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Zehn Kantone schliessen ihre Zentren für minderjährige Asylsuchende - das sorgt für Kritik

Weil weniger unbegleitete minderjährige Asylsuchende kommen, schliessen nach und nach entsprechende Zentren. Das habe negative Auswirkungen auf die Betreuung der Kinder und Jugendlichen, schreibt die Allianz für die Rechte der Migrationskinder.
Yasmin Kunz
Während viele Kantone die Zentren für minderjährige Asylsuchende schliessen, bleibt das Durchgangszentrum Grosshof in Kriens weiter bestehen. (Bild: Nadia Schärli, 24. November 2017)

Während viele Kantone die Zentren für minderjährige Asylsuchende schliessen, bleibt das Durchgangszentrum Grosshof in Kriens weiter bestehen. (Bild: Nadia Schärli, 24. November 2017)

Innerhalb weniger Monate sind in zehn Kantonen Schliessungen von Unterkünften für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (MNA) geschlossen worden. Grund dafür sind weniger Neuankömmlinge. Dies teilt der Internationale Sozialdienst Schweiz am Donnerstag mit.

Zu den zehn Kantonen gehört unter anderem der Kanton Schwyz. Dieser hat das Zentrum Anfang dieses Monats geschlossen (Artikel vom 5. Juli 2018). 20 MNA wechselten ins Asylzentrum Biberhof, zwei sind Pflegefamilien untergebracht. Die Allianz für Rechte der Migrantenkinder begrüsst solche Schliessungen nicht, weil sie mit einem Abbau der Betreuungsintensität einhergehen würden (siehe Kasten). In den meisten Fällen werden die Jugendlichen bei einer Schliessung in Asylzentren für Erwachsene untergebracht.

Im Kanton Luzern ist dies noch nicht der Fall. Dort werden die MNA weiterhin im Durchgangszentrum Grosshof in Kriens untergebracht und betreut, wie eine Anfrage bei der Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) zeigt. Der Grosshof wird längerfristig - bis 2027 - genutzt, heisst es auf Anfrage. «Aufgrund der sinkenden MNA-Zahlen war bei der Belegung eine Neuausrichtung notwendig. Seit August 2018 werden dort auch Familien in separaten Wohnungen untergebracht.» Das sagt Simon Gerber, stellvertretender Dienststellenleiter. Aktuell sind 85 Personen im Grosshof untergebracht.

400 Asylsuchenden weniger als im Vorjahr

Nicht nur die Zahl der MNA ist rückläufig, generell beantragen weniger Personen Asyl in der Schweiz. Gemäss Bundesamt für Migration (SEM) wurden im dritten Quartal 2018 in der Schweiz 3664 Asylgesuche eingereicht. Das entspricht einem Rückgang von 23,6 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Diese Entwicklung schlägt sich auch im Kanton Luzern nieder: Waren es im September 2017 noch 1433 Asylbewerber, zählt die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen per Ende September 2018 rund 400 Asylsuchende weniger. Aufgrund dieses Rückgang muss die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen (DAF) des Kantons Luzern Stellen abbauen, wie die zuständige Behörde auf Anfrage unserer Zeitung sagt.

Drei Zentren – Hirschpark Luzern, Chäsi Oberkirch, und Löwen Ebikon - werden per Ende des laufenden Jahres geschlossen. Dadurch werden 14,2 Vollzeitstellen gestrichen. Betroffen sind 19 von 210 Mitarbeitende.

Die Arbeit im Sozialdienst nimmt zu

Simon Gerber sagt: «Mit den sinkenden Asylzahlen mussten die Unterbringungsstrukturen der aktuellen Situation angepasst werden.» Am unmittelbarsten betroffen seien Mitarbeitende in den Zentren. Also jene Personen, die für die Betreuung der Asylsuchenden zuständig sind. Die betroffenen Personen würden mittels Coaching bei der Suche nach einer Anschlusslösung betreut, sagt Gerber.

Die aktuelle Lage hat auch Auswirkungen auf die finanzielle Situation. Der Nettoaufwand im Asyl- und Flüchtlingswesen betrug im Jahr 2016 21,7 Millionen Franken, 2017 waren es 20 Millionen. «Gemäss aktuellen Hochrechnungen werden es im laufenden Jahr 17,4 Millionen Franken sein», sagt Gerber und fügt an: «Während die Zahlen der Asylsuchenden rückläufig ist, nimmt die Zahl der Personen mit Schutzgewährungsquote zu, wodurch im Sozialdienst ein entsprechendes Wachstum zu verzeichnen ist.»

Zentrum in Geuensee schliesst im Sommer 2019

Die Situation dürfte sich so schnell nicht ändern. Das Staatssekretariat für Migration erwartet keine grösseren Anstürme von Asylsuchenden. So geht auch die DAF, unter Berufung auf das SEM, davon aus, dass sich die Situation in den nächsten Jahren ähnlich präsentieren wird. Nach der Schliessungen der drei eingangs erwähnten Zentren wird im Sommer 2019 das Asylzentrum Geuensee voraussichtlich und planmässig schliessen, wie Gerber sagt.

Den Höchststand betreffend Asylbewerber im Kanton Luzern wurde vor zwei Jahren erreicht. Damals zählte die DAF durchschnittlich 1802 Personen im Asylprozess. Das erforderte einen Personalbestand von 139.7 Vollzeitstellen. Aktuell verfügt der Kanton Luzern über 825 Plätze für Asylsuchende. Mit der Schliessung der drei Zentren entfallen total 230 Plätze. Ab Januar 2019 verfügt der Kanton also noch über 595 Unterbringungsplätze in sechs Zentren.

Allianz sorgt sich um Minderjährige

Besorgt über die Entwicklung ist die die Allianz für die Rechte der Migrantenkinder, kurz ADEM. Sie schreiben in einer heute veröffentlichten Stellungnahme: «Die Schliessung von MNA-Unterkünften führt teilweise zur Unterbringung von Minderjährigen in Asylzentren für Erwachsene. Diese Unterbringungsform wird dem Kindeswohl nicht gerecht.» Es käme so zu häufigen Verschiebungen der minderjährigen Asylsuchenden von einem Unterbringungsort zum nächsten. «Betreuungskontinuität wird verunmöglicht und es s kommt zu häufigen Wechsel der Schulen und Freizeitangeboten.» Diese Instabilität würdet das Kindeswohl stark beeinträchtigen. (kuy)

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