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ZAHNÄRZTE: Pfuscher sind schwer zu überführen

Die Fälle von pfuschenden Zahnärzten häufen sich. Einigen verbietet der Kanton, weiterzuarbeiten. Über Pfuscher tauschen sich die Kantone aber kaum aus.
Niels Jost
Wer in der Schweiz als Zahnarzt Hand anlegen will, muss ein eidgenössisches oder ein vom Bund anerkanntes ausländisches Diplom vorweisen. Auch ein Strafregisterauszug wird verlangt. (Symbolbild Keystone/Laurent Gillieron)

Wer in der Schweiz als Zahnarzt Hand anlegen will, muss ein eidgenössisches oder ein vom Bund anerkanntes ausländisches Diplom vorweisen. Auch ein Strafregisterauszug wird verlangt. (Symbolbild Keystone/Laurent Gillieron)

Niels Jost

Die Zahlen lassen aufhorchen: Rund 200 Beanstandungen über schlechte Zahnbehandlungen hat die Patientenstelle Zentralschweiz im laufenden Jahr bearbeitet. So viele wie noch nie. 2014 waren es noch 56. In den schlimmsten Fällen beträgt die Schadenssumme mehrere zehntausend Franken (siehe Box, Ausgabe vom 14. Dezember).

Auffallend ist, dass Fehlbehandlungen vor allem von ausländischen Zahnärzten verursacht werden. Ein Grund sind die Anforderungen in der Ausbildung. So muss ein Student einer Schweizer Universität rund 9000 Ausbildungsstunden durchlaufen, in anderen europäischen Ländern genügen bereits 5000, rechnet der Luzerner Kantonszahnarzt Peter Suter vor. Auch der praktische Teil der Ausbildung stehe oft im Hintergrund. «Es ist durchaus möglich, dass etwa ein ausgebildeter rumänischer Zahnarzt kaum je einen Patienten gesehen hat, wenn er zu arbeiten beginnt», so Suter. «Der Ausbildungsstandard in den europäischen Ländern zeigt Unterschiede, dass aber ausländische Zahnärzte über eine schlechtere Ausbildung verfügen, kann so nicht generell gesagt werden.»

Zweitmeinung einholen

Das Problem zu lösen, sei allerdings schwer. Suter: «Qualitätsunterschiede lassen sich nicht per Gesetz eliminieren. Es kann deshalb nur an die Urteilsfähigkeit und an die Selbstverantwortung des Patienten appelliert werden.» So lohne es sich, einer vorgeschlagenen Behandlung oder einem Kostenvoranschlag durchaus kritisch gegenüberzustehen. Auch eine Zweitmeinung einzuholen, könne allfällige Fehlbehandlungen vorbeugen, so Suter. «Kritisch sollte man immer bei grossen Werbeversprechen und besonders günstig scheinenden Behandlungen sein.»

Fehlbehandlungen vorzubeugen ist auch das Ziel der Kantone und des Bundes. Eine Massnahme ist etwa, die Zahnärzte beim Berufseintritt genau zu prüfen. Will ein Zahnarzt mit einem ausländischen Uniabschluss in der Schweiz arbeiten, muss der Bund das Diplom zunächst anerkennen. Letztes Jahr tat er dies bei rund 480 ausländischen Zahnärzten – im Schnitt der letzten zehn Jahre waren es jährlich bloss 333. Die Zunahme ist auf die Attraktivität der Schweiz als Arbeitsort zurückzuführen. Am meisten Gesuche kamen aus Italien, Deutschland, Frankreich, Portugal und Rumänien.

Damit ein Zahnarzt hierzulande praktizieren darf, braucht es zudem die Bewilligung des Kantons. «Ein Zahnarzt wird bei einem Gesuch für eine Berufsausübungsbewilligung auf die fachlichen und persönlichen Voraussetzungen geprüft», sagt Alexander Duss, Leiter Rechtsdienst der kantonalen Dienststelle Gesundheit und Sport. Für Letzteres wird in erster Linie ein Strafregisterauszug verlangt. Zudem kann der Kanton den Nachweis verlangen, dass ein Zahnarzt aus gesundheitlichen Gründen für den Beruf in der Lage ist.

Kantone tauschen sich nicht aus

Pikant: Über Zahnärzte, die bereits wegen Fehlbehandlungen aufgefallen sind, dürfen sich die Kantone wegen des Datenschutzes nicht aktiv austauschen. Jeder Kanton muss die Gesuchsteller selber richtig prüfen – und allfällige Pfuscher frühzeitig erkennen. Alle in der Schweiz tätigen Zahnärzte sind dafür im Medizinalberuferegister des Bundes erfasst. Dieses ist im Internet abrufbar. Darin ist festgehalten, ob ein Zahnarzt bereits in einem anderen Kanton tätig war – und ob ihm dort die Bewilligung entzogen wurde. «Stellen wir bei der Prüfung fest, dass einem Zahnarzt in einem anderen Kanton die Berufsausübungsbewilligung entzogen wurde, läuten die Alarmglocken», so Duss. Der Zahnarzt müsse dann etwa eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des entsprechenden Kantons vorweisen können, um für eine Bewilligung in Frage zu kommen.

«Nur bei groben Verstössen»

Der Kanton geht auch selber aktiv gegen Pfuscher vor. Jährlich entzieht er zwei bis drei Zahnärzten die Berufsausübungsbewilligung. «Das ist jeweils ein grober Einschnitt in die Existenzgrundlage der Betroffenen. Jemandem die Arbeit zu verbieten, können wir deshalb nur bei groben und mehrmaligen Verstössen gegen die Berufspflichten, wie etwa Fehlbehandlungen», sagt Duss. Zu den Berufspflichten der Zahnärzte gehört etwa, eine Haftpflichtversicherung abzuschliessen.

«Zahlt ein Zahnarzt seine Prämien für die Haftpflichtversicherung nicht und verursacht er mit einer Behandlung Schäden, kommt keine Versicherung dafür auf.» Die geschädigten Patienten müssen die Fehlbehandlung selber berappen, wenn der Zahnarzt nicht selber für den Schaden aufkommen kann. Das führt zu Deckungslücken. Deshalb muss der Zahnarzt mit einer Busse oder im Extremfall gar mit einem Entzug seiner Berufsausübungsbewilligung rechnen.

Versicherung: Keine Meldepflicht

Solche Deckungslücken entstehen, weil Versicherungen dem Kanton nicht melden müssen, dass ein Zahnarzt seine Prämien nicht bezahlt hat. Der Kanton kann erst im Nachhinein feststellen, dass ein Zahnarzt nicht mehr genügend abgesichert war.

Das Problem mit der Meldepflicht der Versicherungen kann der Kanton nicht lösen. «Diese Angelegenheit ist vom Bund zu regeln», so Duss. Der Bund wiederum schiebt den Ball dem Kanton zu. Denn der Abschluss einer Haftpflichtversicherung ist eine Berufspflicht für alle Zahnärzte, und es sei somit Aufgabe der Kantone, deren Einhaltung zu überprüfen.

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