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ZENTRALSCHWEIZ: Unwetter bringt Zerstörung und Trauer

Die heftigen Gewitter hinterlassen gewaltige Schäden. Die Wassermassen rissen Strassen auf und drangen in Wohnhäuser und Tiefgaragen ein. In Dierikon kamen eine junge Mutter und ihre Tochter ums Leben.
Im Dörfli in Dierikon schlägt die Strasse nach dem Unwetter Wellen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Im Dörfli in Dierikon schlägt die Strasse nach dem Unwetter Wellen. (Bild: Corinne Glanzmann)

Roger Rüegger

Die Zerstörung im alten Dorfteil von Dierikon ist gross. Der Götzentalbach verwandelte sich am Sonntagabend in einen reissenden Fluss, der die Strasse im Dörfli auf über 200 Metern aufriss. Die gewaltigen Wassermassen suchten sich ihren Weg durch Gärten, Scheunen, Werkstätten, Keller und Garagen.

Ein trauriges Unglück aber überschattete die Aufräumarbeiten des Zivilschutzes, der Feuerwehr und zahlreicher Bewohner: In einem neueren Wohnhaus sind eine 32-jährige Mutter und ihre 5-jährige Tochter im Keller ertrunken. «Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetroffen», sagte Gemeindepräsident Hans Burri gestern vor Ort. Die Mutter und das Kind seien aus unbekannten Gründen ins Untergeschoss gegangen. Dort sind sie gemäss der Luzerner Polizei ganz offensichtlich vom schnell eindringenden Wasser überrascht worden. Die Frau und das Kind haben den Keller aufgesucht, während der Ehemann der Frau Auto und Roller in Sicherheit brachte. «Um das Auto und den Roller vor den Wassermassen zu schützen, parkierte der Mann diese auf der Strasse. Als er zurück zur Wohnung ging, waren seine Frau und die Tochter nicht mehr da», berichtet Mediensprecher Kurt Graf. Die Frau und das Kind seien im Kellerabteil, das vom Wohnhaus aus zugänglich ist, vom grossen Wasserdruck eingeschlossen worden.

Gefährliche Rettung

Zu diesem Zeitpunkt seien Polizei und Feuerwehr alarmiert gewesen. Der Mann habe das Verschwinden direkt den Einsatzkräften gemeldet. Während des Auspumpens des Kellergeschosses durch die Feuerwehr wurden Mutter und Tochter schliesslich aufgefunden. Das Rettungsteam konnte bei beiden nur noch den Tod feststellen.

Martin Marfurt, Kommandant der Feuerwehr Ebikon-Dierikon, erklärt: «Als wir vor Ort waren, erlebten wir massive Kräfte, sodass wir gezwungen waren, uns zurückzuhalten, damit nicht das Leben unserer Einsatzkräfte gefährdet wurde.» Die Feuerwehr stand während der ganzen Nacht mit 35 Angehörigen im Einsatz. Es wurden diverse Keller ausgepumpt und Schlamm abgetragen. Eine vergleichbare Zerstörungskraft hat Marfurt letztmals bei den grossen Unwettern im Jahr 2005 erlebt. Ein vergleichbares Schadenausmass habe er so aber noch nie gesehen.

Immer wieder Hochwasser

Dass der Götzentalbach über die Ufer tritt und in Gebäude und Keller eindringt, ist jedoch nicht neu, wie verschiedene Anwohner sagen. Gemeindepräsident Burri dazu: «Ein Projekt zur Sanierung des Götzentalbachs wird derzeit vorangetrieben.» Auf Gemeindegebiet sind bereits verschiedene Bäche saniert worden, die ebenfalls durch Wohnquartiere führen, wie Burri sagt.

Brigitta Zimmermann steht am Fenster ihrer Wohnung und beobachtet das Geschehen rund um ihr Haus relativ gelassen. «Das haben wir bestimmt schon fünfmal erlebt. Aber man muss das Beste daraus machen», sagt sie. Ohnehin hat man den Eindruck, dass die meisten Dierikoner mit den Gegebenheiten locker umgehen. Kari Joller räumt mit einer Anwohnerin Unmengen Material von einem Vorplatz, auf dem ihre Autos parkiert sind. «Wir wissen nicht, ob die Autos noch intakt sind. Zuerst müssen wir sie freimachen», sagt Joller, während er eine Leiter aus dem Morast zieht. Neben messbaren Schäden machen aber vor allem jene, die nicht beziffert werden können, die Betroffenen traurig. So der «wunderschöne Garten, in den ich monatelang Energie steckte», sagt Joller. In der Nacht auf Montag wurde dieser vom Götzentalbach einfach weggefegt.

Wussten, was passiert

Zu Schaden kommen nicht nur Privatpersonen. Im Dörfli befinden sich auch Firmen. Adrian Widler, Inhaber des Blumengeschäfts Widler, erklärt: «Die Zufahrt zu unserem Betrieb ist gesperrt, weil die Strasse zerstört wurde. Die meisten unserer Firmenfahrzeuge bleiben heute auf dem Areal.» Nur gerade zwei Mitarbeiter seien ihrer Arbeit nachgegangen; die anderen seien mit Aufräumarbeiten beschäftigt, sagte er. Als die Gewitter am Sonntag einsetzten, wussten viele Bewohner im Dörfli, was es geschlagen hatte. «Wenn es dermassen regnet, rechnen wir mit allem», sagt eine Frau.

Auch in Udligenswil haben gestern zahlreiche Leute Schaufeln, Wasserschläuche und Schubkarren zur Hand genommen, um die Spuren, die das Unwetter hinterlassen hat, zu beseitigen. Im Quartier Zweiermatt fährt regelmässig ein Autotransporter zu, der aus einer Tiefgarage Fahrzeuge der Anwohner auflädt und diese abtransportiert. «Die Tiefgarage hat sich innert kürzester Zeit mit Wasser gefüllt. Es bestand keine Chance, auch nur ein Auto zu retten», sagt Anwohner Jörg Scherer, während sein Auto auf den Transporter gezogen wird. Der Schlamm verursacht an den Autos enorme Schäden. Viele, wenn nicht alle, hätten einen Totalschaden erlitten, vermutet der Mann, der in der Autobranche tätig ist.

Massnahmen nicht möglich

Auch im Würzenbachquartier in Luzern stand die Feuerwehr im Dauereinsatz. Laut Feuerwehr ist Wasser in 28 Keller und drei Tiefgaragen eingedrungen. Zur Situation sagt Rolf Kurmann, der den Einsatz leitete: «Der Würzenbach trat über die Ufer und suchte sich den Weg die Würzenbachstrasse entlang. Die Wassermassen waren so gewaltig, dass keine Chance bestand, vorgängig Massnahmen zu treffen.»

Hinweis

Für die nicht durch Versicherungen abgedeckten Schäden hat die Gemeinde Dierikon folgendes Spendenkonto eingerichtet: IBAN: CH87 0900 0000 6178 1379 3; Konto Postfinance: 61-781379-3; Stichwort: Unwetter Dierikon

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