ZENTRALSCHWEIZ: Geschichte holt Milchbauern ein

Der Nahrungsmittelkonzern Hochdorf beendet die Zusammenarbeit mit den Direktlieferanten. Diese sollen künftig an die Zentralschweizer Milchproduzenten liefern. Das gefällt nicht allen Mitgliedern.

Roseline Troxler
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Mehr Bauern werden in Zukunft ihre Milch wieder bei den Zentralschweizer Milchproduzenten abliefern. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Mehr Bauern werden in Zukunft ihre Milch wieder bei den Zentralschweizer Milchproduzenten abliefern. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

22 Millionen Kilo Milch liefern 55 Bauern aus dem Raum Seetal, Sempachersee und Freiamt jährlich an die Milchverarbeiterin Hochdorf. Mit 53 Millionen Kilo weitaus mehr erhält der Konzern von der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP). Und diese Menge soll zunehmen. So beendet die Hochdorf Swiss Nutrition AG die Zusammenarbeit mit den Direktlieferanten. Ab Juli sollen diese ihre Milch via ZMP anliefern – wieder.

Christoph Hug, Mediensprecher der Hochdorf-Gruppe, sagt: «Zum einen sank die Zahl der Direktlieferanten, und zum anderen hat der ZMP starkes Interesse an diesen signalisiert.» Gleichzeitig betont er die gute Zusammenarbeit mit den ZMP. Die Genossenschaft ist der grösste Aktionär von Hochdorf. Die Direktlieferanten sind laut Hug zu Hochdorf gekommen, weil sie sich damals bei den ZMP nicht entwickeln konnten. «Doch die Genossenschaft hat sich seither stark verändert.»

Aufnahmebedingungen sorgen für Ärger

Der Vorstand der ZMP hat die Wiederaufnahme der 55 Lieferanten am 5. März beschlossen. Es stellte sich nicht nur die Frage, ob, sondern auch unter welchen Bedingungen sie aufgenommen werden. ZMP-Sprecherin Carol Aschwanden: «Wir können durch die Aufnahme eine Angebotsbündelungslücke schliessen.» Bei Hochdorf handelt es sich nach Emmi um den zweitwichtigsten Abnehmer der ZMP-Milch. «Die Aufnahme verschafft uns beim Einkauf, bei der Logistik und der Disposition eine bessere Position», so Aschwanden. «Durch die Aufnahme der Direktlieferanten wurde ein Zustand, der bedauert wurde, verändert.»

Denn bei den Direktlieferanten handelt es sich um ehemalige ZMP-Mitglieder. Ab Mitte 2009 lieferten 64 Mitglieder ihre Milch direkt an Hochdorf. Laut dem «Schweizer Bauer» konnten sie so ihre Milchmenge ausdehnen und einen höheren Preis erzielen. Dies kam bei den übrigen Mitgliedern schlecht an. Die Direktlieferanten wurden aus der Genossenschaft ausgeschlossen. Denn die Statuten geben vor, dass man nur Mitglied sein kann, wenn man die Milch der Genossenschaft liefert.

Diese Geschichte liegt gewissen Mitgliedern noch auf dem Magen. Das Aufnahmeangebot des Vorstands ist manchen sauer aufgestossen. Vorstandspräsident Thomas Oehen betonte im Januar: «Die Direktlieferanten können unsere strategische Erfolgsposition stärken, eine möglichst hohe Milchdichte anzustreben. Der Wiedereintritt zum Nulltarif ist aber nicht möglich.» Wie andere Mitglieder müssen die Direktlieferanten ein Eintrittsgeld von 1000 Franken und während eines Jahres einen Rappen pro Kilo Milch bezahlen. Was mehrere Mitglieder ärgert: Auch die Neumitglieder profitieren von der Dividendenausschüttung von Emmi. Die Genossenschaft hält über die ZMP Invest AG indirekt die Mehrheitsbeteiligung an der Emmi AG. Die Neumitglieder erhalten im Frühling 2019 erstmals die Rückvergütung. Aschwanden unterstreicht: «Die Ausnahme besteht einzig darin, dass diese Lieferanten nicht schon ab Januar 2018 Mitglied sein müssen, um im Frühjahr 2019 von der Rückvergütung zu profitieren.» Sie würden diese anteilsmässig für ein halbes Jahr erhalten. Aschwanden gibt zu, dass den Direktlieferanten ein gewisses Zückerchen in Aussicht gestellt wurde: «Das Ziel war es, diese geschlossen zurückzugewinnen, was auch gelungen ist.»

Laut Aschwanden erhalten die 3100 Mitglieder Ende Mai eine ordentliche Rückvergütung von 2,4 Rappen pro Kilo Milch, welche sie im Geschäftsjahr 2017 produziert haben (pro Mitglied im Durchschnitt 4000 Franken). Ende April werde zudem eine Dividende zum Jubiläum von Emmi ausgeschüttet. Die Mitglieder erhalten 1,6 Rappen pro Kilo Milch.

Neue Mitglieder aufzunehmen, liegt laut Aschwanden in der Kompetenz des Vorstands. Daher sei der Entscheid fix. Mit gewissen Delegierten der Wahlkreise Seetal-Freiamt und Sempachersee gab es eine Aussprache. «Die unterschiedlichen Auffassungen konnten aber nicht ausgeräumt werden», so Oehen.

Mitglieder verlangen neues Reglement

Aus den betroffenen Wahlkreisen wurden jüngst zwei Anträge eingereicht. So wird verlangt, dass der Vorstand rückwirkend auf Mitte Januar keine Neumitglieder aufnehmen darf, bis ein neues Reglement genehmigt wird. Laut Vorstand aber können Beschlüsse nicht rückwirkend korrigiert werden. Daher wird er nicht unterbreitet. Ein zweiter Antrag verlangt ein neues Aufnahmereglement. Der Vorstand beantragt für die Versammlung am 11. April die Ablehnung des Antrags. Er legt allerdings neue Grundsätze fest. So können Neumitglieder etwa erst nach vier Jahren vom Emmi-Erfolg profitieren.