ZENTRALSCHWEIZ: Gästival irritiert Künstler

Das Gästival sucht Formationen, die ohne Gage auftreten. Das verärgert Künstler. Beim Gästival spricht man von einem Missverständnis.

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Modell der neukonzipierten, grösseren Gästival-«Seerose». (Bild: pd)

Modell der neukonzipierten, grösseren Gästival-«Seerose». (Bild: pd)

Christian Glaus

Am 29. Mai wird die Seerose, die schwimmende Plattform des Gästivals, zum ersten Mal in See stechen, doch schon heute sorgt sie bei Künstlern für einen Aufschrei. Grund ist eine Ausschreibung, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Gesucht werden Formationen (Musikbands, Theatergruppen, Tanzvereine, etc.) die auf der Seerose auftreten wollen. Eine Gage wird aber nicht bezahlt. Gleichzeitig sagte Mediensprecher Stefan Ragaz gegenüber «20 Minuten», es sei wichtig, dass die Qualität stimme.

«Selten so was Absurdes gelesen»

Zentralschweizer Künstler zeigten wenig Verständnis für diesen Aufruf. So schreibt beispielsweise der Luzerner Sänger Henrik Belden auf Facebook: «Selten so was Absurdes gelesen. Aber stimmt – wieso Gagen bezahlen? Musik ist ja sowieso gratis heutzutage.» Auf Anfrage unserer Zeitung betont er, es handle sich um seine private Meinung. Es sei ein absurder Widerspruch, Qualität zu verlangen, aber keine Gagen zu bezahlen. Auch der Luzerner Lichtdesigner Markus Güdel reagierte in einem Facebook-Kommentar irritiert: «Art but fair! Einmal mehr ...»

Stefan Ragaz, Mediensprecher des Gästivals, sagt auf Anfrage: «Es handelt sich um ein totales Missverständnis.» Professionellen Künstlern werde man selbstverständlich eine Gage bezahlen. Der Aufruf richte sich an interessierte Formationen aus der Zentralschweiz, welche die Chance nutzen wollten, sich einem Publikum zu präsentieren. Angesprochen seien etwa Vereine, Theatergruppen oder Tanzformationen. Es handle sich um kurze Auftritte tagsüber auf einer Art offenen Bühne, wenn die Seerose als Ausstellungs- und Begegnungsort geöffnet sei. In Luzern habe man am ersten Tag nach dem Aufruf 14 Anfragen erhalten, sagt Ragaz. Es sei ein bunter Mix: von Panflöte bis Jodeln.

Erste Details zum Programm

cgl. Auf Anfrage haben die Verantwortlichen des Gästivals erstmals Details zum Programm bekannt gegeben. Tagsüber solle die Seerose ein Ausstellungs- und Begegnungsort sein, sagt Projektleiter Christoph Risi: «Es wird eine mobile Ausstellung geben. Zudem wird man auf der Seerose historische Figuren antreffen.» Für die Geschichten, welche diese Figuren erzählen, habe man verschiedene Autoren engagiert. So etwa Jana Avanzini (Nidwalden) oder F. X. Nager (Uri).

Abends wird es verschiedene Serien geben. Durch die Comedian-Serie (pro Standort ein Abend) führt der Luzerner Johnny Burn. An neun Abenden wird es unter der Leitung von Dominic Deville eine Talkshow mit nationaler Prominenz geben. An drei Abenden gibt es klassische Konzerte. An fünf Pop/Rock-Abenden tritt der Stanser Musiker Ivo mit immer wechselnden Gastmusikern auf. Und drei Abende widmen sich dem volkstümlichen Schlager.

Ein Kernprogrammpunkt wird auch für die Verantwortlichen des Gästivals zu einer Überraschung. Sie haben pro Kanton eine Carte blanche verteilt. «Die ausgewählten Künstler dürfen das Programm an jeweils fünf Abenden frei gestalten», sagt Risi. Die Carte blanche erhalten haben: Canaille du Jour (LU, Spoken Word), Franziska Brücker (UR, Vocal, Gesang, Jazz), Hip-Hop-Kollektiv mit Trachtengruppe Stans (NW), Stefan Camenzind (SZ, Theater) und Roman Britschgi (OW, Weltmusik).

Der Eintritt auf der Seerose kostet tagsüber und abends je 15 Franken.