Der erste SVP-Gemeindepräsident im Entlebuch wurde schon im Elternhaus politisiert

Stefan Dahinden wird in Doppleschwand der erste SVP-Gemeindepräsident im Entlebuch. Der 39-Jährige hofft, dass seine Partei in der Region weiter Fuss fasst.

Niels Jost
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Der neue Gemeindepräsident Stefan Dahinden.

Der neue Gemeindepräsident Stefan Dahinden.

Bild: Jakob Ineichen (Doppleschwand, 7. April 2020)

Historisch. So dürfen die Gemeinderatswahlen in Doppleschwand vor eineinhalb Wochen bezeichnet werden. Denn hier wurde mit Stefan Dahinden erstmals ein SVP-Politiker zum Gemeindepräsidenten gewählt, als Nachfolger für den zurückgetretenen Franz Heer von der CVP. Das ist auch für das ganze Entlebuch ein Novum, welches sonst von der CVP dominiert wird (siehe Infotext unten). Bemerkenswert ist Dahindens Wahl auch deshalb, weil es in Doppleschwand noch keine SVP-Ortspartei gibt. Und: Obwohl der 39-Jährige erst seit knapp zweieinhalb Jahren im 800-Einwohner-Dorf wohnt, schaffte er den Sprung ins Präsidium ohne Probleme und Gegenkandidatur.

Überholt SVP die FDP im Entlebuch?

Am orangen Riesen führt im Entlebuch kein Weg vorbei. Gemeint ist nicht die Migros, sondern die CVP. Sie dominiert mit 23 von 41 Gemeinderatssitzen nach wie vor das Entlebuch. Doch dank des Sitzgewinns in Doppleschwand zieht die SVP mit 7 Sitzen mit der FDP gleich. Die Volkspartei könnte die Freisinnigen sogar noch überholen, sollte Ueli Lustenberger in Wolhusen im zweiten Wahlgang wiedergewählt werden und gleichzeitig FDP-Kandidat Fredi Bigler die Wahl verpassen. Für Stefan Dahinden, SVP-Präsident des Wahlkreises Entlebuch, ist klar: «Unser Ziel ist es, in jeder Entlebucher Gemeinde mindestens einen Sitz im Gemeinderat zu haben.» Weiterhin nicht vertreten ist die Volkspartei künftig in Escholzmatt-Marbach und Romoos. «Eine Vertretung im Gemeinderat ist wichtig, um näher an den Geschäften dran zu sein und die Gemeinde aktiv mitgestalten zu können.»

Trotz dieser aussergewöhnlichen Ausgangslage: Die Wahl Dahindens ist der logische Schritt in seiner politischen Karriere. So war er 2011 im Nachbardorf Wolhusen Mitbegründer der SVP-Ortspartei, setzte dort sogleich erfolgreich die Initiative zur Abschaffung der Gemeindeversammlung durch und präsidiert seit zwei Jahren die SVP im Wahlkreis Entlebuch.

Auch sein Vater ist Gemeinderat

Doch von vorne. Sein Interesse für Politik sei früh geweckt worden, erzählt der gebürtige Schüpfheimer: «Ich wurde schon im Elternhaus politisiert.» Seine Eltern stammten aus klassischen CVP-Haushalten. Für entsprechende Diskussionen habe gesorgt, als sein Vater Erwin für die SVP in den Grossen Rat – den heutigen Kantonsrat – und später in den Schüpfheimer Gemeinderat gewählt wurde, wo er noch bis im Sommer amtet. «Dass die SVP auch für mich die richtige Partei ist, merkte ich gleich bei der Gründungsversammlung in Schüpfheim 1999», erinnert sich Dahinden. Politisch aktiv wurde er in seiner Heimatgemeinde jedoch «nur» als Mitglied des Urnenbüros.

Erst in Wolhusen, wo er 15 Jahre lebte, trat er mit der Gründung der Ortspartei verstärkt ins Rampenlicht. Das Amt des dortigen Parteipräsidenten musste er wegen seines Wegzugs nach Doppleschwand allerdings «mit etwas Wehmut» aufgeben, wie der begeisterte Jasser und Golfspieler sagt. Doch er und seine Frau Annegreth seien an ihrem jetzigen Wohnort «sehr offenherzig» aufgenommen worden.

«Doppleschwand hat sehr viele Vereine, man spürt den tollen Zusammenhalt
im Dorf»

, sagt der Vater zweier Töchter im Alter von vier und knapp zwei Jahren. Trotz dieser Offenheit sei es nicht selbstverständlich, als «Neuer» gleich zum Gemeindepräsidenten gewählt zu werden, ist sich Dahinden bewusst. Den Entscheid für seine Kandidatur und das 20-Prozent-Pensum habe er im Vorfeld denn auch gründlich durchdacht. Erst als er die Zusicherung seiner Frau, seines Arbeitgebers und der örtlichen CVP und FDP erhielt, entschied er sich, zur Wahl anzutreten. Die Nomination erfolge schliesslich an einer überparteilichen Versammlung. «Für einige war es nicht leicht, das Gemeindepräsidium von der CVP zur SVP zu übergeben», sagt Dahinden rückblickend. «Doch ich habe auch viel Unterstützung erfahren.»

Vereine, Gewerbe und Zusammenarbeit fördern

Ohnehin sei für ihn in erster Linie wichtig, die Gemeinde weiterhin gut zu führen, sagt der gelernte Stromer, der sich zum technischen Kaufmann weiterbildete, diverse Kurse in Management, Personalführung und Verkauf absolvierte und nun bei der Telekommunikationsfirma Axians als schweizweiter Gesamtprojektleiter arbeitet. «Ich möchte das Vereinsleben aktiv fördern und weiterhin gut mit den anderen Gemeinden zusammenarbeiten», nennt er zwei seiner Ziele. Als Herausforderung sieht er das Bevölkerungswachstum: Doppleschwand soll in den nächsten fünf Jahren von knapp 800 auf rund 850 Einwohner wachsen. «Bei der Infrastruktur wie den Schulanlagen sind wir gut aufgestellt, auch etwas Bauland ist noch vorhanden.» Das Gleiche gelte für das Gewerbe:

«Wir haben eine guten Mix an Firmen im Dorf. Dazu müssen wir Sorge tragen.»

Dass er noch relativ neu in der Gemeinde ist, sei für seine künftigen Aufgaben nicht zwingend ein Nachteil, findet der passionierte Schütze, der Mitglied bei den Pistolenschützen Schüpfheim/Flühli sowie bei Pro Tell ist. «Klar kenne ich nicht alle im Dorf», sagt Dahinden, «aber das kann gerade ein Vorteil sein: Ich kann die Geschäfte viel offener angehen.» Dabei sei ihm eine gute Kommunikation wichtig. «Ich traue, hinzustehen und Neues anzugehen. Aber ich gehe nicht unüberlegt vor. Bevor ich mich für etwas entscheide, hole ich dazu andere Meinungen ein.»

Dabei möchte er sich künftig auch mit Vertretern seiner Partei absprechen können. Eine SVP-Ortspartei soll in Doppleschwand daher in absehbarer Zeit gegründet werden – nicht von ihm als designierten Gemeindepräsidenten, sondern «von der Basis aus».