«Zäme gäge Rassismus» – 1200 Menschen demonstrieren am Samstag in der Stadt Luzern

Am Samstagnachmittag demonstrierten in der Stadt Luzern rund 1200 Menschen gegen Rassismus. Ausgerüstet waren sie mit Schildern und Schutzmasken.

Text: Elena Oberholzer, Bilder: Dominik Wunderli
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Die Absperrung am Bahnhof Luzern. Nur 300 Personen durften in den Bereich unter dem Torbogen.

Die Absperrung am Bahnhof Luzern. Nur 300 Personen durften in den Bereich unter dem Torbogen.

13.45 Uhr auf dem Bahnhofsplatz in der Stadt Luzern: Ein rot-weisses Absperrband umzäunt den Bereich rund um den Torbogen. Grund dafür ist eine Demonstration der «Black Lives Matter»-Bewegung. Und Corona. Wer demonstrieren will, muss am Eingang zur abgesperrten Zone seinen Namen und eine Telefonnummer hinterlassen. Auch die Anzahl der Teilnehmenden ist beschränkt.

Seit Wochen gehen die Menschen weltweit auf die Strasse, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Sie erheben ihre Stimmen für George Floyd, welcher vor zirka zwei Wochen im US-Bundesstaat Minneapolis Opfer brutalster Polizeigewalt wurde. Am Samstag fanden auch in der Schweiz erneut zahlreiche Kundgebungen statt, darunter in Bern, Zürich und St. Gallen.

In der ganzen Schweiz fanden am Samstag Anti-Rassismus Demonstrationen statt.

In der ganzen Schweiz fanden am Samstag Anti-Rassismus Demonstrationen statt.

Corona hin oder her

13:55 Uhr. Immer mehr Menschen strömen auf den Luzerner Bahnhofsplatz und verschaffen sich im Tausch gegen ihre Kontaktdaten Zugang zum Bereich unter dem Torbogen. Eine junge Frau in oranger Weste gibt Desinfektionsmittel aus, ein Mann verteilt Schutzmasken.

Die Teilnehmenden mussten Name und Telefonnummer hinterlassen.

Die Teilnehmenden mussten Name und Telefonnummer hinterlassen.

Organisiert wurde die Demonstration von der Gruppierung RESolut, dem eritreischen Medienbund und weiteren Einzelpersonen. Um die Bewilligung für die Kundgebung zu erhalten, mussten sie der Stadt ein Corona-Schutzkonzept vorlegen. In einer solchen Zeit eine Demonstration zu planen, sei zwar anders gewesen, jedoch nicht unmöglich, erzählt Natalie Messerli, eine der Organisatorinnen. «Wir wussten, dass die Sicherheit der Teilnehmenden gewährleistet sein musste. Die Gesundheit stand für uns an erster Stelle.»

14:10 Uhr. Die 300-Marke scheint erreicht, es werden keine Menschen mehr in den abgesperrten Bereich gelassen. Eine junge Frau erklärt auf Englisch, man solle doch am Bundesplatz warten und sich erst da der Demonstration anschliessen.

Über 1200 Demonstrierende

14:40: Das Absperrband fällt und die Demonstrierenden setzen sich in Bewegung. Fast alle tragen Masken, der Zwei-Meter-Abstand wird nicht eingehalten.

Fast alle Demonstrierenden waren mit Schildern und Schutzmasken ausgerüstet.

Fast alle Demonstrierenden waren mit Schildern und Schutzmasken ausgerüstet.

Der Umzug führte vom Bundesplatz durch die Luzerner Neustadt bis zum Franziskanerplatz und zurück zum Bahnhof. Die vorgegebene Route sei eingehalten worden, sagt die Luzerner Polizei auf Anfrage dieser Zeitung.

Wie die Organisatoren in einer Mitteilung schreiben, hätten sich im Laufe des Umzugs immer mehr Menschen den Demonstrierenden angeschlossen. Nach Angaben der Luzerner Polizei zählte die Kundgebung schlussendlich rund 1200 Demonstrierende.

Viele beobachteten den Umzug vom Strassenrand aus und schlossen sich dann ebenfalls an.

Viele beobachteten den Umzug vom Strassenrand aus und schlossen sich dann ebenfalls an.

«Wir waren sehr überrascht, wie viele Menschen an der Kundgebung teilnehmen wollten», erzählt Natalie Messerli. Es sei wunderschön gewesen.

Laut der Luzerner Polizei ist die Demonstration trotz Überschreitung der Teilnehmerzahl friedlich und ohne Probleme verlaufen. Sachbeschädigungen seien zu diesem Zeitpunkt keine bekannt.

Laut der Luzerner Polizei ist die Demonstration friedlich und ohne Probleme verlaufen.

Laut der Luzerner Polizei ist die Demonstration friedlich und ohne Probleme verlaufen.

Auch in der Schweiz ist Rassismus Alltag

Mit der Demonstration wollten die Organisatoren nicht nur ihre Solidarität mit den weltweiten Protesten bekunden, sondern auch auf Missstände in der Schweiz aufmerksam machen. Racial Profiling, Nachteile auf dem Wohn- und Arbeitsmarkt, Polizeigewalt und Alltagsrassismus wurden thematisiert.

Beim Helvetiagärtli erzählt eine junge, schwarze Frau von ihren Erfahrungen mit Rassismus. Oft bekomme sie zu hören: «Aber gell, ide Schwiz isch Rassimus keis Problem?» In solchen Situationen wisse sie gar nicht, was sie antworten soll. Rassismus sei Teil ihres Alltags, ruft sie ins Mikrofon.

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