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ZENTRALSCHWEIZ: In den Bergen verunfallen weniger Wanderer tödlich

Die Zahl der Bergnotfälle und der Bergtoten dürfte heuer kleiner sein als im Vorjahr. Das Wetter ist nicht der einzige Grund dafür.
Yasmin Kunz
Auch die Rega – hier eine Rettungsübung – musste dieses Jahr bislang weniger oft ausrücken als 2015. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann)

Auch die Rega – hier eine Rettungsübung – musste dieses Jahr bislang weniger oft ausrücken als 2015. (Bild: Keystone/Dominic Steinmann)

Yasmin Kunz

Das nasse Wetter in der ersten Jahreshälfte hat auch positive Auswirkungen. So sind in den Zentralschweizer Bergen zwischen Januar und Juni 2016 drei Personen weniger ums Leben gekommen als im gleichen Zeitraum im Vorjahr.

Konkret zählte der Schweizerische Alpen-Club (SAC) 2015 im ersten Halbjahr in der Zentralschweiz 13 Bergtote. Heuer, im gleichen Zeitraum, sind es mit 10 Bergtoten drei weniger, wie der SAC auf Anfrage unserer Zeitung sagt. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Bergnotfällen in der Innerschweiz. 2015 zählte der SAC zwischen Januar und Juni 2015 146 Bergnotfälle, in diesem Jahr waren es bis Ende Juni 137.

2015: 2750 Menschen in Notlage

Ueli Mosimann, Verantwortlicher für die Sicherheit im Bergsport beim Schweizerischen Alpen-Club, vermutet, dass das Wetter den grössten Einfluss auf das Unfallgeschehen hat: «In Schönwetterjahren sind viel mehr Berggänger unterwegs, und so passieren leider auch mehr Unfälle.» Die heissen Sommermonate 2015 bestätigen Mosimanns Aussage: Vergangenes Jahr sind in den Schweizer Alpen und im Jura 2750 Personen in eine Notlage geraten und mussten von der Bergrettung geborgen werden. Insgesamt sind in den Bergen letztes Jahr 213 Menschen gestorben. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren es 162. Beim Bergsport im engeren Sinn – bei Sportarten ohne Geräte wie etwa Wandern – sind 142 Menschen tödlich verunfallt. Das entspricht 48 Prozent mehr als im Jahr 2014.

Bergsportler besser vorbereitet

Es ist aber nicht das Wetter allein, das die Zahl der Todesfälle in den Bergen beeinflusst, wie Mosimann sagt. Die Leute seien generell besser vorbereitet und würden sich auch adäquat ausrüsten. Er stellt jedoch fest, dass die Zahl der kleineren Notfälle stetig zunimmt. «Die Bergrettung muss immer mehr Bergsteiger unverletzt evakuieren. Weil sie erschöpft oder überfordert sind. Zum Teil haben sie sich auch verirrt.» Er windet der Schweizer Bergrettung ein Kränzchen: «Ohne die sehr effiziente Bergrettung in der Schweiz hätten wir sicher deutlich mehr Bergtote.»

Männer sind besonders gefährdet

Gemäss SAC-Statistik sind bei tödlichen Unfällen in den Bergen zu rund 50 Prozent Ausländer betroffen. Mosimann sagt dazu: «Vielfach ist Unerfahrenheit im Spiel. Hinzu kommt, dass die Touristen, wenn sie von weit her in die Schweiz gereist sind, die geplante Tour auch partout durchziehen wollen – egal, wie das Wetter ist.» Auch die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) kommt in einem langjährigen Schnitt zu gleichen Resultaten. So sind zwischen 2006 und 2015 beim Wandern, Bergsteigen und Klettern 521 Schweizer und 291 Ausländer gestorben.

Besonders gefährdet seien Alleingänger und Männer über 50 Jahre. Mosimann sagt dazu: «Männer sind viel risikofreudiger als Frauen. Das sieht man auch bei Unfällen bei anderen Sportarten oder im Strassenverkehr.» Die BfU hält dies statistisch fest: Zwischen den Jahren 2006 und 2015 sind beim Wandern, Bergsteigen und Klettern in der Schweiz 164 Frauen tödlich verunglückt. Bei den gleichen Sportarten starben im gleichen Zeitraum 648 Männer, also rund fünfmal mehr.

Zahl der Rega-Einsätze schwankt

Die Anzahl der schweizweiten Einsätze der Schweizerischen Rettungsflugwacht (Rega) aufgrund von Bergunfällen im ersten Halbjahr 2016 ist leicht zurückgegangen. Mit 158 Einsätzen zählt die Rega 12 Rettungseinsätze weniger als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. «Die Einsatztätigkeit der Rega-Helikopter ist immer gewissen Schwankungen ausgesetzt und hängt stark von den Wetterbedingungen, dem Freizeitverhalten und der Reisetätigkeit der Schweizer und Touristen ab. Im Juli hatten wir beispielsweise ähnlich viele Einsätze wie im Vorjahr», sagt die Rega-Sprecherin Ariane Lendenmann zu den Zahlen. Ausserdem weist sie darauf hin, dass beispielsweise ein Wanderer, der in den Bergen einen Herzinfarkt erleidet und von der Rega gerettet wird, nicht als Bergunfall, sondern als Krankheit registriert wird.

Gemäss SAC sterben am meisten Menschen in den Bergen beim Wandern, gefolgt von Hochtourengängern und Skitourenfahrer. Die BfU-Statistik (2006-2015) hält zudem fest, dass Abstürzen in den Bergen mit 82 Prozent die häufigste Todesursache ist. Weitere Todesfälle ereigneten sich wegen Steinschlag, Spaltensturz und Lawinen. Wanderer sind dabei oft nicht auf der offiziellen Route unterwegs. Mosimann sagt: «Es ist nicht a priori gefährlicher, sich auf unmarkierten Wegen aufzuhalten.» Dennoch empfiehlt er, nur markierte Wanderwege zu benutzen.

Sicherheitsregeln

Die Wandersaison dauert noch bis im Herbst. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) hat im Jahr 2014 die Kampagne «Bergwandern – aber sicher» lanciert. Diese wird nebst der BfU auch von Schweizer Wanderwege, Seilbahnen Schweiz und der Versicherung Atupri getragen. Sie haben den Bergwandercheck «Peak» (zu Deutsch Gipfel) mit Tipps zusammengestellt.

P – Planung: Was habe ich vor? Planen Sie die Route, den Zeitbedarf und prüfen Sie Weg- und Wetterverhältnisse.

E – Einschätzung: Ist diese Wanderung für mich geeignet? Wählen Sie einen Ihren aktuellen Fähigkeiten entsprechenden Wanderweg (gelb: Wanderwege ohne besondere Anforderungen oder weiss-rot-weiss: Bergwanderwege). Schwierige Touren sollten Sie nicht allein machen.

A – Ausrüstung: Habe ich das Richtige dabei? Tragen Sie feste Wanderschuhe mit Profilsohlen. Nehmen Sie Sonnen- und Regenschutz sowie warme Kleidung mit.

K – Kontrolle: Bin ich noch gut unterwegs? Trinken, essen und ruhen Sie regelmässig. Beachten Sie zudem die Zeitplanung und Wetterentwicklung. Verlassen Sie die markierten Wege nicht.

kuy

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