ZENTRALSCHWEIZ: Sie haben Strom im Gepäck

Das weltweit grösste Rennen für Elektroautos ist vorbei. 78 Fahrer kamen gestern auf der Seebodenalp an – mit reichlich «Pfupf unter dem Füdli».

Christian Hodel
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Die Teilnehmer der weltweit grössten Rallye für Elektrofahrzeuge legten diese Woche einen Zwischenstopp in Baar ein. Werner von Rotz aus Stansstad (rechts unten) präsentierte Besuchern seinen Tesla Model S – während das englische Team (links unten) ihr selbstgebasteltes Gefährt vorführte. Bilder Nadia Schärli

Die Teilnehmer der weltweit grössten Rallye für Elektrofahrzeuge legten diese Woche einen Zwischenstopp in Baar ein. Werner von Rotz aus Stansstad (rechts unten) präsentierte Besuchern seinen Tesla Model S – während das englische Team (links unten) ihr selbstgebasteltes Gefährt vorführte. Bilder Nadia Schärli

Andermatt (Bild: Anian Heierli)
18 Bilder
Andermatt (Bild: Anian Heierli)
Baar (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Baar (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Baar (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Baar (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Baar (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Baar (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Baar (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Stansstad (Bild: Keystone)
Stansstad (Bild: Keystone)
Stansstad (Bild: Keystone)
Stansstad (Bild: Keystone)
Stansstad (Bild: Keystone)
Stansstad (Bild: Keystone)
Stansstad (Bild: Keystone)
Baar (Bild: Christof Borner-Keller)
Baar (Bild: Christof Borner-Keller)

Andermatt (Bild: Anian Heierli)

Ein Sportwagen kurvt über eine Bergstrasse, die Reifen quietschen. Im Rückspiegel geht die Sonne unter. Was Menschen fühlen, ist, was sie fahren. Ein Auto, das ist Freiheit.

Doch was, wenn die Werbung im Fernsehen eines bekannten Autoherstellers gänzlich ohne Motorengeräusch auskommt? «Jene, denen es nur um das Motorengeräusch geht, sollen weiterhin ihren Ferrari oder ihre Harley fahren», sagt Louis Palmer. Er ist der Organisator der weltgrössten Elektroauto-Rallye, die gestern auf der Seebodenalp ob Küssnacht am Rigi zu Ende ging – fast geräuschlos. Zehn Tage lang waren 78 Teams aus der ganzen Welt an der «Wave 2014» unterwegs. 1600 Kilometer lang ist die Strecke von Stuttgart durch die Schweiz über Baar, Schwyz bis ins Wallis und zurück in die Zentralschweiz. «Das Ziel der Rallye ist es, die Leute für Elektroautos zu sensibilisieren.»

4,4 Sekunden von null auf hundert

Ohne schlechtes Gewissen sonntags das Auto aus der Garage nehmen, ist auch einer der Gründe, warum sich Werner von Rotz (54) aus Stansstad vor acht Wochen einen Tesla Model S gekauft hat. 8000 Kilometer hat er seither zurückgelegt. «Der Wagen startet wie eine Boeing», sagt von Rotz. Von null auf hundert in 4,4 Sekunden. 420 Pferdestärken, 215 Kilometer pro Stunde. «Die Kraft ist von Anfang an da, nicht wie bei einem Verbrennungsmotor. Das Auto hat Pfupf unter dem Füdli.» Das Fahrgefühl sei unbeschreiblich.

Es hat allerdings auch seinen Preis. Von Rotz’ Wagen ist 125 000 Franken schwer. «Ein ‹Benziner› in derselben Ausstattung und Klasse kostet aber genauso viel.» Dafür zahle er weniger für den Energieverbrauch und den Unterhalt. «Ein Staubsauger braucht auch keinen Service.» Die Bremsen würden ewig halten, weil er das Tempo mehrheitlich über das Gaspedal drossle. Auf die Batterie habe er eine Garantie für acht Jahre – 3.50 Franken koste ihn der Stromverbrauch für 100 Kilometer. «So gesehen ist der Tesla ein günstiges Auto für seine Klasse.» Aber zeichnet sich ein Sportwagen nicht auch durch das Motorengeräusch aus? «Ach, das ist Unsinn. Das Erlebnis ist um einiges besser ohne Motorenlärm und Gestank.»

«Jede Steckdose ist Ladestation»

400 Kilometer reicht die Batterie bei einem durchschnittlichen Tempo von 100 Kilometer pro Stunde, so von Rotz. Auf der Autobahn könne er bei der erlaubten Höchstgeschwindigkeit 300 Kilometer weit fahren. Danach muss er einen Stopp einlegen. «Grundsätzlich ist jede Steckdose eine Ladestation.» Allerdings brauche sein Tesla bei den haushaltsüblichen 230-Volt-Steckdosen gut 30 Stunden von leer auf voll. Zu Hause lade er 400 Kilometer bei 400 Volt und 16 Ampere innert sieben Stunden. «Auf den Schnellladestationen von Tesla können aber innert 20 Minuten 200 Kilometer geladen werden.» Derzeit gibt es in Europa 19 solcher Schnellladestationen, die einzige in der Schweiz ist auf der Raststätte in Lully FR.

Der Tesla ist die Luxusvariante, die von Rotz an der Rallye zeigt. Andere Fahrer haben da kuriosere Gefährte. Futuristisch anmutende Motorräder, umgebaute VW-Käfer, VW-Busse und Landrovers oder ein eigenkonstruiertes Fahrzeug, das an ein Mondmobil oder einen Strandbuggy erinnert. Letzteres Fahrzeug hat der Brite Gordon Foat bis hin zum Motor selbst gebaut. Nur an einen automatischen Scheibenwischer hat er nicht gedacht – weil es in England nie regne, sagt Foat und lächelt.

«Nie mehr einen stinkigen Benziner

Anders als für das britische Team ist von Rotz die Alltagstauglichkeit eines Autos wichtig. «Serienprodukte, die die Umwelt entlasten und erst noch ein besseres Fahrgefühl vermitteln als Benziner, das ist die Zukunft.» Noch sei der Tesla sein Zweitauto. Klar sei aber: «Ich kaufe nie mehr einen stinkigen Benziner.» Bereits im nächsten Jahr soll ein neues Tesla-Modell auf den Markt kommen – ein kleinerer Wagen. «Das wäre ideal für meine Frau, die mit den fünf Metern Länge des jetzigen Autos im Alltag ein wenig Mühe hat.»

Doch warum haben sich Elektroautos noch immer nicht durchgesetzt – sind strombetriebene Fahrzeuge nichts für Autofans, nichts zum Angeben, nichts für die Praxis? «Die Leute kennen solche Autos einfach zu wenig», sagt von Rotz. Es sei nur eine Frage der Zeit, dann gebe es keine «Verbrenner» mehr. Auch Louis Palmer sagt: «Elektrofahrzeuge werden sich durchsetzen. Ab 30 000 Franken könne man heutzutage ein E-Auto samt Batterie kaufen. In den USA sind die Preise tiefer. Bereits ab 12 000 Dollar seien einige Modelle zu haben. «Der Tag, an dem Benziner und E-Autos gleich teuer sein werden, ist nicht mehr weit weg.» Der Tesla zum Beispiel sei bereits heute eines der meistverkauften Autos in Norwegen, so Palmer. Auch in der Schweiz seien derzeit mehrere hundert Stück auf den Strassen unterwegs.