ZENTRALSCHWEIZ: Zahl der Geburten steigt weiter

Noch nie gab es am Luzerner Kantonsspital so viele Babys wie 2014. Einen wahren Boom erleben zudem die Geburtshäuser. In Oberkirch wird nun ausgebaut.

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Das Geburtshaus Terra Alta in Oberkirch erfreut sich wachsender Beliebtheit. Am Montag ist Tabea, Töchterchen von Judith und Christoph Lötscher, dort zur Welt gekommen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Das Geburtshaus Terra Alta in Oberkirch erfreut sich wachsender Beliebtheit. Am Montag ist Tabea, Töchterchen von Judith und Christoph Lötscher, dort zur Welt gekommen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Yasmin Kunz

Zoey Krauer war 58 Minuten nach Mitternacht das erste Zentralschweizer Baby im Jahr 2015 (Ausgabe vom 3. Januar). Wenn sich die Entwicklung der Geburtenzahlen so verhält wie in den letzten Jahren, hat Zoey ein starkes Babyjahr eingeläutet. In der Zentralschweiz sind im letzten Jahr die Geburtenzahlen in fast allen angefragten Spitälern gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Gemäss dem Luzerner Kantonsspital (Luks) kamen 3158 Babys auf die Welt so viele wie noch nie. Im Jahr 2013 zählte das Luks noch 3105 Neugeborene (siehe Tabelle).

Die Zunahme ist den beiden Stand­orten Wolhusen und Sursee zu verdanken. Vor allem Wolhusen hat mit 50 Babys mehr als im Jahr 2013 gar einen Zuwachs von über 10 Prozent zu verzeichnen. Für die starke Zunahme hat Luks-Sprecherin Ramona Helfenberger keine schlüssige Erklärung. «In Wolhusen werden im Besonderen die familiäre Atmosphäre sowie das bereits jahrelang konstante Team geschätzt», hält sie allgemein fest.

Neue Infrastruktur als Trumpf

Auch im Wachstumskanton Zug zeigen die Geburtenzahlen seit Jahren nach oben. Im Jahr 2014 zählte das Kantonsspital Zug 843 Neugeborene. Im Vorjahr waren es 834. Die Gründe für den Babyboom vermutet Sonja Metzger, Sprecherin des Zuger Kantonsspitals, hauptsächlich im nationalen Geburtenzuwachs.

Am Kantonsspital Obwalden war der Zuwachs im letzten Jahr 290 Geburten gegenüber 242 im Jahr 2013 – besonders stark. Daniel Lüscher, Direktor des Kantonsspitals Obwalden, erklärt den Zuwachs von 12 Prozent mit dem neuen Bettentrakt, der im vergangenen Mai in Betrieb genommen wurde: «Die topmoderne Infrastruktur, die wir bieten, zieht Gebärende an.» Zudem sei seit dem Umbau die Abwanderung in andere Kantone stark gesunken, «und es kommen auch Frauen aus den Kantonen Luzern, Nidwalden und Bern für die Entbindung zu uns», so Lüscher.

Trotz dieser Abwanderung von werdenden Müttern nach Obwalden: Auch im Nachbarkanton Nidwalden sind 2014 mehr Kinder auf die Welt gekommen: Zählte das Kantonsspital in Stans im Jahr 2013 noch 468 Geburten, waren es letztes Jahr 522. Ebenfalls ein neuer Höchststand im Vergleich zu den letzten Jahren. Einen Grund dafür kennt Anja Radojewski, Leiterin Kommunikation und Marketing: «Wir bieten für jedes Mami ein Einzelzimmer, unabhängig von der Versicherungsklasse.»

Zurück zur Natur

Im Schatten der grossen Spitäler finden auch Geburtshäuser einen grossen Zuspruch. So zeigen die Zahlen im Geburtshaus Terra Alta in Oberkirch seit Jahren steil nach oben. Geschäftsleiterin und Hebamme Renate Ruckstuhl sagt: «Wir haben jedes Jahr 10 Prozent mehr Geburten.» Seit zehn Jahren können Frauen im «Terra Alta» ihre Kinder auf die Welt bringen, und seither kommen jährlich mehr. Der Rekord liegt nun neu bei 220 Neugeborenen im vergangenen Jahr. Die Spitze ist noch nicht erreicht: «Wir mussten im letzten Jahr sogar eine monatliche Obergrenze festlegen.»

Ruckstuhl kennt auch Gründe, weshalb ein Geburtshaus dem Spital vorgezogen wird. «Es ist wieder vermehrt im Trend, die Kinder auf natürlichem Weg und in einer intimen Umgebung auf die Welt zu bringen. Ausserdem erhält jede Gebärende eine Eins-zu-eins-Betreuung.»

Gerade wegen der grossen Nachfrage wird das «Terra Alta» in rund sechs Monaten den bestehenden Bau erweitern. «Im Sommer 2015 erhält das bestehende Geburtshaus noch einen Anbau», sagt Ruckstuhl. Konkret: Es soll drei zusätzliche Familienzimmer, ein zweites Geburtszimmer und grössere Aufenthaltsräume erhalten.

Ähnlich klingt es beim Geburtshaus in Stans: Auch dort verzeichnet man seit 2010 einen jährlichen Geburtenzuwachs, wie es auf Anfrage heisst. Zahlen waren gestern allerdings nicht erhältlich.

Auch national mehr Babys

Der Trend bei den Geburten in der Zentralschweiz widerspiegelt sich auch in der nationalen Statistik: 2012 erblickten in der Schweiz 82 164 Kinder das Licht der Welt. Ein Jahr später zählte das Bundesamt für Statistik (BFS) 82 731 Neugeborene. Für das Jahr 2014 liegen noch keine definitiven Zahlen vor. Bis Oktober 2014 wurden aber bereits 68 000 Babys geboren. Damit dürften die Zahlen auch im vergangenen Jahr wieder zugenommen haben.

Dennoch gibt es auch Spitäler, die letztes Jahr weniger Neugeborene zählten. Am Standort Luzern des Luzerner Kantonsspitals sind letztes Jahr mit 1841 Geburten 16 Kinder weniger auf die Welt gekommen als im Vorjahr. «Die Geburtenzahlen des Standorts Luzern sind stabil. Bei der Gesamtgeburtenzahl von 1841 ist eine Differenz von 16 Geburten nicht signifikant», sagt dazu Ramona Helfenberger.

Gleich eine Abnahme von 56 Geburten gegenüber dem Vorjahr verzeichnet die Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern. Kommunikations- und Marketingverantwortliche Rita Zibung erklärt die Abnahme unter anderem mit der «natürlichen Fluktuation einer Klinik mit Belegarztstruktur». Mit anderen Worten: Wenn ein Belegarzt in Pension geht oder sein Pensum reduziert, bringt er folglich auch weniger Patienten in die Klinik. Im folgenden Jahr rechne man allerdings wieder mit einer Geburtenzunahme, da neue Belegärzte sich dem «St. Anna» anschliessen würden, sagt Zibung.

Abwärtstrend in Uri

Im Kanton Uri ist die Geburtenzahl bereits seit Jahren rückläufig. Mit 284 Geburten wurden so wenig gezählt wie nie seit dem Jahr 2000. Für eine Stellungnahme war gestern allerdings aufgrund eines Feiertags niemand erreichbar. Aus demselben Grund waren gestern auch die Zahlen des Spitals Schwyz nicht erhältlich.

Bild: Screenshot Neue LZ

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