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ZENTRALSCHWEIZ: Ferienwohnungen sind so rar wie nie

Der Zweitwohnungsmarkt in unserer Region ist völlig ausgetrocknet – allerdings längst nicht nur wegen der Zweitwohnungsinitiative.
Chiara Stäheli
Kalte Betten, heiss begehrt: Auch in Sörenberg ist die Zahl der zum Verkauf angebotenen Wohnungen klein. (Bild: Eveline Beerkircher (6. Dezember 2017))

Kalte Betten, heiss begehrt: Auch in Sörenberg ist die Zahl der zum Verkauf angebotenen Wohnungen klein. (Bild: Eveline Beerkircher (6. Dezember 2017))

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Im Herzen der Schweiz sind derzeit kaum Ferienwohnungen auf dem Markt. Das zeigen Zahlen des Immobilien-Beratungsunternehmens Wüest und Partner. Es hat in den Tourismusgemeinden der Kantone Luzern, Uri, Ob- und Nidwalden kürzlich nur gerade 183 zum Verkauf stehende Ferienwohnungen gezählt – allerdings exklusive der Sawiris-Bauten in Andermatt (siehe Box). Im Jahr 2012 waren es noch rund 250 gewesen. Die aktuell verfügbaren Wohnungen sind auf zehn touristische Gemeinden in der Zentralschweiz verteilt. Das geringe ­Angebot hat gemäss Robert ­Weinert, Immobilienexperte bei Wüest und Partner, mehrere Gründe: «Die zentrale Lage der Innerschweiz gewinnt im Zweitwohnungsmarkt an Bedeutung. Die Nachfrage ist rege, da attraktive und gut erreichbare Destinationen sehr beliebt sind.»

Zur steigenden Nachfrage trägt gemäss Weinert auch die Gesellschaftsentwicklung bei: «Es gibt immer mehr ältere Menschen. Diese ziehen nach der Pensionierung mitunter gerne in naturnahe und dennoch zentral gelegene Destinationen – Ferienwohnungen in der Zentralschweiz eignen sich für sie also optimal.» Die relativ kurze Distanz zur Metropole Zürich sei für viele Käufer einer Zweitwohnung ein weiteres wichtiges Entscheidungskriterium.

Auch im Berner Oberland und in Graubünden ist die Zahl der zu verkaufenden Ferienwohnungen in den vergangenen Jahren zurückgegangen – jedoch nicht so stark wie in der Innerschweiz. Ganz anders verläuft die Entwicklung im Wallis: Dort steigt das Angebot seit Beginn der Erhebungen kontinuierlich an. Momentan stehen dort knapp 4500 Einheiten zum Verkauf – und damit mehr als die Hälfte aller schweizweit angebotenen Ferienwohnungen. Gemäss Weinert ist dies auf die ausserordentlich hohe Neubautätigkeit vor der Zweitwohnungs-Initiative zurückzuführen – dies habe sich in den Angebotszahlen niedergeschlagen.

20 Jahre liessen die Preise beinahe verdoppeln

Seit 2010 haben sich auch die Verkaufspreise der Zweitwohnungen verändert: «Die Preise sind Ende 2015 stark gestiegen. Auch aktuell sind die Preise erneut leicht am Steigen, da das Angebot wieder knapper geworden ist», erklärt Weinert und ergänzt: «Zweitwohnungen sind eine verhältnismässig sichere Anlagemöglichkeit. Auch die tiefen Hypothekarzinsen tragen zu einer erhöhten Nachfrage bei.» Vergleicht man die aktuellen Preise mit dem Jahr 2000, so ist eine markante Veränderung zu sehen: Aktuell bezahlen Käufer für eine Ferienwohnung in der Zentralschweiz knapp doppelt so viel wie vor 17 Jahren.

Im beliebten Ferienort Sörenberg kann man beispielsweise im neu entstandenen «Chalet Claudia» eine 3,5-Zimmer-Ferienwohnung mit 83 Quadratmetern für 430 000 Franken erwerben, wie eine Kurzrecherche auf der Internetplattform «Homegate» zeigt. Möchte man noch ein Zimmer mehr, muss man im Minimum eine halbe Million hinblättern.

Doch der Preis ist nur das eine: Denn die Zahl der zum Verkauf angebotenen Objekte ist klein. Dass sich die Suche nach einer geeigneten Ferienwohnung für Interessenten sehr schwierig gestaltet, kann auch Carolina Rüegg, Direktorin von Sörenberg Tourismus, bestätigen: «Der Zweitwohnungsmarkt ist ausgetrocknet. Wir haben sehr viele Leute, die Interesse an einer Ferienwohnung haben.» Es seien auch viele Handänderungen zu verzeichnen: «Doch die angebotenen Objekte sind rar und gehen oft unter der Hand weg.» Dazu habe insbesondere die Annahme der Zweitwohnungs-Initiative beigetragen: «Seit Jahren bleibt das Angebot in Sörenberg gleich. Das ist keinesfalls hilfreich für die Entwicklung der Gemeinde.»

Denn seit das Stimmvolk im März 2012 die Initiative angenommen hat, gilt: Lediglich 20 Prozent des Wohnungsanteils einer Gemeinde dürfen Zweitwohnungen sein. Gemeinden mit einem höheren Zweitwohnungsanteil dürfen keine Zweitwohnungsbauten mehr bewilligen. Dazu gehört auch Sörenberg – die Gemeinde hat gemäss Rüegg einen Zweitwohnungsanteil von rund 60 Prozent.

Teure Wohnungen lassen sich schwieriger verkaufen

Besonders stark abgenommen hat das Ferienwohnungsangebot in Engelberg. Dort sind derzeit 35 Wohnungen auf dem Markt, 2013 waren es noch mehr als 100 gewesen. Frédéric Füssenich, Direktor von Engelberg Tourismus, spricht dennoch nicht von einem Mangel: «Für die aktuelle Nachfrage reicht das jetzige Angebot.» Bei der Analyse der Marktsituation fällt ihm allerdings ein Umstand besonders auf: «Sehr teure Immobilien sind schwerer zu verkaufen, als Objekte mit durchschnittlichen Preisen.»

Dieser Trend ist auch schweizweit zu beobachten. Robert Weinert führt dies auf die grundsätzlich längere Vermarktungszeit bei teuren Objekten zurück: «Nur wenige können sich solche Immobilien leisten. Dadurch sind sie auch viel länger auf dem Markt.»

Zudem hätten zahlreiche Interessenten ihren Traum vom luxuriösen Wohneigentum bereits realisiert, nachdem 2009 die Hypothekarzinsen aufgrund der weltweiten Tiefzinslage spürbar gesunken waren. In den letzten Jahren sei das Angebot an teuren Bauten weiter erhöht worden – trotz sinkender Nachfrage. ­Weinert: «Ein Teil dieses Wohnungsangebotes ist nun schwierig zu verkaufen.»

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