ZENTRALSCHWEIZ: Perlen ist bereit für den Abfallberg

Am Mittwoch werden in der Verbrennungsanlage Renergia die Öfen angezündet. Aus dem Abfall entsteht so viel Strom, dass ein Drittel des Bedarfs der Stadt Luzern gedeckt werden kann.

Robert Knobel
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Im September 2012 erfolgte der Spatenstich - jetzt ist die neue Abfallverbrennungsanlage betriebsbereit. (Bild: Nadia Schärli)

Im September 2012 erfolgte der Spatenstich - jetzt ist die neue Abfallverbrennungsanlage betriebsbereit. (Bild: Nadia Schärli)

Robert Knobel

Geschenkpapier, die Reste vom Festmenü und bereits entsorgte Weihnachtsgeschenke: Über die Festtage haben sich einmal mehr Berge von Abfall angesammelt. Und diese wurden in der Region Luzern ein letztes Mal in der über 40-jährigen Kehrichtverbrennungsanlage Ibach am Luzerner Stadtrand entsorgt. Diese Woche geht dort der Ofen aus dafür wird er in Perlen, in der neuen Verbrennungsanlage Renergia, angeschaltet. «Am 7. Januar werden wir das erste Feuer entzünden», sagt Ruedi Kummer, Gesamtprojektleiter der Renergia.

Sie zündeten am 7. Januar 2015 das Renergia-Feuer (von links): Ruedi Kummer (Gesamtprojektleiter), Franz-Xaver Muheim (Verwaltungsratspräsident Renergia AG), Martin Zumstein (Geschäftsleiter Real) und Jürg Meyer (Initiator der Renergia). (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
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Pro Jahr werden 200'000 Tonnen Güsel aus der Zentralschweiz angeliefert. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Ein Lastwagen lädt den Abfall ab. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Der Kran bringt den Abfall zum Verbrennungsofen. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Abfall liegt zum Brennen bereit. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die Kommandozentrale in der neuen Kehrrichtverbrennungsanlage. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Die ersten Lastwagen fahren vor. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Ein Lastwagen bei der Anfahrt. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)
Dezember 2014: Im September 2012 erfolgte der Spatenstich - jetzt ist die neue Abfallverbrennungsanlage betriebsbereit. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. Luftkondensatoren auf dem Dach der Anlage. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. Abfallanlieferung: Zu Testzwecken wurde vor Weihnachten bereits Abfall angeliefert. (Bild: Nadia Schärli)
Die fertig erstellte neue Kehrichtverbrennungsanlage im Dezember 2014. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. Der Kommandoraum. (Bild: Nadia Schärli)
Dezember 2014. (Bild: Nadia Schärli)
Bild: Quelle: Renergia / Grafik: Martin Ludwig
Blick auf die KVA Renergia in Perlen am 22. Oktober 2014. (Bild: René Meier)
Der Fassadenbau ist einer der letzten Schritte vor der Inbetriebnahme. (Bild: Philipp Zurfluh)
Blick auf das Dach der Anlage. (Bild: Philipp Zurfluh)
Über diese roten Rohre wird der erzeugte Dampf in die Papierfabrik geliefert. (Bild: Philipp Zurfluh)
Die Aussenansicht des Kommandoraums. (Bild: Philipp Zurfluh)
Vom Kommandoraum wird der Ablauf der Kehrichtverbrennung gesteuert. (Bild: Philipp Zurfluh)
Mit dem Kehrichtkrahn wird der Abfall transportiert. (Bild: Philipp Zurfluh)
Blick auf die KVA Renergia in Perlen. (Bild: René Meier)
Dezember 2013 (Bild: Dominik Wunderli)
Dezember 2013 (Bild: Dominik Wunderli)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013 (Bild: Hugo Bischof / Neue LZ)
Dezember 2013: Einbau der Teile für den Verbrennungsofen (Bild: PD)
Dezember 2013: KVA in der Abenddämmerung (Bild: PD)
Dezember 2013: Einbau der Verfahrenstechnik (Bild: PD)
Dezember 2013: Einheben von Kesselteilen (Bild: PD)
Dezember 2013: Komponenten der Rauchgasreinigung werden eingehoben. (Bild: PD)
Für das Jahr 2014 stehen nun die weitere Montage der Verfahrenstechnik, der Stahlbau sowie die Fertigstellung des Dachs und der Fassaden auf dem Programm. (Bild: PD)
September 2013: Rundgang durch die Baustelle der KVA. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
Bild: Nadia Schärli / Neue LZ
13.9.2012: Spatenstich für die neue Kehrrichtverbrennungsanlage. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Bild: Manuela Jans / Neue LZ
Längsschnitt der Verfahrenstechnik. (Bild: PD)
Bild: PD

Sie zündeten am 7. Januar 2015 das Renergia-Feuer (von links): Ruedi Kummer (Gesamtprojektleiter), Franz-Xaver Muheim (Verwaltungsratspräsident Renergia AG), Martin Zumstein (Geschäftsleiter Real) und Jürg Meyer (Initiator der Renergia). (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Abfall aus der ganzen Zentralschweiz

Renergia ist der Name eines spektakulären Grossprojekts. War ursprünglich lediglich ein Neubau der KVA Ibach in Luzern geplant, wurde daraus später das Projekt für die 320 Millionen Franken teure Grossanlage, in welcher künftig der Abfall aus der gesamten Zentralschweiz verbrannt wird 200 000 Tonnen jährlich. Doch Renergia ist nicht nur eine der grössten KVA der Schweiz, sondern auch ein Kraftwerk. Mit der Kehrichtverbrennung werden grosse Mengen Dampf erzeugt, der für die Stromerzeugung sowie die Dampfversorgung der Perlen Papier AG genutzt wird. So soll Renergia jährlich 155 Gigawattstunden Strom ins öffentliche Netz einspeisen – das entspricht dem Verbrauch von etwa 38 000 Haushalten oder einem Drittel des gesamten Stromverbrauchs der Stadt Luzern. Zudem wird Wärme an die benachbarte Papierfabrik Perlen geliefert, wo sie zur Trocknung von Papier eingesetzt wird. Auf diese Weise lassen sich 40 Millionen Liter Heizöl pro Jahr einsparen.

Die Kehrichtverbrennungsanlage Renergia wird stufenweise in Betrieb genommen. Ab 7. Januar werden dort zunächst die Abfälle aus der Region Luzern und dem Entlebuch verbrannt. Die Abfälle aus den übrigen Zentralschweizer Gebieten kommen im Laufe der nächsten Monate dazu ab 2016 herrscht dann in Perlen Vollbetrieb mit den Abfällen aus der gesamten Zentralschweiz.

Bahnanschluss bleibt unbenutzt

Die Abfälle werden alle per Lastwagen in Perlen angeliefert über den nahen Autobahnanschluss Buchrain. «Wir haben zwar einen Gleisanschluss, doch bisher hat kein Abfallverband Interesse angemeldet, die Abfälle per Bahn anzuliefern. Dies wäre für die kurzen Distanzen weder ökologisch noch wirtschaftlich», sagt Ruedi Kummer.

In der neuen Kehrichtverbrennungsanlage arbeiten 30 Personen, teils auch im Schichtbetrieb. Denn die beiden 6 mal 10 Meter grossen und 25 Meter hohen Öfen werden rund um die Uhr in Betrieb sein. Nur einmal pro Jahr wird das Feuer gelöscht, um nötige Revisionsarbeiten vorzunehmen. Eine Ausnahme gibt es im kommenden Frühling: Dann werden die Öfen für kurze Zeit ausser Betrieb gesetzt, um eine erste Inspektion durchzuführen. Die offizielle Abnahme der Anlage erfolgt übrigens erst im kommenden Juni. Dann soll auch die eigentliche Eröffnung der Renergia stattfinden.

Wärme für Schindler

Neben Strom und Dampf für die Papierfabrik soll die Renergia auch Fernwärme für andere Nutzer liefern. Abnehmerin der Fernwärme ist die Fernwärme Luzern AG, welche im Oktober damit begonnen hat, ein Fernwärmenetz im Rontal aufzubauen. Die erste Bauetappe in Root soll im Sommer fertiggestellt sein, danach folgt ein zweiter Leitungsast nach Buchrain und Ebikon. Dorthin soll die Renergia ab Oktober 2015 erstmals Fernwärme liefern. Ein Jahr später wird auch die Firma Schindler in Ebikon von dieser Fernwärme profitieren. Sie wird dann dank der Fernwärme die bisherige Gas­heizung ausmustern können.

Schlacke in Deponie aufbereitet

Neben den positiven Nebenerscheinungen der Energiegewinnung gibt es natürlich auch negative. Vom Zentralschweizer Abfall bleiben pro Jahr 40 000 Tonnen Schlacke übrig, die in die Deponie Eielen in Attinghausen transportiert und dort aufbereitet werden. Zudem entstehen bei der Verbrennung Luftschadstoffe. Ruedi Kummer betont allerdings, dass die Grenzwerte der «ohnehin strengen Luftreinhalteverordnung eingehalten und sogar um ein Mehrfaches unterschritten werden». Dies dank einer mehrstufigen Rauchgasreinigung, welche in der neuen KVA Renergia eingebaut ist.