ZENTRALSCHWEIZ: 25 Jahre im Einsatz für die Integration

Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH Zentralschweiz hat sich der beruflichen Wiedereingliederung von Arbeitslosen und Migranten verschrieben. Begonnen hat alles mit einem Kurs.

Susanne Balli
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Mitarbeitende des Restaurants Libelle wallen im Rahmen eines Innovationsworkshops Pastateig aus. (Bild: PD Jutta Vogel (Luzern, Oktober 2015))

Mitarbeitende des Restaurants Libelle wallen im Rahmen eines Innovationsworkshops Pastateig aus. (Bild: PD Jutta Vogel (Luzern, Oktober 2015))

Susanne Balli

susanne.balli@luzernerzeitung.ch

Kompass: So hiess der erste Kurs, der in Luzern 1992 für erwerbslose Personen durchgeführt wurde, um ihnen berufliche Perspektiven zu eröffnen. Er markiert den Beginn der 25-jährigen Geschichte des Schweizerischen Arbeiterhilfswerks SAH Zentralschweiz. Ursprünglich gab es vom SAH, das 1936 vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund und von der Sozialdemokratischen Partei Schweiz im Kontext der Weltwirtschaftskrise gegründet wurde, keine Regionalstellen. «In den 1980er-Jahren war die Erwerbslosigkeit in der Schweiz ein grosses Thema und machte auch vor Luzern nicht Halt», sagt Ursula Schärli (55), Geschäftsleiterin des SAH Zentralschweiz. Das SAH übernahm in diesem Bereich eine Pionierrolle, und die Regionalstellen wurden aufgebaut. 1994 startete am Franziskanerplatz in einem 2-Zimmer-Büro die SAH-Regionalstelle Zentralschweiz. Zwei Jahre später wurde das Regionalbüro in Zug eröffnet.

Praktika für einfacheren Einstieg in die Arbeitswelt

Heute verfügt das SAH Zentralschweiz über ein Stellennetz mit mehr als 700 Einsatzplätzen, die von über 500 Firmen zur Verfügung gestellt werden. Die Plätze ermöglichen erwerbslosen Personen Praktika in diversen Bereichen, um den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern.

«Ein weiterer Meilenstein in unserer Geschichte ist der Aufbau von Migration Co-Opera im Jahr 2002, das für die sprachliche, berufliche und soziale Integration von anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen zuständig ist», sagt Schärli. Diese Angebote nutzen heute jährlich rund 1000 Personen.

Bis ins Jahr 2004 liefen sämtliche Abrechnungen noch über das SAH-Mutterhaus in Zürich. «Das wurde für die kantonal ausgerichteten Aufträge zunehmend umständlich», erklärt Schärli. Darum wurden zehn dezentrale und eigenständige Regionalvereine des SAH gegründet (seit jüngster Zeit elf). Ein Jahr später wurden zudem die Inlandarbeit und die Arbeit im Ausland in zwei rechtlich voneinander unabhängige Organisationen aufgeteilt. Die Auslandarbeit läuft heute unter dem Namen Solidar Suisse.

2007 konnte das SAH Zentralschweiz im Auftrag der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren mit einem national einzigartigen Pilotprojekt starten, das sich in sechs Anstalten in der Deutschschweiz der Bildung im Strafvollzug (BiSt) widmet. Ende 2015 wurde schweizweit in 28 Justizvollzugsanstalten Basisbildung für Gefangene angeboten. «Heute macht dieser Bereich umsatzmässig den grössten Anteil aus», so Schärli.

Ein grosses Anliegen des SAH Zentralschweiz ist die Integration von Frauen. Zum Beispiel mittels der 2010 gegründeten «Blitzblank-Vermittlung». Über diese werden in Luzern und Zug Frauen mit Migrationshintergrund als Reinigungskräfte in Haushaltungen vermittelt. «Mit dieser Tätigkeit können die oft sozial isolierten Frauen am Leben teilhaben und erhalten damit ein neues Selbstwertgefühl», so Schärli.

Vor zwei Jahren schlug das SAH Zentralschweiz mit der Eröffnung des Restaurants Libelle einen neuen Weg ein. Im Betrieb an der Maihofstrasse 61 eignen sich Erwerbslose Kenntnisse und Fertigkeiten bei der Arbeit in der Küche, im Service, hinter dem Buffet oder im Office an. «Das Besondere an diesem Modell ist die Nähe zum ersten Arbeitsmarkt», sagt Schärli. Die erwerbslosen Personen werden im realen Restaurationsbetrieb von ganz normalen Fachpersonen im Gastrobereich ausgebildet.

Grosse Herausforderungen in Zeiten des Sparens

Finanziert wird das SAH Zentralschweiz unter anderem über Leistungsvereinbarungen mit dem Bund und den Kantonen Luzern und Zug sowie über Gemeinden und Stiftungen. Dabei steht es vor grossen Herausforderungen. «Im heutigen Kontext des Sparens müssen wir uns laufend an neue Vorgaben anpassen», sagt Schärli. Darum sei es wichtig, als qualifizierter Partner wahrgenommen zu werden und eine breite Öffentlichkeit auf die wichtige Integrationsarbeit des SAH aufmerksam zu machen.

Das SAH Zentralschweiz ist in den Kantonen Luzern, Zug, Ob- und Nidwalden, Schwyz, Uri sowie in der Bildung im Strafvollzug in der ganzen Schweiz aktiv. Die Organisation beschäftigt derzeit 133 fest angestellte und 44 im Mandat tätige Personen. Pro Jahr werden durchschnittlich rund 40 000 Bildungslektionen erteilt, und es finden zirka 17 000 Beratungen durch das SAH statt. Jährlich finden sich zudem rund 18 000 Besucher in der Infozentren in Luzern und Sursee ein, um Hilfe im Erstellen ihres Bewerbungsdossiers zu erhalten.