Organspende: Zentralschweizer registrieren sich zurückhaltend – Zahl der Luzerner Einträge hat sich dennoch verdoppelt

Zentralschweizer sind zurückhaltend, sich im Organspende-Register einzutragen. Die Einträge liegen national unter der Erwartung. Trotz der tiefen Zahl: Die Zunahme im Kanton Luzern war grösser als im Schweizer Schnitt. Die Zahl der Einträge hat sich mehr als verdoppelt.

Roseline Troxler
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Das Gefäss mit dem Spenderherz wird im Operationssaal aus der Kühltruhe genommen. (Bild: Gaetan Bally/Kestone)

Das Gefäss mit dem Spenderherz wird im Operationssaal aus der Kühltruhe genommen. (Bild: Gaetan Bally/Kestone)

Wer auf ein Spenderorgan wartet, muss in der Schweiz meist Monate bis mehrere Jahre bangen. Vergangenes Jahr befanden sich 1412 Patienten auf einer Warteliste. Dies sind zwar etwas weniger als im Vorjahr. Doch für viele Menschen in der Schweiz kommt die Hilfe immer noch zu spät. 2018 sind 76 Personen auf der Warteliste verstorben.

In der Schweiz sind im europäischen Vergleich immer noch wenige Personen bereit, ihren Willen in dieser Angelegenheit zu äussern. Ein nationales Organspenderegister, bei welchem man seinen Willen online eintragen kann, soll Abhilfe schaffen. Das Register existiert seit gut einem Jahr – und es zeigt sich: Die Zahl der Registrierten ist angestiegen. Lag sie drei Monate nach der Einführung des Registers noch bei 42'000 Personen, sind inzwischen rund 69'500 Personen eingetragen.

Ziel: Weniger Personen auf der Warteliste

Das Ziel der Stiftung Swisstransplant, die das Register lanciert hat, ist die Verkürzung der Warteliste. Dafür hoffte man, bis Ende des letzten Jahres 100'000 Personen registriert zu haben. Dieses Ziel wurde verfehlt, und noch immer hat man die Schwelle nicht erreicht. Franz Immer, Direktor von Swisstransplant, meint:

«Wir mussten feststellen, dass das Hochladen der Dokumente sowie das Ausdrucken dazu geführt hat, dass zahlreiche Menschen den Eintrag abgebrochen haben.»

Auch auf dem Postweg sei vielen der Aufwand wohl zu gross gewesen, das Antwortcouvert zur Post zu bringen. Seit einer Vereinfachung der Registrierung vor zwei Monaten seien die Einträge angestiegen.

Ein Eintrag auf der Liste ist nicht gleichzusetzen mit einem Ja zur Organspende. Man kann angeben, ob man bereit ist, seine Organe zu spenden oder nicht. Bei einem Ja zur Organspende kann man ausserdem vermerken, welche Organe man spenden würde. Zusätzlich besteht noch die Option, den Entscheid einer Vertrauensperson zu überlassen. Im Kanton Luzern sind 82 Prozent der Registrierten bereit, alle Organe zu spenden, 10 Prozent einen Teil, 7 Prozent sind gegen die Entnahme ihrer Organe und 1 Prozent überlässt den Entscheid einer Vertrauensperson.

Insgesamt sind Deutschweizer deutlich zurückhaltender mit einer Registrierung im nationalen Spendenregister als die welsche Bevölkerung.

Zentralschweizer haben mit Einträgen zugelegt

Noch geringer ist die Zahl der Zentralschweizer. Bisher haben sich 3367 Luzerner eingetragen – 1883 Luzernerinnen und 1484 Luzerner. Im Kanton Schwyz sind es 1088 Personen, gefolgt von Zug mit 954, Nidwalden mit 331, Obwalden mit 266 und Uri mit 264 Personen. Trotz der tiefen Zahl: Die Zunahme im Kanton Luzern war grösser als im Schweizer Schnitt. So hat sich die Zahl der Einträge seit letztem Jahr mehr als verdoppelt. Dennoch liegt die Zahl der Registrierten immer noch bei unter einem Prozent. Das muss allerdings nicht bedeuten, dass dann tatsächlich weniger Personen spenden. Franz Immer sagt:

«Das Luzerner Kantonsspital meldet regelmässig Organspender. Die Bereitschaft zu spenden, wenn die Frage im Raum steht, ist durchaus vergleichbar mit dem Rest der Schweiz.»

Auffallend ist des Weiteren, dass der Anteil der Frauen bei den Registrationen in der Zentralschweiz höher ist als jener der Männer. Dies sei eine generelle Beobachtung. Der Anteil der Frauen, die sich eintragen, liegt insgesamt bei knapp 60 Prozent, jener der Männer bei rund 40 Prozent. «Frauen scheinen eher bereit zu sein, das Thema anzusprechen, den Entscheid zu fällen und festzuhalten. Männer tun sich da eher schwer», sagt Immer, betont aber: «60 Prozent der Spender sind Männer. Dies entspricht dem Verhältnis der Todesfälle auf Schweizer Intensivstationen.»

Bisher wurden laut Franz Immer drei Spender gefunden, welche ihren Entscheid zuvor im Register festgehalten hatten. Im Jahr 2018 gab es insgesamt 158 Verstorbene, die ihre Organe spendeten. 120 Personen kamen als Lebendspender zum Einsatz.

Initiative will Wechsel zur Widerspruchslösung

Die Organspende beschäftigt auch die Politik. Heute dürfen einer Person nur Organe entnommen werden, wenn diese zu Lebzeiten das Einverständnis dazu gegeben hat. Dieses System wird als Zustimmungslösung bezeichnet. In vielen anderen Ländern hingegen gilt die Widerspruchslösung. Damit wird das Schweigen als Zustimmung gewertet.

Im März 2019 wurde eine Volksinitiative eingereicht. Sie strebt den Wechsel zur Widerspruchslösung an. Der Bundesrat erarbeitete einen Gegenvorschlag dazu. Ziel ist es dabei, die Angehörigen stärker miteinzubeziehen, wie es beim Bundesamt für Gesundheit heisst. Wenn der Wille einer Person nicht festgehalten wurde, sollen die Angehörigen weiterhin befragt werden. Sie können einer Entnahme widersprechen, wenn dies dem mutmasslichen Willen des Verstorbenen entspricht.

Die Vernehmlassung läuft bis am 13. Dezember. Der Bundesrat will bis im Herbst 2020 die Botschaft ans Parlament überweisen. Franz Immer ist überzeugt: «Die Diskussion in den Medien aufgrund der Initiative führt sicherlich dazu, dass das Thema aktueller ist denn je, und sich so zusätzliche Menschen registrieren werden.»

Hinweis
Weitere Infos unter: www.swisstransplant.org