ZENTRALSCHWEIZ: «Am häufigsten ist Durchfall»

Bald ­beginnt die WM in Brasilien. Wie sollen Schweizer Fussballreisende medizinisch vorsorgen? Der Luzerner Infektiologe Markus Herold klärt auf.

Interview Stephan Santschi
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Wer nach Brasilien reist, sollte sich impfen (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Wer nach Brasilien reist, sollte sich impfen (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Brasilien, wo vom 12. Juni bis zum 13. Juli die Fussball-WM stattfindet, ist seit 2002 masernfrei. Kinderärzte befürchten nun, dass europäische Fans die Masern importieren. An die Spieler der Schweizer Nationalmannschaft wurde nun appelliert, mit gutem Beispiel voranzugehen und sich allenfalls impfen zu lassen (Ausgabe vom 16. April).

Markus Herold, an der Fussball-WM in Brasilien werden Tausende Fussballtouristen aus der Schweiz ihr Team vor Ort unterstützen. Was müssen diese tun, um sich gegen tropische Krankheiten zu schützen?

Markus Herold*: Wir empfehlen erstens die Überprüfung, ob die Starrkrampfimpfung noch aktuell ist. Bei jungen Menschen dürfte dies der Fall sein. Wenn sie mehr als 10 bis 20 Jahre zurückliegt, raten wir zu einer Auffrischung. Schliesslich kann man sich eine Starrkrampfinfektion auch in der Schweiz einfangen, zum Beispiel bei tiefen Wunden. Zweitens: Impfung gegen Hepatitis A. Diese Viruserkrankung, auch Gelbsucht genannt, wird via Essen übertragen. Sie ist in allen Entwicklungsländern ein Thema. Hier gibt es eine kombinierte Impfung Hepatitis A und B. Hepatitis B wird vor allem sexuell übertragen. Das ist sozusagen unser empfohlenes Minimalprogramm.

Die Schweizer Nationalmannschaft spielt an der Ostküste in Salvador, im Landesinneren in Brasilia und im Amazonasgebiet in Manaus. Gibt es hinsichtlich dieser Austragungsorte noch zusätzliche Empfehlungen?

Herold: Manaus und Brasilia liegen im Gelbfieber-Gebiet. Eine Impfung ist deshalb empfohlen. Zwar ist das Risiko einer Infektion sehr klein. Doch diese Krankheit ist sehr gefährlich und führt in bis zu 50 Prozent der Fälle zum Tod. Wenn ich neben dem Besuch des Fussballspiels noch eine Reise in den Dschungel plane, ist die Impfung gegen Gelbfieber, das durch Mückenstiche übertragen wird, besonders wichtig.

Apropos Mückenstiche. Ist Malaria in Brasilien kein Thema mehr?

Herold: Doch, ja, aber das Ansteckungsrisiko ist bei Städtereisenden gering. Wenn man sich nicht gerade für längere Zeit in abgelegenen Gebieten aufhält, ist es auch nicht nötig, Notfallmedikamente mitzunehmen. Die ärztliche Versorgung in Brasilien hat einen guten Ruf. Da in Brasilien das ebenfalls durch Mücken übertragene Dengue-Fieber häufig vorkommt, ist die Verwendung eines guten Mückenschutzes aber besonders wichtig – als Hautmittel beispielsweise in Form von Anti Brumm Forte. Und in der Nacht sollte man darauf achten, dass die Klimaanlage eingestellt ist oder dass man unter einem Moskitonetz schläft. In einigermassen guten Hotels sollte beides vorhanden sein. Viel wahrscheinlicher als irgendwelche seltsamen tropischen Erkrankungen ist aber etwas anderes.

Und das wäre?

Herold: Die meisten Todesfälle junger Menschen im Ausland ereignen sich nach Unfällen. Studien des ­Instituts für Infektions- und Tropenkrankheiten an der Universität in Brescia zeigten zudem, dass 30 bis 50 Prozent der Schweizer, die sich auf Kurzzeit-Reisen in tropischen Destinationen befinden, Gelegenheitssex haben. Dazu führt wohl die Kombination aus Alkohol und der Anonymität fernab von zu Hause. Der wichtigste Tipp für Brasilien-Reisende heisst deshalb: Schutz mit einem Kondom beim Geschlechtsverkehr. Damit beugt man neben HIV auch weiteren über sexuellen Kontakt übertragbaren Krankheiten wie dem Tripper und der Syphilis vor. Ratsam ist zudem, neben Schmerztabletten auch ein Mittel gegen Durchfall mitzunehmen. Die häufigste Infektion ist nämlich der meist banale Reisedurchfall. 50 Prozent der Tropenreisenden leiden darunter.

Sollte sich ein Brasilien-Reisender noch zu einer Impfung entscheiden, wo und bis wann müsste dies geschehen?

Herold: Bis einen Monat vor der Reise wäre optimal, spätestens aber zehn Tage. Die Impfungen können alle beim Hausarzt gemacht werden – mit Ausnahme von jener gegen Gelbfieber, die in einem Zentrum für Tropenmedizin erfolgen muss. Im Kanton Luzern ist dies bei uns in der Maihofpraxis oder jeweils montags zwischen 16 und 18 Uhr im Kantonsspital Luzern möglich.

* Markus Herold (45) ist Infektiologe und Reisemediziner in einer Schwerpunktpraxis in Luzern (www.maihofpraxis.ch).

Weitere Infos: www.safetravel.ch