ZENTRALSCHWEIZ: Kantonsspitäler locken mit Edelzimmern

Immer mehr öffentliche Spitäler rüsten ihre Zimmer in Luxusoasen um. Im Fokus sind privat versicherte Patienten – die Domäne der Privatspitäler.

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Eines der 52 Zimmer der Abteilung «Excellence» für Privatversicherte im Luzerner Kantonsspital. (Archivbild Philipp Schmidli)

Eines der 52 Zimmer der Abteilung «Excellence» für Privatversicherte im Luzerner Kantonsspital. (Archivbild Philipp Schmidli)

Das Luzerner Kantonsspital (Luks) in Luzern hat sich zum neuen Jahr gleich selber beschenkt. So vermeldete das Spital, dass die Abteilung «Excellence» für Privat- und Halbprivatversicherte um 26 Zimmer ausgebaut wurde (Ausgabe vom 6. Januar). Acht Millionen Franken liess sich das Luks diese «Umoperation» eines Stockwerks kosten. Neu bietet diese Abteilung mit 52 Zimmern doppelt so viele wie bisher. Diese können als Ein- oder Zweibettzimmer für halbprivat und privat Versicherte eingerichtet werden und erinnern mit edlen Designmaterialien wie Holz und Glas mehr an ein Hotel als an ein Spital.

Einzelzimmer mit Hotelservice

Erst 2012 wurde die Abteilung «Excellence» eingerichtet. Patienten geniessen dort Extras wie einen separaten Service durch Hotellerie-Angestellte. Sie können von einer eigenen Menükarte aussuchen, erhalten zwei Tageszeitungen, Bücherservice, Früchteschalen. Auch die Behandlung durch den Ober- oder Chefarzt gehört in der Regel zu den Vorzügen.

Das Luks steht mit diesem Angebot freilich nicht alleine da: Über Privatabteilungen verfügen auch die anderen Kantonsspitäler in der Zentralschweiz. Diese Abteilungen sind eine Folge der neuen Spitalfinanzierung und der freien Spitalwahl, die seit 2012 gilt. Private und öffentliche Spitäler stehen seither in direkter Konkurrenz. Das hat dazu geführt, dass öffentliche Spitäler um die lukrativen Privatpatienten buhlen. Denn bei diesen sind die Tarife, welche die Krankenkassen vergüten, fix, während die Tarife für die Behandlung allgemein Versicherter die Spitäler unter einen ungleich grösseren Kostendruck setzen. Luxuszimmer sind offenbar ein Erfolg, wie der jüngste Ausbau in Luzern zeigt.

Spitäler spüren Konkurrenzdruck

Doch graben sich die Spitäler mit ihren Privatabteilungen nicht gegenseitig das Wasser ab? «Wir konnten den Anteil der zusatzversicherten Patienten von gut 17 Prozent in den letzten Jahren konsequent halten», sagt Luks-Sprecherin Ramona Helfenberger. Die Auslastung der Luxuszimmer sei jedoch immer hoch. Traditionell auf Privatversicherte spezialisiert ist die private Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern. Den Konkurrenzdruck spürt die Klinik: «Wir stehen in einem gesunden Wettbewerb mit den Kantonsspitälern», sagt Mediensprecher Patric Bürge.

Von den 200 Patientenzimmern hat das St. Anna 50 Einzelzimmer zur privaten Belegung – die meisten mit Seesicht. Unter den rund 11 080 stationären Patienten waren im letzten Jahr gut 19 Prozent privat versichert, 40 Prozent halbprivat und die restlichen 41 Prozent hatten eine Grundversicherung. Die Zahl der zusatzversicherten Patienten hat in den vergangenen Jahren «leicht zugenommen», so Bürge. «Die Patienten mit einer Zusatzversicherung wählen ihren Arzt selber, zudem werden sie permanent durch einen Facharzt betreut. Eine hochstehende Hotellerie ist selbstverständlich.»

Zuwachs an Privatversicherten

Zum einen ist da der wachsende Konkurrenzkampf der Spitäler um die «lukrativen» Patienten. Gleichzeitig ist dies ein wachsender Markt: So verfügten bei der Krankenkasse Concordia mit Hauptsitz in Luzern letztes Jahr 152 200 Versicherte über eine der Zusatzversicherungen Privat, Halbprivat oder Libero (siehe Kasten). Dies bei 537 300 Versicherten mit einer obligatorischen Grundversicherung. Jene Kunden mit einer der erwähnten Spitalzusatzversicherungen machten also 28 Prozent davon aus – im Jahr 2011 waren es 4 Prozent weniger. Astrid Brändlin, Sprecherin der Concordia, sieht die Gründe für die Zunahme bei der freien Arzt- und Spitalwahl. «Dadurch gewinnt man zusätzliche Sicherheit, vor allem auch bei schwierigen medizinischen Problemen und Eingriffen. Für die Patienten ist das von grossem Nutzen.» Denn nur mit den Spitalzusatzversicherungen Privat und Halbprivat können die Patienten sowohl das Spital als auch den Arzt frei wählen.

Auch bei der Helsana zeigt sich diese Tendenz: «Wir verzeichnen eine stetige, leichte Zunahme in den letzten Jahren», sagt Mediensprecher Stefan Heini.

Zug: 56 Betten für Zusatzversicherte

Die Abteilung für Halbprivatversicherte am Kantonsspital Zug hat 17 Zimmer mit 34 Betten. Für Privatversicherte stehen 22 Einzelzimmer zur Verfügung. Total hat das Kantonsspital 182 Betten. Im Jahr 2014 hat das Zuger Kantonsspital 10 451 Patienten behandelt. 1468 davon waren halbprivat versichert (14 Prozent), 1039 privat (10 Prozent). Im Vorjahr waren die Anteile der Zusatzversicherten gleich hoch. Die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor.

Das Kantonsspital Nidwalden verfügt seit November 2010 über eine Privatstation mit Einzelzimmern für privat- und Doppelzimmer für halbprivat Versicherte. Diese wurde letzten Herbst für 450 000 Franken von 16 auf 28 Zimmer ausgebaut. Insgesamt verfügt das Kantonsspital über 62 Zimmer.

Auch am Spital Schwyz werden privat und halbprivat versicherte Patienten in einem separaten Bettenhaus untergebracht. Dieses hat 22 Zimmer, davon 8 Einerzimmer, die ausschliesslich für Privatpatienten reserviert sind. Das ganze Spital hat total 81 Zimmer.

Das Kantonsspital Uri bietet bei total 43 Betten fünf Suiten an. Die Privatzimmer im Kantonsspital Obwalden in Sarnen wurden im Mai 2014 noch um fünf Zimmer auf insgesamt 15 erweitert. Total gibt es in Sarnen 54 Zimmer.

Guy Studer und Niels Jost