Zentralschweiz: Wespenplage bringt Apotheker an den Anschlag

Wegen der Hitze und des regenarmen Frühlings sind derzeit sehr viele Wespen unterwegs. Wenig freuen dürfte dies in der Zentralschweiz die Allergiker: Bei einem von zwei Notfallmedikamenten liegt ein Lieferengpass vor.

Chiara Zgraggen
Drucken
Teilen
Sind wenig beliebt: die Wespen. (Bild: Getty)

Sind wenig beliebt: die Wespen. (Bild: Getty)

«Bzzzz!» – dieses Geräusch stört derzeit viele, die es sich draussen gemütlich machen: Die Wespen sind momentan überall. Manuel Wegmann, diplomierter Naturwissenschaftler ETH und Geschäftsführer der schweizweit tätigen Schädlingsbekämpfungsfirma Anticimex, sagt denn auch: «Wir können uns kaum wehren vor Aufträgen. Dieses Jahr geht für uns in die Geschichte ein.»

Bei Wegmanns Firma gingen am Montag vor einer Woche 80 Anfragen ein, die meisten wegen Wespennestern. Das liege am warmen und trockenen Sommer, aber nicht nur. «Bereits der Frühling war sehr warm und wenig feucht. Das hat den Bau der Nester begünstigt.» Der Höhepunkt der Wespenpopulation sei womöglich jetzt erreicht.

Christian Frank, Leiter des Öko-Forums Luzern, sagt auf Anfrage, die Zahl der Anfragen zum Thema Wespen habe bislang im Vergleich zum letzten Jahr nicht zugenommen. «Wir konnten aber einen markanten Anstieg der Besuche auf unserer Website zum Thema Wespen verzeichnen. Sieht ganz so aus, als ob sich mehr Personen zum Thema Wespen informieren, sich jedoch gleich viele wie im Vorjahr beraten lassen.»

Bei Allergiemedikament drohen Hamsterkäufe

Besonders besorgt sind derzeit Wespenstichallergiker. Denn das Notfallmedikament «Epipen» hat derzeit mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Das Arzneimittel ist voraussichtlich erst per 1. Oktober wieder lieferbar. Auf dem Markt gibt es lediglich ein Ersatzmedikament namens «Jext». Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung bittet Ärzte und Apotheker deshalb, keine «Hamsterkäufe» zu tätigen. Wie Pascale Ineichen, Communications Manager des Ärztegrossisten «Zur Rose» auf Anfrage mitteilt, haben die Verkäufe des Ersatzmedikaments «Jext» sehr stark zugenommen.

Mit gewissen Tricks kann eine Wespenplage verhindert werden:

Was wohl wenige wissen: Lediglich zwei von acht einheimischen Wespenarten «fliegen» auf unser Essen – die sechs anderen Arten bestäuben lieber Beerensträucher oder Wildpflanzen. So oder so sollte man die Feindseligkeit gegenüber Wespen ablegen – schliesslich ernähren sie sich von unliebsamen Tieren wie Mücken, Fliegen, Spinnen, Raupen oder Blattläusen. Auch bei Förstern erfreuen sich Wespen grosser Beliebtheit, da sie Baumschädlinge vertilgen.

Bei Umsiedlung: Fachmann zu Rate ziehen

Sorgt dennoch ein Wespennest für Unruhe, kann ein Experte für eine Umsiedlung zu Rate gezogen werden. Die Umweltberatung Luzern hilft bei der Suche eines Spezialisten. «Der Fachmann kann die Wespen mit speziellen Geräten einsaugen und mittels einer Holzkiste im Wald wieder aussetzen», sagt Frank vom Öko-Forum Luzern. Komme das nicht in Frage oder sei das Nest an einer schwer erreichbaren Stelle, etwa in einem Rolladenkasten, sollte laut dem Experten ein Kammerjäger hinzugezogen werden. Ein solcher Einsatz kostet mindestens 200 Franken, je nach Aufwand auch mehr.

Eine Prognose fürs nächste Jahr will Schädlingsbekämpfer Wegmann keine abgeben. «Es kommt darauf an, wie viele Königinnen überwintern und wie das Wetter im Frühling sein wird.» Es sei aber möglich, dass im nächsten Jahr erneut überdurchschnittlich viele Wespen unterwegs seien, da viele zukünftige Königinnen diesen Herbst entstehen. Wer im Frühling auf ein altes Nest stösst, muss keine Wespen-Rückkehr fürchten: Diese siedeln sich nie in einem «toten» Nest an, sondern bauen ein neues.

Wespenplage: Sie lassen uns nicht im Stich

Jetzt schwirren sie wieder gierig um Grilladen und Glace. Die gelb-schwarzen Nervensägen haben aber zu Unrecht einen schlechten Ruf.
Melissa Müller/Florian Raatz (Grafik)