Wüste Attacken auf Behinderte

Sie gehören zu den Schwächsten der Gesellschaft. Dennoch werden Behinderte immer mehr aufs Übelste beschimpft.

Drucken
Teilen
Eine Frau im Rollstuhl in ihrer Wohnung. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Eine Frau im Rollstuhl in ihrer Wohnung. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Nicht nur körperlich, wie vergangene Woche an der Luzerner Ufschötti, sondern auch verbal werden Behinderte zunehmend attackiert: Sprüche wie «Du bist eine Beleidigung fürs Auge» zerstören das Selbstwertgefühl von behinderten Personen und erschweren ihnen so die Integration in die Gesellschaft.

Luitgardis Sonderegger, Direktorin der Stiftung Rodtegg für Menschen mit körperlicher Behinderung in Luzern, ist bestürzt: «Es ist bedenklich, dass in unserer Gesellschaft gerade die Schwächeren angegriffen werden.»

Neu: Kampfkunst für Behinderte

Offenbar hatten politische Hetzereien zur IV-Thematik gepaart mit schlecht geführten Imagekampagnen eine verheerende Wirkung auf das Ansehen von Behinderten. Um Betroffenen zu helfen, hat sich Trainerin Karin Grunder etwas Besonderes einfallen lassen: Selbstverteidigung für Behinderte. «Ich habe die Kampfkunst Esdo so modifiziert, dass sie auch Personen im Rollstuhl ausüben können.»

Mit ihrem Angebot rennt die Trainerin offene Türen ein. Immer mehr behinderte Menschen wollen sich gegen solche wüsten Beschimpfungen wehren können. Das könnten sie auch auf rechtlichem Wege. Denn: «Eine solche Beschimpfung kann dem Täter eine Geldstrafe von bis zu 90 Tagessätzen einbringen», sagt Felix Bommer. Er ist Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Uni Luzern.

Die Verurteilung könne sich aber sehr schwierig gestalten: «Denn bei mündlichen Beschimpfungen besteht oft ein Beweisproblem. Die Chance auf einen erfolgreichen Strafantrag erhöht sich aber ungemein, wenn Zeugen für die geäusserten Beschimpfungen vorhanden sind.» Als Experte rät Felix Bommer den Geschädigten, die umstehenden Passanten direkt anzusprechen und ihre Personalien für Zeugenaussagen aufzunehmen.

Andreas Babst

<em><strong>Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der Zentralschweiz am Sonntag oder als AbonnentIn kostenlos im E-Paper.</strong></em>