ZENTRALSCHWEIZ: Branche hofft auf neues Studium

Medizintechnikfirmen sind wichtige Arbeitgeber in der Region. Doch ihnen fehlt es an Fachkräften. Ein neuer Studiengang an der Hochschule Luzern soll das ändern.

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Die Medizintechnik ist eine Wachstumsbranche in der Schweiz. Das Bild zeigt Mitarbeiterinnen in einem Labor der Firma Roche. (Bild: PD F. Hoffmann-La Roche)

Die Medizintechnik ist eine Wachstumsbranche in der Schweiz. Das Bild zeigt Mitarbeiterinnen in einem Labor der Firma Roche. (Bild: PD F. Hoffmann-La Roche)

Hans-Peter Hoeren

Die Schweiz hat eine der höchsten Dichten an Medizintechnikunternehmen in ganz Europa. Rund 3800 Firmen sind hier ansässig. Sie beschäftigen insgesamt über 52 000 Menschen. Das Gros der Arbeitsplätze verteilt sich auf regionale Schwerpunkte wie Zürich oder Bern. Aber auch in der Zentralschweiz sind über 5000 Stellen in der Medizintechnik angesiedelt vor allem in Zug und Luzern. Die Branche wächst, aber gut ausgebildete Fachkräfte sind Mangelware. Abhilfe soll jetzt ein neuer Studiengang schaffen, der ab dem Herbstsemester erstmals an der Hochschule Luzern – Technik & Architektur angeboten wird (siehe Box).

Das Interesse der Medizintechnikfirmen in der Region ist gross. «Wir haben mit vielen Unternehmen in der Zentralschweiz gesprochen. Das Bedürfnis nach einer Fachhochschulausbildung in dem Bereich ist gross», sagt Professorin Franziska Meinecke, Studiengangleiterin Medizintechnik an der Hochschule Luzern.

98 Prozent der Firmen sind KMU

Eine der grössten Sorgen dieser Unternehmen ist die limitierte Verfügbarkeit von Fachkräften. Ein hoher Anteil der Beschäftigten hat eine Hochschulausbildung oder eine höhere Berufsausbildung. Über 98 Prozent der Medizintechnikunternehmen in der Schweiz sind KMU. «Gerade für diese Unternehmen ist die Akquise von gut ausgebildetem Personal schwierig», sagt Meinecke.

Christiane Jung, Leiterin der Forschung und Entwicklung bei der Firma KKS Ultraschall AG in Steinen im Kanton Schwyz, bestätigt das. Das Unternehmen fällt ebenfalls in die Kategorie KMU und beschäftigt rund 65 Mitarbeiter. «Wir stehen häufig im Wettbewerb mit grossen globalen Herstellern, welche die Medizintechnikfachkräfte mit attraktiven Angeboten anlocken», erklärt Jung. Überdies kämen Bewerber auf ausgeschriebene Stellen aus anderen Regionen oder aus dem Ausland. «Kandidaten, die sich für uns entscheiden, müssen oft aus den attraktiven, urbanen Ballungszentren oder aus dem Ausland hierhin in die Zentralschweiz ziehen», sagt Jung. All diese Faktoren sowie das Ja zur Masseneinwanderungsinitiative erschwerten die Besetzung von Vakanzen in nicht unerheblichem Ausmass.

Studenten für Projekte gewinnen

«Durch den neuen Studiengang erhoffen wir uns zunächst einmal, Praktikanten und Studenten vor Ort für Projekte zu gewinnen», sagt Jung. Damit könnte sich das Unternehmen langfristig zukünftige Fachkräfte heranziehen. «Das Problem, welches wir bisher haben, ist, dass die Studentinnen und Studenten von anderen Fachhochschulen zu weit weg sind und damit eine Arbeit vor Ort bei der KKS erschwert wird», sagt Christiane Jung. Aber auch eine Beteiligung an gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten werde das Unternehmen künftig prüfen.

Auch bei der Firma Roche Diagnostics International AG in Rotkreuz, mit 2000 Beschäftigten einer der ganz grossen Player in der Region, setzt man grosse Erwartungen in den neuen Studiengang. Von dem neuen Ausbildungsangebot der Hochschule verspricht sich die Firma diverse neue Kooperationen und Projekte. «Wir hoffen aber auch, dass durch die Ausbildung hoch qualifizierter Talente die Innovationsfähigkeit der Region und unseres Unternehmens weiter steigt», sagt Annette Luther, General Manager bei Roche Diagnostics International in Rotkreuz.

Die Berufsaussichten künftiger Absolventen sind gut. «Die Medizintechnikbranche wächst weiterhin stark», sagt Franziska Meinecke. Hinter diesem Wachstum stehen langfristige Trends wie etwa der medizinische Fortschritt oder eine immer älter werdende Gesellschaft. Das im Studium angeeignete Wissen qualifiziere aber auch für eine Tätigkeit in anderen stark regulierten Branchen wie beispielsweise der Luft- und Raumfahrt- oder Lebensmittelindustrie.

Studiengänge in Medizintechnik gibt es bereits an einigen Schweizer Fachhochschulen, unter anderem in Bern oder in Zürich. «Mit unserem neuen Angebot füllen wir eine Nische und grenzen uns von den anderen Ausbildungsstätten deutlich ab», sagt Franziska Meinecke. Neuartig an dem Angebot ist vor allem, dass der Bereich Methoden und Prozesse einen wichtigen Schwerpunkt der Ausbildung bildet.

Faible für Technik und Empathie

Die Einhaltung dieser Methoden und Prozesse wird aufgrund der starken Regulierung des Medizintechnikmarktes immer wichtiger. «Vielen Unternehmen war es wichtig, dass diese Module in der Ausbildung einen grossen Stellenwert erhalten», sagt Meinecke. Die anderen beiden Kompetenzfelder des interdisziplinär ausgelegten Studienganges sind Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften und Medizin.

«Interessenten sollten ein Faible für Technik, aber auch Empathie für den Menschen mitbringen», verdeutlicht Meinecke. In den ersten Semestern gehe man davon aus, dass die Studenten vor allem aus der Zentralschweiz kommen werden. Aufgrund der Alleinstellungsmerkmale hoffe man aber, mit dem Studiengang in den nächsten Jahren auch Studenten aus anderen Regionen der Schweiz anlocken zu können.