Unter Schweizer Durchschnitt: Rund 1000 Personen sterben in der Zentralschweiz jährlich an Krebs

Die Bevölkerung in den Kantonen Luzern, Uri sowie Ob- und Nidwalden erkrankt und stirbt im schweizweiten Vergleich weniger an Krebs. Gründe dafür zu finden, sei allerdings schwierig, sagt ein Spezialist.

Pascal Studer
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Brustkrebs kommt vor allem bei jungen Frauen verhältnismässig häufig vor.

Brustkrebs kommt vor allem bei jungen Frauen verhältnismässig häufig vor.

Bild: Keystone, Bern,
8. Dezember 2009 

In der Zentralschweiz sind von 2012 bis 2016 pro Jahr durchschnittlich 2419 Personen an Krebs erkrankt. Wie aus einer Meldung des kantonalen Statistikamts Lustat hervorgeht, diagnostizieren Ärzte somit jährlich bei nur 0,5 Prozent der Bevölkerung der Kantone Luzern, Uri sowie Ob- und Nidwalden die potenziell tödliche Krankheit. Die Sterblichkeitsrate liegt dabei bei 0,2 Prozent pro Jahr, wobei die geschlechtsspezifischen Krebsformen Brust- und Prostatekrebs jeweils am meisten zu den Todesfällen beitrugen.

Besonders auffallend ist, dass die Zentralschweizer Bevölkerung im schweizweiten Vergleich seltener an Krebs erkrankt. Zudem ist auch die Mortalitätsrate vergleichsweise tiefer. Leben die Zentralschweizer gesünder als der Rest der Schweiz? Joachim Diebold, Leiter des Zentralschweizer Krebsregisters (ZKR) und Chefarzt der Pathologie des Luzerner Kantonsspitals, findet dies «eine kühne Aussage». Er sagt:

«Weshalb es in der Zentralschweiz weniger Krebserkrankungen und vergleichsweise weniger Krebstote gibt, ist unklar.»

Ohnehin würde das ZKR den Ursachen nicht nachgehen, weshalb eine Person an Krebs erkrankt ist oder warum sie der Krankheit schliesslich erliegt. Klar ist hingegen, dass keine bestimmte Krebsart überdurchschnittlich oft diagnostiziert wurde. Gemäss Diebold ist dieser Punkt sehr bedeutungsvoll. Er sagt deshalb auch: «Wir sind in Sachen Krebsprävention und Krebsbehandlung in der Zentralschweiz auf einem guten Stand.»

Frauen erkranken früher, aber weniger oft an Krebs als Männer

Auch geschlechterspezifisch können Vergleiche gezogen werden. So geht aus der Lustat-Mitteilung unter anderem hervor, dass von 100'000 Männern in der Zentralschweiz 395 an Krebs erkrankt sind. Schweizweit sind es dreissig mehr. Weniger deutlich sieht es bei den Frauen aus: Auch wenn Zentralschweizerinnen ebenfalls weniger an Krebs erkranken, ist der unterschied nur unwesentlich.

«Tuch und Hut machen Mut»

Kostenloses Beratungsangebot für krebstbetroffene Frauen

Während einer Chemo- oder Strahlentherapie kann ein Hut, ein Tuch oder ein anderes Accessoire sehr wichtig sein, schreibt die Krebsliga Zentralschweiz in einer Mitteilung. Daher können Betroffene am Mittwoch, 29. Januar von 9.30 bis 11.30 Uhr an der Löwenstrasse 3 in Luzern in einem geschützten Umfeld verschiedene Kopfbedeckungen anprobieren. Eine Fachfrau gibt indes Tipps für den Alltag. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Weitere Informationen: zentralschweiz.krebsliga.ch

Die Zahlen zeigen auch: Frauen erkranken über das ganze Leben betrachtet weniger häufig an Krebs als Männer. Etwas anders sieht die Situation aber bei einer altersspezifischen Betrachtung auf: Weil Brustkrebs in der Regel früher als Prostatekrebs auftritt, erkranken Frauen häufig in jüngeren Jahren. Bei den 85-jährig und älteren Männern ist die Neuerkrankungsrate allerdings fast doppelt so hoch wie diejenige bei den gleichaltrigen Frauen.

Neues Bundesgesetz seit anfangs Jahr in Kraft

Eine effiziente Krebsprävention und -behandlung ist ein zentrales Interesse im Schweizer Gesundheitsbereich. Seit dem 1. Januar 2020 gilt daher ein neues Bundesgesetz. Dieses beinhaltet die schweizweite Meldepflicht bei Krebserkrankungen. Früher lag dies im Kompetenzbereich der Kantone. So erfasst das Zentralschweizerische Krebsregister seit rund zehn Jahren die Krebsfälle von Luzern, Uri sowie Ob- und Nidwalden. ZKR-Leiter Diebold sagt, das Register sei im gesamtschweizerischen Vergleich eher jüngerer Natur. «Die Letzten» sei man allerdings nicht gewesen. Vorreiterkanton diesbezüglich war der Kanton Genf, wo Spezialisten seit 1970 Informationen zu Diagnose und Behandlung von Krebsfällen und Krebstodesfällen sammeln.

Auch wenn das neue Gesetz die Fachperson, welche die Krebsdiagnose letztlich überbringt, verpflichtet, über die Registrierung im schweizweiten Register zu informieren, können Patienten den Eintrag verwehren. Die Frist für dieses sogenannte Widerspruchsrecht beträgt drei Monate.

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