ZENTRALSCHWEIZ: Die Ebola-Zimmer stehen bereit

Über 3400 Menschen sind in den vergangenen Wochen an Ebola gestorben. In Luzern und Zug übt man nun den Ernstfall.

Christian Hodel
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Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie am Luzerner Kantonsspital, weiss, wie Patienten mit Ebola-Verdacht versorgt werden müssen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie am Luzerner Kantonsspital, weiss, wie Patienten mit Ebola-Verdacht versorgt werden müssen. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die Zahl steigt von Tag zu Tag. Bis Anfang Oktober sind in Westafrika gemäss Weltgesundheitsorganisation 3431 Ebola-Tote gemeldet worden. Die Angst geht um, dass die Infektion auch nach Europa und in die Schweiz überschwappt. Zwar stuft der Bund die Wahrscheinlichkeit eines Ebola-Falles in der Schweiz als sehr gering ein. Man beobachte die Situation aber aufmerksam, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Klar ist: Die Zentralschweizer Spitäler bereiten sich derzeit für den Ernstfall vor. Am Luzerner Kantonsspital (Luks) hat man etwa einen Ebola-Verdachtsfall simuliert, um mögliche Probleme zu erkennen, wie Marco Rossi, Chefarzt Infektiologie, sagt. Sobald aufgrund der Herkunft und der Vorgeschichte eines Patienten ein Verdacht geäussert werde, würde er in einem Einzelzimmer isoliert.

Schutz durch Brille und Maske

Der Infekt ist laut Rossi für die Erkrankten «zwar sehr gefährlich, aber nicht hoch ansteckend». Deshalb wären andere Patienten «auf derselben Abteilung nicht gefährdet». Das medizinische Personal hingegen würde sich bei einem Ebola-Fall mit Overall, Brille, Maske und Handschuhen schützen. Am Luks würden bei einem Verdacht allerdings nur die ersten Abklärungen getroffen. «Danach wird entschieden, ob der Patient in Luzern bleibt oder nach Genf verlegt werden muss.»

Denn neben dem Biosicherheitslabor des Bundes in Spiez kann das Erbgut des Ebola-Virus nur am Universitätsspital Genf mit Sicherheit bestimmt werden. Hier wurden zur Behandlung von Ebola-Patienten drei Zimmer eingerichtet, die durch eine Schleuse abgetrennt sind.

Zug könnte Patienten behandeln

Notfalls könnten Ebola-Patienten aber auch in Zug behandelt werden. «Grundsätzlich haben wir die Möglichkeit, einen Patienten in einem Zimmer mit Unterdruck zu isolieren», sagt Corinne Stutz, zuständig für Infektionsprävention und Spitalhygiene des Zuger Kantonsspitals. Der Zugang zum Zimmer werde über eine Schleuse gewährleistet, damit die Umgebung geschützt sei. Unterdruck im Zimmer ist nötig, damit keine Luft herausströmen kann. Wie in Luzern wurde auch in Zug ein Ernstfall simuliert.

Laut Catherine Cossy, Mediensprecherin des BAG, haben «alle grossen Spitäler in der Schweiz die für Fälle wie Ebola erforderlichen Isolationszimmer und entsprechend ausgebildetes medizinisches Personal». Bei einem konkreten Verdacht auf die Krankheit Ebola würden der Kantonsarzt und das BAG eingeschaltet, welche das weitere Vorgehen bestimmen. Derzeit gibt es allerdings keinen Anlass, aktiv zu werden, denn in der Schweiz wird derzeit kein Patient mit Ebola-Verdacht behandelt. Lediglich ein junger Guineer wurde mit Verdacht auf Ebola ins Universitätsspital in Lausanne gebracht – die Labortests waren aber negativ.  
Dennoch sei man in Obwalden auf eine Isolation von Verdachtsfällen vorbereitet, sagt Thomas Kaeslin, Chefarzt Innere Medizin des Kantonsspitals. «Mit einer konsequenten Kontaktisolation kann man eine Ansteckung verhindern. Die Qualität solcher Massnahmen ist in unseren Breitengraden um Welten besser als in Afrika.»

In erster Linie gehe es darum, einen Ebola-Patienten als solchen zu erkennen, sagt Anja Radojewski, Leiterin Marketing und Kommunikation des Kantonsspitals Nidwalden. Der Patient werde bei Verdachtsfall in ein grösseres Spital verlegt. Vorkehrungen getroffen wurden auch in Schwyz und Uri. «Die Abläufe wurden detailliert besprochen und die betroffenen Mitarbeitenden sind instruiert», sagt Claudia Zgraggen, Leiterin HR & Kommunikation des Kantonsspitals Uri.

Schwyz: «Wir sind gewappnet»

Reto Nüesch, Chefarzt Innere Medizin des Spitals Schwyz, sagt auf Anfrage: «Wir sind gewappnet», die Mitarbeiter seien informiert. Ebenso wurde «der Krankentransport in der Region von unserem Hygieneteam kontaktiert, und es wüsste, wie ein solcher Transport gemacht wird».

Das sind die Ebola-Symptome

Ein Verdacht auf Ebola besteht, wenn Patienten anhaltendes Fieber über 38 Grad haben und weitere grippeähnliche Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen aufweisen. Jedoch müssen die betroffenen Personen innerhalb der vergangenen 21 Tage – so lange dauert es maximal bis zum Ausbruch der Krankheit – in einem von Ebola betroffenen Gebiet in Westafrika gewesen sein oder engen Kontakt zu einer betroffenen Person gehabt haben. Gegenwärtig stirbt in den drei hauptbetroffenen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone rund die Hälfte der an Ebola erkrankten Personen.