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Zentralschweizer Bauern kämpfen mit schlimmer Mäuseplage

In vielen Gebieten der Zentralschweiz haben sich die Wühlmäuse überdurchschnittlich vermehrt. Landwirte müssen sich gefasst machen: Stark betroffene Wiesen werfen im schlimmsten Fall die Hälfte weniger Ertrag ab.
Evelyne Fischer
Eine Rötelmaus, sie gehört zur Gattung der Wühlmäuse. (Bild: Getty)

Eine Rötelmaus, sie gehört zur Gattung der Wühlmäuse. (Bild: Getty)

Draussen zwitschern die Vögel, die Bäume stehen in voller Blüte, an den Wetteraussichten für die nächsten Tage gibt’s nichts auszusetzen. Frühling in seiner schönsten Form. Nur braune Haufen im Wiesland deuten darauf hin, dass nicht überall eitel Sonnenschein herrscht. Denn: In vielen Regionen der Zentralschweiz herrscht heuer eine Mäuseplage.

Dies bestätigt Heinrich Hebeisen, Berater für die Bereiche Pflanzenschutz und Ackerbau beim Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBZN) in Hohenrain: «In den Jahren 2015 und 2016 hat die Mäusepopulation einen Tiefststand erreicht. Mittlerweile sind wir vielerorts wieder auf dem Maximum angelangt.»

Mäusepopulationen schwanken über die Jahre. «In der Regel kommt es alle fünf bis sieben Jahre bei Wühlmäusen zu Massenvermehrungen», sagt Hebeisen. Der schöne Herbst 2018 habe aber eine zusätzliche Generation Mäuse ermöglicht. Er sagt:

«Das Gras wuchs lange, zahlreiche Wiesen und Weiden gingen mit über fausthohem Gras in den Winter. Ein Eldorado für die Mäuse!»

Bauern drohen nun enorme Schäden. «In stark betroffenen Wiesen mit über 100 Wühlmäusen pro Hektare entstehen grosse Lücken im Pflanzenbestand», sagt Hebeisen. «Die Folge sind Ertragseinbussen zwischen 20 und 50 Prozent. Die Futterqualität leidet und auch der Maschinenverschleiss wird höher ausfallen.» Beim Raps stelle man nesterweise stark ausgedünnte Bestände fest, bei den Bäumen in Obstkulturen seien ohne Gegenmassnahmen ebenfalls Schäden zu erwarten. Akzentuiert habe sich das Problem speziell in gewissen Futterbaugebieten, wo Mäuse nicht mehr aktiv bekämpft werden sowie in ausgeräumten Landschaften mit vielen Dauerwiesen.

Landwirte können Mäusen auf verschiedene Arten zu Leibe rücken. Etwa mit Fallen, mit dem Einsatz von Benzinvergas-Apparaten oder durch das Aufstellen von engmaschigen Zäunen. Hebeisen rät betroffenen Bauern allerdings, nur gezielt einzugreifen. «Massnahmen können zurzeit nur in Spezialkulturen empfohlen werden. Bei derart hohen Populationen, wie sie aktuell auftreten, ist es im Wiesland am effektivsten, keine aktiven Bekämpfungsmassnahmen zu ergreifen, um den Zusammenbruch der Populationen nicht hinauszuzögern.» Denn so sicher es regelmässig zur Massenvermehrung kommt, so sicher folgt auch deren Ende. Hebeisen:

«Je nach Region fand die letzte Mäuseplage in den Jahren 2012, 2013 oder 2014 statt, anschliessend brachen die Populationen zusammen.»

Die Gründe dafür seien wissenschaftlich nicht genau geklärt. «Unter anderem können Stress, Krankheiten oder natürliche Feinde zum Zusammenbruch der Population führen.» Hebeisen sagt, bei Wiesen gelte es, sich auf Wiesensanierungsmassnahmen zu beschränken. Heisst: Mit einer Wiesenegge oder einem Striegel mit Planierschiene werden Wiesen abgeschleppt, um die Mäusehaufen zu verteilen. «Oft wird dieser Vorgang mit der Einsaat von Kleegras kombiniert.»

Natürliche Feinde werden der Masse nicht mehr Herr

Eine Massnahme im Kampf gegen die Mäuse ist die Förderung natürlicher Feinde. «Sie tragen dazu bei, dass Mäuseplagen weniger häufig auftreten, im besten Fall ‹nur› noch alle sieben bis neun Jahre oder gar noch seltener», sagt Hebeisen. Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald empfiehlt etwa, Sitzstangen für Greifvögel und Eulen zu installieren. «Dieser Rat wird zunehmend befolgt. Doch weil die Mäusepopulationen im letzten Jahr schon relativ hoch und die Bedingungen für die Mäuse ideal waren, konnten die Greifvögel die Populationen nicht genügend reduzieren», sagt Hebeisen.

Auch Hermelin und Wiesel sind Mäusen nicht wohlgesinnt. Im Pfaffern-, Rot- und Wiggertal fördern aktuell drei Vernetzungsprojekte die Verbreitung von Wiesel. Das Tier frisst im Schnitt ein bis zwei Mäuse pro Tag. Damit bringt es ein weibliches Tier mit sechs Jungen auf zirka 100 Mäuse pro Woche.

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