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ZENTRALSCHWEIZ: Keine Arbeit in den Skigebieten

Der Schnee fehlt, für kleine Skigebiete ist die Lage prekär. Es drohen Einbussen von bis zu 75 Prozent – nun wird gar Kurzarbeit zum Thema.
Ein Bild wie nach dem Saisonende – die Restaurant-Mitarbeiter bei der Station Rossweid in Sörenberg sind kaum beschäftigt. Dabei wäre bald Hochsaison in den Skigebieten. (Bild Dominik Wunderli)

Ein Bild wie nach dem Saisonende – die Restaurant-Mitarbeiter bei der Station Rossweid in Sörenberg sind kaum beschäftigt. Dabei wäre bald Hochsaison in den Skigebieten. (Bild Dominik Wunderli)

Die Seile der Bergbahnen sind geschmiert, die Vorratskammern der Hotels gefüllt. Doch die Wintergäste bleiben aus. Einen solch schlechten Saisonstart gab es im Skigebiet Sörenberg seit Jahren nicht. «Die Situation ist angespannt», sagt Carolina Rüegg, Direktorin von Sörenberg Flühli Tourismus. Skifahren sei unmöglich. «Das ist um diese Jahreszeit aussergewöhnlich und habe ich in den vergangenen 15 Jahren nur einmal erlebt.» Derzeit sind nur die Gondelbahn Rossweid und die Luftseilbahn zum Brienzer Rothorn offen.

Lama-Trecking statt Skitouren

«Wir haben wegen des mangelnden Schnees ein Alternativprogramm auf die Beine gestellt», sagt Rüegg. Anstelle von Skifahren zwischen Weihnachten und Neujahr wirbt Sörenberg nun mit «tierischen Erlebnissen» und «Spiel und Spass»: Lama-Trecking-Touren, Tennis oder ein Besuch in der Kneippanlage Schwandalpweiher Flühli stehen auf dem Programm. «Wir machen, was wir können», sagt Rüegg. Jammern bringe nichts. «Finanziell ist die Situation aber frappant.» Wie hoch das Loch in der Kasse letztlich sein wird, sei derzeit noch offen. Klar ist: Der fehlende Schnee hat Auswirkungen auf alle Branchen, die im Tourismusbereich tätig sind – Restaurants, deren Zulieferer, Bergbahnen, Sportgeschäfte. Laut Rüegg arbeiten im Skigebiet Sörenberg bis zu 300 Personen. «Ein Grossteil des Personals hat Saisonverträge.» Man versuche nun, nur das nötigste Personal aufzubieten. «Derzeit klären etwa die Bergbahnen ab, inwiefern die Kosten optimiert werden können», sagt Rüegg. Sie schliesst nicht aus, dass auch die Einführung von Kurzarbeit nun zum Thema wird (siehe Kasten).

Die Einbussen sind «gravierend»

Im Skigebiet Ibergeregg seien die Einbussen «gravierend», sagt Paul Rubli, Eigentümer der Skilifte Ibergeregg. «Wir haben keinen Schnee und somit keine Bahn geöffnet, ausser der beiden Luftseilbahnen, die das ganze Jahr über offen sind.» Die Folge: Einbussen von bis zu 75 Prozent. «Normalerweise sollten wir bis zum 3. Januar einen Drittel der Einnahmen der Wintersaison gemacht haben, aber das schaffen wir ganz sicher nicht», sagt Rubli. Die Bahn beschäftigt normalerweise eine Handvoll Aushilfen und elf Festangestellte. Die Aushilfen und fünf der Festangestellten würden momentan nicht zur Arbeit kommen können. Er hoffe, dass bald Schnee falle. Diesen Winter hätte es auf Ibergeregg schon zwei Mal einen halben Meter Schnee gegeben – er schmolz wieder. «Das ist fast nicht zu glauben.»

Einbussen muss auch Thomas Küng, Geschäftsführer der Brunni-Bahnen im Gebiet Engelberg, hinnehmen. «Am Sonntag hatten wir die Hälfte der Einnahmen, die wir normalerweise an einem solchen Tag im Vollbetrieb haben», sagt er. Er sei aber zuversichtlich, dass über die Festtage der Vollbetrieb angeboten werde. Doch bis es so weit ist, müssen einige Mitarbeiter Minusstunden in Kauf nehmen. Vor allem jene der 75 Angestellten, die für die Pistenpräparation zuständig seien. «Ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiter die Minusstunden wieder aufholen können.»

Es fehlen die Hotelgäste

Im Vergleich zu anderen Skigebieten habe man in Engelberg aber eine glückliche Situation, sagt Frédéric Füssenich, Direktor Engelberg- Titlis Tourismus AG. Im Dorf seien die Schneeverhältnisse derzeit zwar «noch schlecht», aber ab 1800 Metern seien sie perfekt. Dennoch: Man spüre bei den Hotelbuchungen, dass die «Kurzentschlossenen zuwarten» mit Buchen. Dies bestätigt auch Thomas Dittrich, Präsident des Hoteliervereins Engelberg: «Wir haben über die Festtage eine Auslastung von 85 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind wir bei 10 bis 15 Prozent Einbussen.» Engelberg habe aber viele Stammgäste, und die meisten Pisten seien offen. «Wir profitieren, dass andere Gebiete keinen Schnee haben.»

Personal baut Überstunden ab

Schlechter sieht es derzeit auf der Klewenalp aus. Im Berggasthaus Panorama wurden 10 bis 20 Prozent der gebuchten Übernachtungen über die Weihnachtstage storniert. Derzeit ist an reguläres Skifahren nicht zu denken, sagt Nicole Odermatt, Marketingverantwortliche der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG. Das Personal sei auf einen Minimalbestand reduziert worden. Rund 30 Festangestellte arbeiten für die Bergbahnen AG. «Sie bauen derzeit ihre Überstunden ab.» Kurzarbeit sei derzeit aber kein Thema. Denn einen Grossteil der Saisonniers habe man noch gar nicht aufgeboten, sagt Odermatt. «Bei uns arbeiten viele Personen im Stundenlohn.» Diese Arbeiter – vielfach Landwirte aus der Region – bedienen hauptsächlich die Skilifte.

Wie stark sich der miserable Saisonstart auf die Finanzen niederschlägt, sei nicht abschätzbar, sagt Odermatt. «Aber zwischen 25 und 30 Prozent unseres Winterumsatzes machen wir im Normalfall über die Festtage.» Es würden derzeit vor allem die Skiclubs fehlen. «Wir mussten die Buchungen wegen des fehlenden Schnees stornieren. Die Clubs gehen nun in höher gelegene Gebiete.»

Profitieren also höher gelegene Skiorte wie etwa Andermatt von der misslichen Situation in den unteren Lagen? «Das merken wir schon», sagt Flurin Riedi, Direktor der Ferienregion Andermatt. Viele der Hotels seien über die Festtage «bestens» ausgebucht. «Wir haben perfekte Schneeverhältnisse, das ist nicht selbstverständlich.»

Hoffnung kommt am Stephanstag

Auch auf der Melchsee-Frutt gebe es auf 2000 Metern über Meer ausreichend Schnee, sagt Thomas Keiser, Leiter Marketing und Sales der Sportbahnen Melchsee-Frutt. «Trotzdem haben wir nicht alle Anlagen offen.» Einen Umsatzrückgang von etwa 25 bis 30 Prozent habe man in diesen Tagen verzeichnet.

Im Gebiet Sattel-Hochstuckli ist ein regulärer Skibetrieb noch in weiter Ferne. «Aber es gibt in einer Saison immer gute und schlechte Phasen», sagt Simon Zobrist, Geschäftsführer Sattel-Hochstuckli AG. «Einige unserer festangestellten Mitarbeiter kompensieren momentan Überstunden aus der Herbstsaison.»

Auch auf dem Stoos sind laut Ivan Steiner, Marketingleiter der Stoosbahnen AG, derzeit alle Skilifte geschlossen. «Ob und in welchem Mass wir Einbussen machen, kann ich im Moment noch nicht sagen.» Für eine Bilanz müsse die ganze Saison angeschaut werden.

Laut Meteorologen gibt es in den nächsten Tagen auch in höheren Lagen keinen Neuschnee. Erst auf den Stephanstag am 26. Dezember hin könnten wieder etwas grössere Mengen fallen.

Hohe Hürden für Kurzarbeit

LUZERN cch. Unternehmen in Wintersportgebieten können infolge Schneemangels Kurzarbeitsentschädigung verlangen. Dies ist eine Versicherungsleistung der Arbeitslosenversicherung (ALV) und steht allen Unternehmen zu, denen wegen zu viel oder zu wenig Schnee die Kunden ausbleiben.

Einbussen müssen drastisch sein

Der Antrag ist für einen Monat auszufüllen und muss jeweils am fünften Tag des Folgemonats bei der kantonalen Amtsstelle eingereicht werden. Die Anforderungen für eine «Entschädigung der Ausfallzeiten» seien aber hoch, sagt Thomas Würgler, Leiter der Arbeitslosenkasse des Kantons Luzern. «Die Betriebe müssen belegen, dass ihr Umsatz weniger als 25 Prozent beträgt als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.»

Wie viele Wintersportbetriebe derzeit wegen des fehlenden Schnees Entschädigung beantragt haben, kann Würgler nicht sagen. «Die Gesuche für Dezember 2014 müssen bis am 5. Januar 2015 bei uns eintreffen.»

In den vergangenen Jahren habe es aber nur «ein paar wenige» solcher Anträge gegeben, sagt Würgler. Letztmals seien in Luzern in der Saison 2010/11 aufgrund ungewöhnlicher Wetterverhältnisse Kurzarbeitsentschädigungen in der Höhe von 5600 Franken ausbezahlt worden. Zuvor wurden in der Saison 2006/07 53 000 Franken ausbezahlt. Für die aktuelle Saison rechnet Würgler nicht mit einem massiven Anstieg des Leistungsbezugs.

Sarah Weissmann und Christian Hodel

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