Zentralbahn will Nadelöhr beim Bahnhof Luzern beseitigen

Bis Ende 2021 soll die Luzerner Bahnhofzufahrt der Zentralbahn auf Doppelspur ausgebaut werden. Damit wird nicht nur die Kapazität erhöht, sondern auch Platz für den Tiefbahnhof geschaffen. Dieser wird der Zentralbahn ab 2028 noch eine grössere Rochade abverlangen.

Robert Knobel
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Es war ein Quantensprung für den öffentlichen Verkehr in Luzern: 2013 wurde die alte Zentralbahn-Strecke mitten durch die Stadt Luzern stillgelegt und durch einen neuen Doppelspurtunnel zwischen Bahnhof Luzern und Mattenhof ersetzt. Doch ein letztes Nadelöhr blieb seither bestehen: Die Zufahrt zum Bahnhof Luzern verläuft ab der Langensandbrücke nach wie vor nur einspurig:

Doch das soll sich nun ändern. Im Oktober 2020 sollen die Bauarbeiten für einen Doppelspurausbau beginnen, Ende 2021 soll diese dann in Betrieb gehen. Zurzeit liegt das 72 Millionen Franken teure Projekt bei der Stadt Luzern öffentlich auf:

Kurz vor Abschluss der Bauarbeiten, im Herbst 2021, wird eine Totalsperre der Zentralbahn-Gleise im Bahnhof Luzern nötig. Diese dauert rund einen Monat. Während dieser Zeit ist für die Züge der ZB bereits beim Bahnhof Allmend Endstation. Dafür können die Passagiere dann ab Dezember 2021 auf der Strecke zwischen Luzern und Horw von einem deutlichen Angebotsausbau profitieren. Geplant ist, dass in Spitzenzeiten alle 7,5 Minuten ein Zug fährt. Dazu wird eigens eine neue Linie geschaffen – die S41, welche zwischen Luzern und Horw pendelt und die bestehenden S4 und S5 ergänzt. Mit diesem Ausbau wird dem grossen Bevölkerungswachstum in Luzern Süd Rechnung getragen: Im Mattenhof und im Schweighof sind bereits mehrere Hundert Wohnungen fertig gestellt – in den nächsten Jahren folgen das Nidfeld-Areal, die Pilatus-Arena sowie mehrere Grossüberbauungen rund um die Bahnhöfe Mattenhof und Horw. Mittelfristig wird ein Zuwachs von bis zu 15'000 Einwohnern und Arbeitsplätzen erwartet. 

Güterbahnhof wird zum Bauplatz für die Durchmesserlinie

Der Doppelspurausbau beim Bahnhof Luzern ebnet indirekt den Weg für ein weiteres Grossprojekt, den Durchgangsbahnhof. Im Zuge der Bauarbeiten werden nämlich auch Teile des Güterbahnhofs zwischen den Zentralbahn-Perrons und der Uni abgerissen. Dort wird ab 2028 voraussichtlich der Installationsplatz für die Grossbaustelle der Durchmesserlinie eingerichtet.

Gleichzeitig wird durch die neue Doppelspur das Gleis-Wirrwarr bei der Bahnhofseinfahrt etwas entfädelt: Es entfallen bisherige Kreuzungen mit den SBB-Gleisen, zudem verändert sich bei der Doppelspur der Gleisradius. Dadurch wird in der Bahnhofsmitte Platz frei – Platz, der für den Bau des unterirdischen Bahnhofs gebraucht wird (siehe Grafik). 

Luzern erhält ein Gleis 17

Wenn die Bauarbeiten für den Durchgangsbahnhof dann tatsächlich starten, braucht es allerdings nochmals eine grössere Rochade seitens der Zentralbahn. Die heutigen Gleise 12 und 13 müssen dann nämlich stillgelegt werden, weil direkt darunter der Tiefbahnhof entsteht.  Als Ersatz dienen dann das bestehende Gleis 14 sowie das heute selten genutzte Gleis 15. Doch das ist noch nicht genug, um die wegfallenden Kapazitäten während der zehnjährigen Bauphase des Tiefbahnhofs zu ersetzen. Auch das heute nur als Abstellgleis genutzte Gleis 16 muss dann wieder in Betrieb genommen werden, und vermutlich muss sogar das frühere Gleis 17 neben dem Frohburg-Parking reaktiviert beziehungsweise neu gebaut werden, wie es im Auflageprojekt der Zentralbahn heisst:

Hier wäre noch Platz für ein weiteres Gleis, das Gleis 17. Dieses wird vermutlich als Provisorium während der Bauarbeiten für den Tiefbahnhof gebaut. (Bild rk)

Hier wäre noch Platz für ein weiteres Gleis, das Gleis 17. Dieses wird vermutlich als Provisorium während der Bauarbeiten für den Tiefbahnhof gebaut. (Bild rk)

Bund und Kanton prüfen Etappierung des Durchgangsbahnhofs Luzern

Die neue Zufahrt für den Durchgangsbahnhof Luzern wird womöglich schon früher eröffnet werden als die technisch anspruchsvolle Seeunterquerung. Das könnte einem Projekt aus den Neunzigerjahren wieder Aufwind geben, glaubt ein Luzerner Ingenieur.
Robert Knobel