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ZENTRAL- UND HOCHSCHULBIBLIOTHEK: ZHB-Direktor: «Es ist für uns lebenswichtig, dass dieses Budget kommt»

Der neue ZHB-Direktor heisst Rudolf Mumenthaler. Der 55-Jährige über seinen Start in einem schwierigen Umfeld – und wie er sich die Bibliothek nach dem budgetlosen Zustand vorstellt.
Urs-Ueli Schorno
Rudolf Mumenthaler vor der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 4. August 2017))

Rudolf Mumenthaler vor der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 4. August 2017))

Interview: Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Rudolf Mumenthaler, Sie sind erst ein paar Tage im Amt. Wie leben Sie sich als neuer Direktor der Zentral- und Hochschulbibliothek ein?

Ich befinde mich in der Kennenlernphase. Das entspricht auch meinen Vorstellungen: Ich weiss, dass diese Bibliothek gut aufgestellt ist. Wir haben ein tolles Team, unsere etwa 100 Mitarbeiter. Zunächst werde ich mit ihnen sprechen und herausfinden, welche Themen aktuell sind und wo der Schuh drückt. In einem nächsten Schritt werden wir beginnen, Prioritäten zu setzen und unsere Strategie neu zu entwickeln. Und dann folgt schon die Umsetzung der geforderten massiven Kürzungen.

Als Sie sich für den Job entschieden haben – was hat Sie da gereizt?

Ich war als Professor in Chur etwas mehr als fünf Jahre in der Theorie tätig und habe vermittelt, wie man es machen sollte – ich habe mich vor allem mit der Entwicklung von Bibliotheken beschäftigt. Hier habe ich nun die Chance, dieses Wissen umzusetzen und dabei selbst Verantwortung zu tragen. Gleichzeitig möchte ich herausfinden, was überhaupt möglich ist, wie wir unseren Kunden die beste Dienstleistung anbieten können. In der Realität sieht es ja oft anders aus. Die Rahmenbedingungen sind gesetzt.

Diese Rahmenbedingungen sind hier nicht einfach. Ohne Budget verzögert sich die lange ersehnte Sanierung. Bücher können nicht angeschafft werden. Ihr Vorgänger, Ulrich Niederer, sagte mal gegenüber unserer Zeitung: «Wir haben inzwischen Übung mit Fatalismus.» War es eine Anstellungsbedingung, dass Sie Fatalist sind?

Das bin ich nicht, mir gefällt eher die Bezeichnung pragmatischer Optimist. Es ist inzwischen auch eine Grenze erreicht bei der Fähigkeit des Personals, mit diesem Zustand umzugehen. Es ist in der Tat frustrierend. Aber man hat im Haus einen Weg gefunden, zumindest vorübergehend damit umzugehen. Dieser besteht darin, nicht zu jammern, sondern das Beste daraus zu machen.

Wie äussert sich das konkret?

Zum Teil mit leicht provokativen Aktionen, etwa mit Hinweisen an unsere Besucher zu Büchern, die wir wegen des budgetlosen Zustands nicht kaufen können. So kann man den Frust etwas ablassen. Aber auf Dauer, ich kann es nicht anders sagen, ist es eine Katastrophe. Doch dieser kleine, subversive Widerstand muss bleiben, sonst hält man es fast nicht aus. Man muss auch darüber lachen können, auch wenn einem nicht danach ist.

Woran zeigt sich, dass das Frustpotenzial langsam ausgereizt ist?

An Kündigungen, ganz konkret. Die Mitarbeiter versuchen ja, alles aufzufangen, damit die Kunden möglichst nichts merken. Ausser bei den Büchern, die wir nicht anschaffen können – das lassen wir die Kunden auch wissen. Dadurch, dass der Endnutzer nicht leiden soll, fangen die Mitarbeiter aber viel mehr auf, das ist auf Dauer ungesund. Es ist auch für die Institution nicht gut – wir wollen vorwärts arbeiten, uns weiterentwickeln, wir wollen neue Dienstleistungen kreieren und attraktiv bleiben. Eine Bibliothek, die sich nicht weiterentwickelt, kann ihren Auftrag nicht erfüllen.

Drei Lesetipps für Sparpolitiker

Wir haben Rudolf Mumenthaler gefragt, welche drei Bücher er Politikern zum Thema Budget und Sparen empfiehlt. Hier seine Vorschläge:

Erwarten Sie mehr! Verlangen Sie bessere Bibliotheken für eine komplexer gewordene Welt von David Lankes, 2017. Das Buch konnte wegen des budgetlosen Zustands leider noch nicht angeschafft werden. Es richtet sich an Träger von Bibliotheken und zeigt den Mehrwert und die wichtigen Aufgaben von Bibliotheken für die Gesellschaft auf.

Praxishandbuch Bibliotheksbau: Planung – Gestaltung – Betrieb von Petra Hauke und Klaus Ulrich Werner, 2016. «Es enthält einen Beitrag meines Vorgängers Ulrich Niederer», sagt Rudolf Mumen­thaler. Das Buch zeige die Bedeutung des Bibliotheksbaus und die neuen Funktionen von Bibliotheken auf. «Falls jemand zweifelt, ­ ob es noch Bibliotheksbauten braucht.»

Planung und Budgetierung: Was wirklich funktioniert von Robert Rieg; 2015. So als Grundlage. Mumenthaler: «Wir haben viel Literatur, vom Ratgeber bis zu Handbüchern, die gute Grundlagen für politische Entscheidungen liefern.» (uus)

Irgendwann, bevor Sie den Job angenommen haben, mussten Sie wahrscheinlich auch mal tief Luft holen und zu sich selber sagen: Ich mach’s trotzdem.

Es gab solche Momente, klar. Man wird natürlich auch ständig von aussen darauf angesprochen. Von Arbeitskollegen am alten Ort bis zu Kollegen von anderen Bibliotheken, die sagen: «Da hast du dir was Schönes angetan.»

Was antworten Sie darauf?

Was ich auch Ihnen sage: Mit meiner Zusage habe ich ein Commitment abgegeben, für dieses Haus und für diese Mitarbeitenden. Wir sitzen jetzt im selben Boot und ziehen das gemeinsam durch. Deshalb springe ich nicht ab, bevor ich überhaupt begonnen habe. Ich will ja Verantwortung übernehmen, und es ist klar, dass das nicht immer nur lustig ist. Aber man kann es auch anders sehen: Ich beliebe bei Kollegen zu scherzen, dass wenn alles schon abgeschlossen wäre, alles nur schlechter werden könnte. So ist aber noch Luft nach oben.

Sie strahlen eine gewisse Zuversicht aus. Mit welchen Szenarien blicken Sie dem Herbst entgegen, wenn über das Budget des Kantons erneut beraten wird?

Das ist nicht planbar. Für uns ist es lebenswichtig, dass dieses Budget kommt. Für uns ist es genauso wichtig, dass der Umbau kommt – seit fast 40 Jahren spricht man davon. Wenn nicht, dann stünden wir vor dem sprichwörtlichen Scherbenhaufen. Aber jetzt schon zu planen, dafür verschwenden wir keine Energie. Das Budget betrifft sowohl den Betrieb, den wir endlich wieder mit unseren professionellen Ansprüchen führen möchten, als auch die Sanierung.

Sie sind zum Warten verdammt ...

Die Kisten sind parat zum Zügeln. Schon vor einem Jahr hätten wir loslegen können.

Wenn das Budget steht, geht es also schnell?

Ja, es muss noch in diesem Jahr losgehen. Vielleicht schon im November. Wie gesagt: Es ist alles parat. Wir werden die Sanierung nicht verzögern. Auch wenn es schwierig sein wird für die Mitarbeiter, sich wieder zu motivieren. Das Projekt hat natürlich jetzt schon Verspätung. Es dauert vermutlich bis mindestens Ende 2019, bis das renovierte Gebäude wieder bezogen werden kann.

Wie würden Sie die ZHB gerne in fünf Jahren aufgestellt sehen?

Ich denke, wir haben dann eine schick sanierte Bibliothek, welche die Leute sich ansehen wollen und in der sie sich wohlfühlen. Ein Haus, das lebt. Wir bieten den Hochschulen attraktive und moderne Dienstleistungen und unterstützen sie in Lehre und Forschung. Wir werden wahrgenommen mit all unseren kulturellen Schätzen, die zu diesem Kanton gehören. Dann werden hoffentlich auch die Politiker gemeinsam mit ihren Gästen hierherkommen und ihnen dieses schöne Gebäude, diese tolle Institution zeigen. Wir sind dann nicht mehr das Symbol für einen Kanton Luzern ohne Budget, sondern für einen Kanton, der sinnvoll in Bildung und Kultur investiert.

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