ZEITUNG IN DER SCHULE: Das schreibende Klassenzimmer

645 Schüler machen beim Projekt «Zeitung in der Schule» mit. Ein Besuch in der Schule Meggen, der für Schüler und Journalisten gleichermassen eine lehrreiche Begegnung ist.

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Urs-Ueli Schorno, Reporter der LZ, erläutert den Fünftklässlern die Struktur der Zeitung. (Bild: Pius Amrein (Meggen, 10. Februar 2017))

Urs-Ueli Schorno, Reporter der LZ, erläutert den Fünftklässlern die Struktur der Zeitung. (Bild: Pius Amrein (Meggen, 10. Februar 2017))

Zurück in der Schule. Der Gong ist etwas subtiler als die schrille Glocke von 1993. Zumindest ist sie in der Erinnerung des Journalisten lauter. Einiges im Klassenzimmer ist seltsam vertraut. Die Wandtafel gibt es noch, immerhin, sie wurde noch nicht durch einen riesigen Touchscreen ersetzt. Die Pulte, auch sie sind «alte Schule», mit dem typischen, aufklappbaren Deckel, wo man drunter die Bücher verstaut. Und ja, Bücher, auch sie scheinen noch nicht ganz aus der Mode gekommen zu sein. Doch in der Ecke schon zu erspähen sind die Notebooks – also doch! Die Schule von 2017 ist nicht mehr ganz dieselbe wie das erinnerte Klassenzimmer von damals.

Nach einem kurzen Anflug von Nostalgie zurück in die Gegenwart, wo der Journalist zu Besuch ist bei der Klasse von ­Simon Meerstetter in Meggen. Zu den besagten Notebooks greifen die Fünftklässler dann später.

Der Tag beginnt wie derjenige des Journalisten: Mit dem ­Lesen der Zeitung nämlich. Nachdem die druckfrische Ausgabe verteilt ist, knistert es, Seiten werden gedreht – oder gleich die ganze Zeitung. Denn, so stellt sich heraus, die letzte Seite, die «Schauplatz» heisst, ist bei den Jungen hoch im Kurs. «Auch das noch!», die Rubrik, mit den herausgepickten Kuriositäten und Merkwürdigkeiten, ist dabei der liebste Lesestoff der Schüler – noch lieber wird allerdings der «Rabenau»-Comic angeschaut. Und: «Meistens hat es ein interessantes Bild auf dieser Seite», ergänzt ein Schüler. Die Schüler sind sich denn auch einig, dass gute Bilder mindestens so ­wichtig sind wie interessante Texte. Der schreibende Journalist nimmts zur Kenntnis.

Schnell wird klar, dass der Gusto der Schüler in Sachen Themen ganz unterschiedlich ist. Denn «Sport» mögen zwar viele, aber längst nicht alle. Lokale Politik und Wirtschaft scheinen eher zu langweilen – dann doch eher gleich der Herr Trump oder aktuelle Videospiele.

Der Schulbesuch an diesem Tag sollte aber nicht mit dem Lesen der Zeitung enden. Die Schüler wollen selbst aktiv werden. So hat die Klasse 5b von Lehrer Simon Meerstetter die Schoggifabrik Aeschbach Chocolatier in Root besucht. Die Eindrücke wollen die jungen Journalisten nun in einem Bericht festhalten. Die Reporter-Gruppe, bestehend aus vier Schülern, hat sich die Auf­gaben aufgeteilt.

Genügend Informationen gesammelt

Das macht die Arbeit beim Schulbesuch für den Journalisten schon mal einfacher – auf den Notizblättern stehen viele Dinge, die aus dem Rundgang in der Fabrik, aus dem Internet oder von den Infotafeln vor Ort zusammengetragen worden sind. «Wo der Kakao herkommt», soll erklärt werden. Und: «Wie wird daraus Schoggi?»

Der Reporter gibt Tipps. Zunächst gilt es etwa, die Frage zu klären, ob «wir» und «ich» beim Schreiben von Zeitungstexten erwünscht sind. Eher nicht, denn der Schreibstil soll ja berichtend sein. Nicht: «Ich habe die Schoggifabrik besucht», sondern: ­«Die Klasse 5b aus Meggen war zu ­Besuch in der Schoggifabrik». «Dann schreibe ich gleich meine Notizen auf», sagt der Jung­reporter und lässt die Tasten seines Notebooks klicken. Nicht alle legen gleich los. Die Schülerin, die sich den verschiedenen degustierten Pralinen, Täfeli und Schoggiarten widmet, hadert noch etwas mit dem Texteinstieg. «Wenn ich den mal habe, dann geht es schnell», sagt sie. Doch dieser erste Satz, er soll ­sitzen. Schliesslich nützt die schönste Reportage nichts, wenn der Leser gelangweilt nach dem ersten Satz umblättert.

Auf diesen Einstieg warte ich – pardon: wartet der Journalist – gespannt, sobald die fertige Reportage aus Meggen den Weg in die Redaktion nach Luzern schafft. Auch andere Klassen feilen dieser Tage an ihren Sätzen, um den Besuch im Altersheim oder der Kantonsschule treffend zu beschreiben. Dabei scheuen sie auch nicht davor zurück, währschafte journalistische Kost zu versuchen: wie eine Reportage zum neuen Schulhaus in Meggen, das gleich vor den Augen der Schüler entsteht. Einige dieser Berichte werden es in diese Zeitung schaffen. Was jetzt schon feststeht: Der Schulbesuch des Journalisten – er ist für beide Seiten gleichermassen lehrreich.

 

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch