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Zentralschweiz entscheidet sich für Zürcher Anbieterin: Elektronisches Patientendossier wird's gratis geben

Für die Einführung des elektronischen Patientendossiers dürften sich alle Zentralschweizer Spitäler der Zürcher Axsana AG anschliessen. Offen ist, ob die Kantone eine Anschubfinanzierung leisten – davon würden Spitäler und Praxen profitieren.
Evelyne Fischer
Eine Ärztin bearbeitet eine Patientenakte. (Bild: Getty)

Eine Ärztin bearbeitet eine Patientenakte. (Bild: Getty)

EPD – hinter der Abkürzung mit 3 Buchstaben versteckt sich eine Dienstleistung für die Einwohner von 26 Kantonen: das elektronische Patientendossier. Auf diesem werden ab April 2020 behandlungsrelevante Dokumente aller Schweizer Akutspitäler, psychiatrischen Kliniken und Reha-Kliniken abgelegt. Also etwa Medikamentenlisten, Röntgenbilder oder Impfausweise. Ab April 2022 sollen auch Pflegeheime und Geburtshäuser folgen.

Der Verein eHealth Zentralschweiz unterstützt Leistungserbringer dieser Versorgungsregion bei der Einführung des E-Patientendossiers. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem die Kantone Luzern und Nidwalden, die Kantonsspitäler von Luzern, Ob- und Nidwalden, die Hirslanden-Klinik St. Anna sowie die Patientenstelle Zentralschweiz.

An der ersten Generalversammlung fiel kürzlich ein wegweisender Entscheid: Nach einer Marktanalyse empfiehlt der Verein seinen Mitgliedern den Anschluss an die Stammgemeinschaft XAD der Axsana AG – eine von elf Organisationen, die das E-Patientendossier nach Bundesgesetz bereitstellen will. Wer sich als Patient für das EPD interessiert, sollte sich spätestens im Februar 2020 bei der Stammgemeinschaft XAD registrieren können. «Die Eröffnung eines EPD wird für die Bevölkerung kostenlos sein», sagt Thomas Zurkinden, Leiter Marketing und Verkauf bei der Axsana.

EPD-Anbieterin für 4,3 Millionen Einwohner

Die Axsana AG ist eine nicht gewinnorientierte Betriebsgesellschaft mit Sitz in Zürich. Sie dürfte in der Deutschschweiz die führende EPD-Anbieterin werden: Nebst Luzern und Nidwalden haben sich dieser Stammgemeinschaft bereits Zug, Uri, Bern, Zürich, Schaffhausen und St. Gallen angeschlossen. «Weitere Kantone, darunter Schwyz, befinden sich aktuell im Beitrittsprozess», sagt Thomas Zurkinden. Obwalden dürfte ebenfalls folgen. «Damit erbringen wir Dienstleistungen für über 13'000 Gesundheitsorganisationen und 4,3 Millionen Einwohner.»

In der Westschweiz ist derweil Cara verbreitet: Dem Verband haben sich Genf, Wallis, Waadt, Freiburg und Jura angeschlossen. Cara deckt ein Gebiet mit rund zwei Millionen Einwohnern ab. Mitte Jahr erhalten die Stammgemeinschaften letzte Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit, danach erfolgt die Zertifizierung.

Kantone werden zu Aktionären

Die Axsana AG gehört je hälftig der Cantosana AG und dem Trägerverein XAD – der Zusammenschluss der Leistungserbringer-Verbände. Hinter der Cantosana AG steckt die öffentliche Hand: Aktionäre sind bislang die Kantone Zürich, Bern, Zug und neu auch Uri.

Die öffentliche Hand als Trägerschaft war mit ein Grund für die Wahl dieser Stammgemeinschaft, sagt Hans-Peter Bättig, Leiter Organisation und Informatik beim Luzerner Gesundheitsdepartement (GSD). Von Vorteil sei weiter, dass auch die Leistungserbringer zu den Eigentümern gehören und damit auch das Angebot mitbestimmen. Bättig sagt:

«So entstehen für Ärzte, Spitäler oder Spitex-Organisationen Produkte, die sich im Alltag nutzbringend einsetzen lassen.»

Luzern fasst Anschubfinanzierung ins Auge

Kantone, die sich an der AG beteiligen, leisten eine Anschubfinanzierung für den Aufbau der Stammgemeinschaft. Diese beläuft sich auf 1,50 Franken pro Einwohner. Zusätzlich erwerben sie pro 3000 Einwohner eine Aktie an der Cantosana AG. Damit haben sie Anspruch auf einen Verwaltungsratssitz und können die Entwicklung der Axsana mitbestimmen. Hans-Peter Bättig vom GSD sagt:

«Luzern prüft derzeit eine Beteiligung. Der Entscheid dürfte nach Mitte März fallen. Mit der erforderlichen Anschubfinanzierung kämen Luzerner Leistungserbringer in den Genuss eines Rabatts von 20 Prozent auf die jährlichen Betriebskosten.»

Die Preise hängen von der Grösse der jeweiligen Organisation ab. «Eine kleine Arztpraxis wird jährlich mit rund 300 Franken rechnen müssen, bei einem grossen Spital belaufen sich die Betriebskosten auf 140'000 Franken pro Jahr», sagt Bättig. Einmalig müssen die Organisationen zudem mit Anschlusskosten zwischen 300 und 10'000 Franken rechnen, abhängig von der Grösse der Organisation.

In der Zentralschweiz prüfen auch Ob- und Nidwalden sowie Schwyz eine Beteiligung bei der Cantosana AG. «In Nidwalden dürfte der Entscheid spätestens im Verlaufe des Frühlings 2019 fallen», sagt Andreas Scheuber, Direktionssekretär der Gesundheits- und Sozialdirektion. In Schwyz erwartet man den Entscheid ungefähr im April, in Obwalden ist der Zeitraum offen.

Interesse der Patienten kaum abschätzbar

Offen ist, wie gross der Ansturm aufs E-Patientendossier sein wird: «Weil Erfahrungswerte fehlen, ist eine Schätzung unmöglich», sagt Thomas Zurkinden. Laut Studien könnten sich 40 bis 80 Prozent der Bevölkerung fürs EPD anmelden. «Wir rechnen damit, dass sich über die nächsten zehn Jahre gut die Hälfte der Bevölkerung registrieren wird.»

Eine entscheidende Rolle dürften künftige Zusatzleistungen spielen: Software-Schnittstellen, die beispielsweise ein Schmerzmonitoring zulassen oder den Anschluss von Gesundheits- oder Fitnessapps ermöglichen. Zurkinden: «Solche Dienstleistungen des EPD könnten für Nutzer interessant werden, dürften allerdings höchstwahrscheinlich kostenpflichtig sein.»

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