worden. «Teilweise wurden die Wurzelstöcke sogar über die Talsperre geschleudert», so Asanger. Zwar sei bereits im letzten Jahr festgestellt worden, dass immer häufiger Holz im Bach landet. So schlimm wie vor zwei Wochen sei es aber noch nie gewesen. Die Stadt hat deshalb eine erste Massnahme beschlossen: Im oberen Bachlauf sollen Stahlstangen eingebaut werden, die wie eine Art Rechen das Schwemmholz aufhalten. Bereits heute gibt es eine solche Verbauung – zusätzliche sollen gemäss Asanger innert Monatsfrist entstehen. Warum es in den letzten Jahren mehr Schwemmholz gibt, hat verschiedene Gründe. Einerseits wird im Wald mehr Totholz liegen gelassen zur Förderung der Biodiversität. Andererseits nehmen die intensiven Regenfälle zu, die das Holz in den Bach schwemmen.

Einige Anwohner kritisieren, der Geschiebesammler werde nach kleineren Gewittern nicht sauber ausgeräumt, sodass der Stolleneingang nach heftigen Unwettern schnell verstopft sei. Dem widerspricht Miriam Asanger: «Das Rückhaltebecken wird nach jedem stärkeren Regen kontrolliert und ausgeräumt. Und da der Würzenbach besonders heikel ist, wird dieser zusätzlich einmal im Monat kontrolliert.»

Lebensgefährliche Wasserwucht

Bei einem Notfall sei die Feuerwehr als Erstes zur Stelle. Diese habe am 7. Juni dem Tiefbauamt gemeldet, dass das Rückhaltebecken verstopft sei. «Die Wasserwucht war aber so gross, dass es lebensgefährlich gewesen wäre, Leute zum Ausräumen da hinunterzuschicken», erklärt Asanger. Deshalb habe man den Wasserschwall abwarten müssen. «Auch wenn immer ein Bagger bereitstehen würde, müsste der Baggerfahrer innert weniger als einer halben Stunde vor Ort sein, damit er etwas ausrichten könnte.» Und auch dann könne es schon zu gefährlich sein.

Was ist die Ursache des Problems?

Welche Möglichkeiten gibt es, das Überschwemmungsproblem langfristig zu lösen? «Eine Variante wäre, am oberen Bachlauf etwas zu tun, beispielsweise Auffangbecken oder Waldbefestigungen. Ausserdem kann man den Objektschutz ausbauen», erklärt Asanger. So wird bei der Planung von neuen Häusern im Quartier darauf geachtet, dass an heiklen Stellen Hochwasserschwellen gebaut werden. «Theoretisch wäre es auch möglich, den Entlastungsstollen zu vergrössern», so Asanger. «Das würde aber sehr teuer werden.» Ausserdem sei nicht klar, ob das Fassungsvermögen des Stollens überhaupt das Problem ist. Dies sollte die Auswertung der Messungen vom 7. Juni zeigen, welche aber noch nicht vorliegt. «Die wichtigste Frage ist: Muss man davon ausgehen, dass so etwas bald wieder passiert?», sagt Asanger. Eine Paradelösung gebe es aber nicht.

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