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ZENTRALSCHWEIZ: Tierschutz kämpft für Luchse

Jäger fordern den Abschuss von Luchsen, in den Kantonen Uri, Obwalden und Nidwalden laufen Abklärungen der Behörden. Der Schweizer Tierschutz kritisiert die Diskussion scharf.
Fabian Fellmann
Rund 130 Luchse leben heute in der Schweiz – dass sie zum Abschuss freigegeben werden sollen, sorgt bei Tierschützern für einen Aufschrei. (Bild Theo Heimann/dapd)

Rund 130 Luchse leben heute in der Schweiz – dass sie zum Abschuss freigegeben werden sollen, sorgt bei Tierschützern für einen Aufschrei. (Bild Theo Heimann/dapd)

Fabian Fellmann

Ausgerechnet dort, wo die Luchse 1971 in der Schweiz wieder angesiedelt wurden, steht nun erstmals der präventive Abschuss zur Diskussion: Laut dem Ende März pensionierten Obwaldner Kantonsoberförster Peter Lienert sind die meisten Voraussetzungen für die «Luchsregulierung» erfüllt; sei auch die letzte gegeben, müsse man «ernsthaft daran denken», beim Bund vorstellig zu werden (Ausgabe von gestern).

Ein Präzedenzfall

Solche Worte lassen nicht nur Luchse, sondern auch Tierschützer die Ohren spitzen. «Das ist ein Präzedenzfall. Sollte wirklich eine Abschussbewilligung erteilt werden, werden wir dagegen Protest erheben», sagt Sara Wehrli, Leiterin der Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz. Die Diskussion über den Luchsabschuss läuft auch in den Nachbarkantonen Obwalden, Nidwalden und Uri, die für diese Frage ein gemeinsames Gebiet bilden. Vor wenigen Tagen hat sich der Urner Regierungsrat in der Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss bereit erklärt, beim Bund einen Abschuss zu beantragen, falls alle Bedingungen erfüllt sind.

Möglich machen das die neue Jagdverordnung und das neue Konzept Luchs des Bundes, die erst seit wenigen Monaten in Kraft sind. Sie sehen den Abschuss von Luchsen nicht wie früher nur dann vor, wenn diese zur Gefahr für Mensch und Nutztiere werden.

Gemäss Konzept dürfen Luchse neu auch bejagt werden, wenn es mindestens 1,5 Tiere pro 100 Quadratkilometer Lebensraum gibt und im betroffenen Gebiet im Vorjahr drei Junge zur Welt gekommen sind. Zudem müssen die Kantonsbehörden nachweisen, dass der Bestand an Gämsen oder Rehen sinkt und dies einen Einfluss auf die Verjüngung des Waldes hat. Laut Jägern ist das in Uri, Nidwalden und Obwalden der Fall.

Umsiedeln statt abschiessen

Der Schweizer Tierschutz kritisiert diese Argumentation hart. Wild sei das Grundnahrungsmittel des Luchses. «Lange hiess es, die Jagd erfülle eine Ersatzfunktion zur Regulierung des Wildbestands, weil in der Schweiz keine Grossraubtiere vorkämen. Jetzt, wo die Raubtiere wieder heimisch sind, wollen die Jäger die Bestände dezimieren, weil sie weniger Wild schiessen können. Das ist für uns nicht nachvollziehbar», erklärt Sara Wehrli. Sie räumt ein, dass keine juristische Handhabe besteht gegen Abschussbewilligungen, wenn die Bedingungen gemäss Luchskonzept erfüllt sind. «Wir verlangen aber, dass dies seriös abgeklärt und kein Schnellschuss abgegeben wird», sagt Wehrli.

Gegen die neuen Bestimmungen hat sich der Schweizer Tierschutz vergeblich zur Wehr gesetzt. «Unserer Meinung nach ist es gar nicht möglich, dass zu viele Luchse in einem bestimmten Gebiet vorkommen», sagt Wehrli. «Die Zahl der Luchse ist bestimmt durch den Bestand an natürlichen Beutetieren, sie reguliert sich damit von selbst.» Selbst wenn die Bedingungen für einen Abschuss gegeben sind, sollten die Behörden darauf verzichten – und stattdessen einzelne Tiere einfangen, um sie anderswo auszusiedeln. Das ist bereits geschehen, wobei Schweizer Tiere nach Österreich versetzt wurden.

Die Umsiedelung von Luchsen prüfen die Innerschweizer auch. Der frühere Obwaldner Kantonsoberförster Peter Lienert jedenfalls muss sich nicht dem Vorwurf aussetzen, ein Luchsgegner zu sein: Sein Vater Leo Lienert war es, der 1971 im Melchtal die ersten Luchse aus den slowakischen Karpaten aussetzte. Inzwischen leben schätzungsweise 130 der scheuen Tiere in der Schweiz, vor allem im Jura und in den Alpen.

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