ZENTRALSCHWEIZ: Fasnächtler hoffen auf die Unesco

Die Fasnacht als Weltkulturerbe? Viele Fasnächtler sind von diesem Plan begeistert – doch es gibt auch kritische Stimmen.

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Die Fritschi-Tagwache in der Stadt Luzern. (Bild: Archiv/Neue LZ)

Die Fritschi-Tagwache in der Stadt Luzern. (Bild: Archiv/Neue LZ)

Die Fasnacht in den Zentralschweizer Kantonen soll von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt werden. Den ersten Schritt dazu hat der Zuger Kulturwissenschaftler Marius Risi gemacht. Er erstellt zurzeit im Auftrag der Zentralschweizer Kantone eine Liste mit lebendigen Traditionen aus unserer Region (siehe Ausgabe von gestern). Davon sollen einige Kandidaten – darunter auch die Fasnacht – auf die Schweizer Vorschlagsliste zu Handen der Unesco gebracht werden. Ob es die Fasnacht auf die Liste der immateriellen Kulturgüter schafft, darüber entscheidet das Bundesamt für Kultur im Mai 2011.

Pflicht für die Stadt Luzern
Für viele Zentralschweizer steht ausser Frage, dass ihre Fasnacht das Zeug zum Weltkulturerbe hat. Seppi Fässler, Präsident der Kult-Ur-Fasnächtler, ist begeistert: «Die Luzerner Fasnacht, die jedes Jahr viele tausend Leute mobilisiert, gehört ganz sicher auf diese Liste.» Dies würde nicht nur der Tourismusregion Zentralschweiz guttun, sondern würde auch dazu beitragen, dass die Fasnacht als wichtiges Brauchtum erhalten bliebe. «Ich denke, unter dem Label Weltkulturerbe ist es leichter – und für die Stadt Luzern sogar Pflicht –, das Kulturgut Fasnacht zu schützen», sagt Fässler. Es dürfe aber nicht sein, dass Luzern nur von diesem Label profitiere, fordert Fässler. Die Stadt müsste auch investieren. Er kritisiert damit die 100 Franken teuren Fasnachtsvignetten, die Luzern einführen will und mit diesem Plan unlängst für hitzige Diskussionen sorgte.

Ritterschlag für Luzern
Andreas Härry, Sprecher des Lozärner Fasnachtskomitees, spricht gar von einem Ritterschlag. «Wenn ein solcher Volksaufstand wie unsere Fasnacht von der Unesco gehuldigt würde, dann ist das mehr als sympathisch.» Die Fasnacht bewege sich in einer Dimension, die eine Aufnahme als Weltkulturerbe rechtfertigen würde. Immerhin seien rund zwei Drittel der Bevölkerung einer ganzen Region damit mehr oder weniger verwurzelt.

Ganz anderer Meinung ist hingegen Rolf Furrer, Präsident der Lozärner Originalguuggenmusig, der ältesten Guuggenmusig der Stadt. «Seit bald fünfzig Jahren treiben meine Fasnachtsgschpändli und ich Fasnacht, um zusammen Spass zu haben», so Furrer. Er wolle aber auch die nächsten 65 Jahre Fasnacht machen wie bis anhin. «Und nicht herumgereicht werden wie Tiere in einem Streichelzoo zum Amüsement von exotischen Touristen. Lasst die Finger von unserer Fasnacht«, sagt er. Furrer hat einen anderen Vorschlag: «Erklärt von mir aus den Luzerner Lebkuchen oder die Kügelipastete zum Weltkulturerbe. Dann kann wenigstens Betty Bossy die Rezepte in Japanisch, Chinesisch und Indisch herausgeben. Lasst für drei Tage die Stadt uns Fasnächtlern.»

Wesentlich positiver tönt es in den anderen Zentralschweizer Kantonen: Rolf Gisler-Jauch, Historiker und Autor des Buches «Fasnächtliches Uri», meint: «Dieses Brauchtum wird von einem grossen Teil des Volkes getragen. Die Fasnacht erfüllt alles, was es braucht, um auf die Unesco-Liste genommen zu werden.» Freuen würde man sich auch im Kanton Schwyz: «Wir wären begeistert, was sonst», sagt etwa Remo Hicklin, Präsident der Schwyzer Nüssler. Dies wäre eine Wertschätzung für eine Tradition, die unverändert geblieben sei.

Basel: Keine Konkurrenz
Fasnacht als Kulturerbe ist auch andernorts ein Thema. So etwa in den beiden Basler Halbkantonen. «Listen mit lebendigen Traditionen werden in allen Kantonen erstellt. In etlichen gehört eben auch die Fasnacht dazu», sagt Projektleiterin Franziska Schürch. Ein Konkurrenzkampf finde aber nicht statt. «Wir tauschen unsere Erfahrungen untereinander aus. Das Bundesamt für Kultur entscheidet allein, wer es auf die Liste schafft», sagt Schürch.

Roger Rüegger / Neue LZ